IMPULS FÜR DEN MONAT November 2021

November. Ein eigenwilliger Monat. Sonne und Nebel. Wind und Stille. Leuchtende Farben. Ein ständiges Fallen und Lassen. Und auch Sterben. Wer genau hinschaut, entdeckt jedoch bereits kleine Knospen, die den Frühling verheißen. Es ist ein unentwegtes Reifen.

Reifen bedeutet immer auch Wandlung und braucht daher Phasen der Stille und des Rückzugs. Wie unser Innerstes: wenn wir reifen wollen, brauchen wir den Herbst, brauchen wir diesen Raum des Innehaltens:
Die Seele wird krank, wenn sie atemlos bleibt und nicht auch immer abgeben, freigeben kann. So wie das Obst eingesammelt und verarbeitet wird, ist es heilsam für unser Leben, wenn wir uns Zeiten des Ordnens und des Aussortierens schenken lassen.

Jeder Tag gibt uns Aufgaben auf, manchmal gewohnte, die uns leicht von der Hand gehen. Andere sind belastend, mühsam und Kraft. Die Natur geschieht einfach, wenn wir sie nicht stören.
Sie gibt unerschöpflich, ohne Berechnung. Meinten wir. Doch sie ist krank, schwerkrank. Sie braucht nun einen ewig langen November der Erholung. Keine Abholzung mehr. Keine Ausbeutung der Äcker, kein Ausfischen der Meere. Der Konsum holt und holt und holt. Und die Natur gibt und gibt – längst kann sie nicht mehr und ist erschöpft. Tun wir uns mit ihr zusammen – sie ist die beste Lehrmeisterin. Sie zeigt uns die Momente des Lassens, des Weniger. Sie lehrt uns die Brachzeit, den Rückzug, um neue Kräfte zu sammeln für Neues, für den Frühling.

Seele und Natur – sie sind Freunde, sie sind einander so nah.
Ermöglichen wir ihnen diese Ruhe. Weniger ist mehr.

(Sr. M. Scholastika Jurt OP)

 

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