Alte Gemäuer...mit neuer Aufgabe

Wenn der Kreuzgang zur Wellness-Oase wird.


Wassertreten im Kloster Arenberg.
Die Anlage wurde mit großem Aufwand
in ein Gesundheitszentrum umgebaut


Nachwuchsmangel und zu große Häuser stellen Ordens- und Dienstgemeinschaften vor neue Herausforderungen. Weitläufige Flure, leerstehende Zimmer, ungenutzte Etagen:
Der Nachwuchsmangel in manchen Ordens -und Gemeinschaftshäusern hat nicht nur personelle, sondern auch räumliche Folgen. Wo ein Haus nicht aufgeben werden soll und kann, muss ein neues Konzept her. Dabei erinnerten sich manche Gemeinschaften an die alte Tugend der klösterlichen Gastfreundschaft und öffneten ihre Pforten für Gäste und Urlaubsuchende.
Der Erfolg kann sich sehen lassen: Verbunden mit spirituellen Angeboten oder einem begrenzten Mitleben in der jeweiligen Gemeinschaft, boomen die Buchungszahlen. Rückzug, Ruhe und besinnliche Stille gegen den Alltagsstress.
Fanden früher eher fromme Menschen den Weg ins Kloster, sind es heutePersonen aller christlicher Couleur, die den Blick hinter Klostermauern wagen. Auch das Alter variiert. Menschen machen sich auf den Weg und suchen bewusst die Abgeschiedenheit alter Anlagen.
Die »heiligen« Orte zeigen ihre Wirkung: Umgeben von einer meist meditativen Ruhe und Beschaulichkeit kann man hier zu einem neuen Zeitgefühl finden. Wenn der Wunsch nach einem Gespräch aufkommt, ist es nicht ungewöhnlich, zum Beispiel im Klostergarten ein offenes Ohr eines anderen Gastes oder eines Ordens-Christen zu finden. Klosterurlaub kann also mehr werden als eine reine Herbergssuche.
Bei der Umrüstung zum Gästebetrieb schlugen manche Häuser neue, für die Gemeinschaft ungewohnte Wege ein.. Nicht nur, dass der vormals von der Außenwelt getrennte Klosterbereich geöffnet wurde. Es mussten auch neue Konzepte in der Raumgestaltung und Gästebetreuung her. Manche taten sich mit dieser Veränderung schwer, hatten die Befürchtung, eine breite Öffnung könnte Unruhe und Hektik zur Folge haben.
Andere Gemeinschaften sahen es aber als große Chance, nicht nur die Gebäude zu halten, sondern ihre je eigene Berufung und Aufgabe klösterlichen Lebens in der gegenwärtigen Zeit Vorzustellen und vorzuleben. Gerade in solchen Häusern, in denen noch jüngere Schwestern oder Brüder vor Ort sind, entstehen Begegnungen, die Befremden abbauen und Interesse wecken können. Manches Diakonissenmutterhaus hat damit gute Erfahrungen gemacht. Versahen früher einzelne Schwestern ihren Dienst allein in den jeweiligen Gemeinden, findet man heute in den Häusern Begegnungsstätten, die den diakonischen und missionarischen Auftrag erfüllen. Der Ruhestand mancher Schwester lässt durch die neuen Aufgaben noch etwas auf sich warten.
Ein großer Medienrummel entstand vor einigen Jahren um das Kloster Arenberg der Dominikanerinnen in der Nähe von Koblenz. Für mehr als 14 Millionen Euro bauten sie ihr Kloster zu einem Wohlfühl Tempel um. Für die Gemeinschaft der Schwestern damals eine schwerwiegende Entscheidung. Der Erfolg scheint ihnen aber Recht zu geben: Heute finden die zahlreichen Gäste neben Kirche und Klosterbereich ein Vital-Zentrum auf dem neuesten Stand.
Für manches Kloster kommt eine solche Öffnung im letzten Moment, bevor sich der Schatten des Absterbens ganz über einen Ort legt. Die Belebung durch Gäste kann zur Belebung der Gemeinschaft führen, wenn auch nicht direkt durch steigende Eintrittes-Zahlen. Doch nicht wenige Gäste kommen immer wieder und können so zu einem Teil eines Ordens beziehungsweise einer Gemeinschaft werden.