Klosterferien zwischen Luxus und Stille

Orden von Koblenz über Engelberg bis hin zu Korea bieten Ruhesuchenden umfangreiche Programme an. Die Palette reicht von Luxus mit spirituellem Schongang bis hin zu Betaufenthalten
von Monika Reisner


Max Kirschner zwinkert Klosterschwester Bernadette zum Abschied zu. «Wir haben tolle Gespräche geführt», sagt der sonst viel beschäftigte 44-Jährige. «Vielleicht lag es daran, dass sie so gut zugehört haben.» Kirschner atmet durch: Er blickt über die bewaldeten Hänge und fühlt sich erfrischt, frei und voller Tatendrang. Die Woche hat ihm gut getan: Er hat sieben Tage in einem Kloster verbracht. Er war viel an der frischen Luft, er hatte Zeit zum Nachdenken. Den Fernseher hat er nicht einmal vermisst. Er hatte sich für einen Aufenthalt in einem der vielen Klöster entschieden, die ihre Pforten für Menschen, die eine Auszeit wollen, öffnen. Weltweit bieten Ordensgemeinschaften immer umfangreichere Programme für Ruhesuchende an.

Die Franziskaner kommen einem wahrscheinlich aus zwei Gründen bekannt vor: wegen des gleichnamigen Weißbiers und wegen des Schauspielers Sean Connery, der im Umberto-Eco Film «Der Name der Rose» einen Franziskaner-Mönch mimte. Der freilich hat mit dem Leben der Ordensbrüder heute wenig gemeinsam. Doch wer sich einmal zurückziehen und auf neue Gedanken kommen will, der kann dies zum Beispiel im «Klösterle» im deutschen Wangen tun. Die sieben Brüder dort nehmen wochenweise Gäste auf, die mit ihnen den bescheidenen Alltag verbringen. Mitanpacken in Haus und Garten ist gern gesehen. Gemeinsame Gebete gehören zum Tagesprogramm. Einen festen Zimmerpreis gibt es nicht:
Der Gast bezahlt so viel, wie er kann.

Ein umfangreiches Pauschalprogramm in der Abgeschiedenheit ihres Klosters bieten hingegen die rund 60 Arenberger Dominikanerinnen bei Koblenz: 27 Kurse werden in diesem Jahr angeboten. Zu den Tagespunkten zählen unter anderem Gesprächsbegleitung, Wassertreten ä la Kneipp, Meditieren und das Mitfeiern der Liturgie. Eine ganze Woche im Kloster verspricht tiefere Einblicke. Schwestern und weltliche Kursbetreuer suchen bei ihren Gästen «den Mönch, der in jedem wohnt, bei einer Lebensform, die doch keinen Hund mehr hinterm Ofen hervorlockt». Dem Gelockt-Werden helfen die umtriebigen Dominikanerinnen ein wenig nach, indem sie Themen behandeln, die viele betreffen im September steht «Damit Liebe gelingt -Paar sein in einer Patchwork - Familie» auf dem Programm, mit Ehe-, Familien und Lebensberater Hans-Steffen Kind. Oder bei der Kräuterwoche: Dabei erleben die Besucher «Heilkräuter mit allen Sinnen» mit Kräuterwanderung, Tee-Ernte und Zubereitung.

Nicht nur in Deutschland, auch in Österreich und in der Schweiz stellen Ordensschwestern und -brüder ein umfangreiches Programm auf die Beine: So haben sich fünf Klöster in Österreich zum «Klösterreich» zusammengeschlossen. Da kombinieren Weinliebhaber ihre Klausurzeit mit der Verkostung von Grünem Veltliner und Blauem Zweigelt im Benediktinerstift Altenburg, in Göttweig oder im Zisterzienserstift Heiligenkreuz. Sportliche Feriengäste schwingen sich aufs Fahrrad und genießen die Natur entlang der 65 Kilometer langen Route des Waldviertler Klosterradwegs. Start ist vor den Mauern des Stiftes Geras.
Und die Nonnen der Abtei der Zisterzienserinnen im österreichischen Mönchhof, die sich Kneippkurhaus & Entspannungszentrum Marienkron nennt, bekennen sich zum «fromm sein und ausschlafen». Die Messe wird deshalb besucherfreundlich mittags abgehalten. Schwestern begegnen einem beiläufig und bei der Morgengymnastik, im Speisesaal, bei der Einführung in die Lectio divina (geistliche Schriftlesung), bei Joga, Qigong, in der Therapie, bei Ausfügen und während Abendprogrammen. Die Teilnahme am klösterlichen Alltag oder das Beschäftigen mit Spiritualität ist kein Muss, aber möglich. Spiritualität? Sowieso und unaufdringlich» lautet das Motto.

Etwas besinnlicher geben sich unsere Orden: Bei den Angeboten und Veranstaltungen geht es in erster Linie um Gebete und ums Pilgern; es gibt Besinnungstage und Einzel-Exerzitien, einen Bibelwanderkurs oder eine «Spurensuche» für Männer. «Suchen Sie einen Ort, wo Sie in aller Ruhe und bei Gebet neue Kräfte tanken, sich auf eine neue Lebensphase vorbereiten, eine Berufung prüfen oder einfach benediktinisches Leben kennen lernen können?» heißt es etwa auf der Homepage des Benediktinerklosters Engelberg, gefolgt von der Aufforderung: «Dann melden Sie sich unverbindlich bei uns. Wir beherbergen bei uns Menschen, die bewusst die klösterliche Atmosphäre suchen und mit uns beten wollen.» Engelberg gewährt Frauen und Männern Aufenthaltsmöglichkeiten nach Absprache (www.kloster-engelberg.ch). Im Internet findet man eine große Auswahl an Klöstern in der ganzen Schweiz, die Besucher aufnehmen - kostenpflichtig oder auch kostenlos (siehe unten).
Kultur und Kloster oder Reisen und Klosterferien weltweit bieten Nischenveranstalter wie «Studien Kontakt Reisen» (SKR) und das Bayerische Pilger-Büro an. Die Ziele von SKR liegen zwischen Niederaltaich in Niederbayern und Südkorea. Während der 15-tägigen Korea-Reise unter dem Motto «Kontraste im Land der Morgenstille» lernt man auch das buddhistische Klosterleben kennen. Wie die Zisterzienser bei Santiago de Compostela leben, erfährt man, wenn man eine sechstägige Reise mit dem Bayerischen Pilgerbüro dorthin bucht. Reiseleiter Johannes Modesto, Referent des Generalvikars des Erzbischofs von München und Freising, organisiert Begegnungen und Gespräche mit den Mönchen sowie die Teilnahme an der Vesper und den Liturgien. Wanderungen auf dem Jakobsweg ergänzen das Angebot.
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