Erholen, Begegnen und Heilen

Das Kloster Arenberg bietet Urlaub für Leib und Seele

Text: Antonia Groll

Das Schwimmbecken ist angenehme 28 Grad warm, die Nackenmassagedusche plätschert, das Wasser lockt in Blau-Türkis. Erholung pur ‒ nicht auf Kreta oder den Kapverden, sondern in einem Kloster bei Koblenz.

Die Dominikanerinnen in Arenberg bieten ihren Gästen Entspannungsurlaub an. „Erholen ‒ Begegnen ‒ Heilen", mit diesem Dreiklang überschreibt das Kloster sein Programm.

Die Wasseranwendungen hätten wie alle Angebote den Zweck, dass die Menschen sich ihrer selbst bewusster würden ‒ sowohl körperlich als auch seelisch, erklärt Schwester Andrea, während sie Josef Fonck im Tretbecken einige Runden drehen lässt. Die Ordensfrau und gelernte Physiotherapeutin leitet den Vital-Bereich im Gästehaus des Klosters.
Dort sind insgesamt 85 Mitarbeiter und zehn Dominikanerinnen beschäftigt, deren Mutterhaus mit rund 65 Schwestern an das Gästehaus angeschlossen ist.


Schwester Josefa (links) und ihre Assistentin


Martin Hofmeir, Leiter der Seelsorge
Vom warm beleuchteten Empfang aus gelangt man zu den Behandlungsräumen mit Massageliegen und großen Badewannen, dem Fitnessraum, Sauna, Solarium, Therapiebecken und Schwimmbecken.

In der Tiefe ansprechen

Wasser hat im Haus der Dominikanerinnen eine lange Tradition. Rund 50 Jahre lang war es ein Kneippsanatorium. Und  auch  heute  spielen Wassertherapien nach Sebastian Kneipp eine wichtige Rolle hinter den Klostermauern. Tautreten, Güsse, Bäder ‒ all das steht auf dem Programm.
Seit 2003 verfolgt das Kloster diesen ausgeweiteten Ansatz. Damals wurde das Gästehaus aufwändig umgebaut und ein kleiner Neubau angeschlossen. Das Etikett vom „Wellnesskloster" wollen sich die Arenberger trotzdem nur ungern anheften lassen. Dies werde dem Haus aber nicht gerecht, weil man den Begriff Wellness oberflächlich verstehe, sagt der Theologe und Leiter der Seelsorge, Martin Hofmeir. „Wir möchten den Menschen aber nicht nur oberflächlich erreichen, sondern ihn in der Tiefe ansprechen." Deshalb gebe es in Arenberg eben auch Angebote für den Geist und die Seele: Morgengebet, Teilnahme am Stundengebet der Schwestern oder Meditationen.

Auch Schwester Andrea missfällt die Reduzierung auf einen Aspekt, sieht den Weg der Wellness aber pragmatisch. Nachdem die Krankenkassen bei den alten Badekuren gespart hätten, seien die Gäste ausgegangen und man habe rote Zahlen geschrieben. Deshalb hätten sich die Schwestern zum Umbau entschlossen, um die Menschen in ihrer durchaus vorhandenen spirituellen Suche abzuholen, erinnert sich die Ordensfrau, die seit 1984 im Orden ist.

So wirbt das Kloster im Internet ganz offensiv mit dem Begriff „Wellness" ‒ und unterscheidet sich mit diesem Ansatz ja auch gerade von anderen Klöstern, die zum Urlauben einladen. „Menschen kommen aus einer gestressten Alltagssituation und suchen Rückzugsräume", erklärt Schwester Andrea. „Sie müssen sehr viel leisten, tun und machen. Und sie selber kommen oftmals gar nicht mehr vor. Deshalb suchen sie Orte, wo sie Zeit und Ruhe finden, um sich auch selber wieder zu finden und in Ruhe zu spüren."

Gut ausgelastet
Dabei bezieht Kloster Arenberg den Körper ganz gezielt und bewusst mit ein. „Wenn ich total verspannt, verkrampft und müde bin, geht es der Seele auch nicht gut", begründet Martin Hofmeir den Ansatz einer umfassenden „Leib-Seel-Sorge", wie Schwester Andrea es formuliert.
Das kommt offenbar an. Das 100-Betten-Haus sei gut ausgelastet, heißt es in Arenberg zufrieden. Josef Fonck und seine Frau Anne kommen jedenfalls bereits das zweite Mal aus Xanten am Niederrhein nach Koblenz, ans Eck zwischen Rhein und Mosel. „Richtige Erholung gibt es nur hier, weil man viel nachdenken und in sich gehen kann, ohne dass ständig etwas los ist", erklärt der 66-jährige Vater von sechs Kindern. Deshalb entscheide er sich regelmäßig für das Kloster.

In Arenberg bedeutet das Massage und Meditation, Fitness und Vesper, Kapelle und Kraftraum.
Wer dabei noch Zeit findet, kann außerdem im klösterlichen Kräutergarten bei der Ernte helfen. An diesem Nachmittag pflückt Schwester Josefa etwa Ringelblumen. Daraus macht sie unter anderem Salbe, die in einem kleinen Holzhaus inmitten der Beete in Töpfchen gefüllt, auf dem Tisch aufgereiht ist.