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Urlaub im Kloster
Text: Jens Ofiera

 
Bei der Suche nach immer besseren und ungewöhnlicheren Möglichkeiten der Erholung stößt der stressgeplagte Urlaubssuchende neuerdings immer häufiger auf dicke Mauern: Klostermauern! Rückzug, Ruhe und besinnliche Stille gegen Alltagsstrapazen, Hast und kräftezehrenden Leistungsdruck, die Erwartungen an die Erholung mit „Unterstützung von oben“ sind groß und die Wünsche der Urlaubsreifen an die himmlischen Vertreter auf Erden nicht immer einfach zu erfüllen. Aber die Möglichkeiten, einen kurzen oder längeren Urlaub in einem Kloster zu verbringen, sind da und sie erweisen sich als ausgesprochen vielfältig.
Einfach nur mal raus, ein paar Tage ganz was anderes? – Für die Klosterurlaubs-Einsteiger bieten sich so genannte Besinnungstage an. Diese finden unter Anleitung statt und die Dauer des Aufenthalts in der ungewohnten Umgebung ist nicht ganz so lang, z. B. ein Wochenende. Die Wirkung der für das Kloster charakteristischen Stille ist aber trotzdem nicht zu unterschätzen. Schließlich gehört ein Kurzurlaub in klösterlichen Gefilden nicht für jeden zu einer vertrauten Erfahrung. Probleme bei dem Umgang mit der ungewohnten Situation, ein neues Zeitgefühl oder der aufkommender Wunsch nach einem sinnreichen Gespräch liegen durchaus im Bereich der Erfahrungsmöglichkeiten. Aber auch für diese Fälle bietet das klösterliche Konzept eine Lösung an: Ein Ansprechpartner hat in schwierigen Urlaubssituationen, aber auch sonst, immer ein offenes Ohr.

Mutige Klosterurlauber können natürlich auch ohne organisatorische Begleitung hinter Klostermauern ausspannen. Als Einzelgast stehen einem in den Gästehäusern je nach Verfügbarkeit Zimmer für den Aufenthalt zur Verfügung. Hierfür ist allerdings eine ordentliche Portion Mut angesagt, denn statt Animation steht totale Ruhe auf dem Urlaubsprogramm, die auch schon mal zu Einsamkeit führen kann. Der Gast muss nämlich den größten Teil des Tages für sich allein gestalten und so viel Zeit mit sich selbst ist nicht jeder gewohnt. Zweifelnden Einsteigern sind deshalb auf alle Fälle Besinnungstage unter Anleitung ans Herz gelegt.

Einfach mal einen Punkt setzen, eine neue Richtung einschlagen? – Das „Abenteuer Kloster“ bietet für die Fortgeschrittenen noch eine Steigerung: Kloster auf Zeit. Urlaub im herkömmlichen Sinn ist das dann nicht mehr, da der Aufenthalt mehrere Wochen bis zu ein paar Monaten umfassen kann. Das liegt ganz im Ermessen desjenigen, der sich dieser Herausforderung stellen möchte. Klassische Urlaubsmotive erwarten einen bei dieser Art von Auszeit daher nicht: sehr frühes Aufstehen, Mitarbeit im Ordensalltag und Einordnung in die geregelte Gemeinschaft statt Langschläferfrühstück, süßes Nichtstun und Tagträumereien. Die persönlichen Gründe und Ziele einer „Kloster-Auszeit“ sollte man sich daher genau überlegen. Denn eins ist sicher: ein Urlaub erholt, das „Abenteuer Kloster“ verändert.