IMPULS FÜR DEN MONAT SEPTEMBER 2020

Wiedehopf und Grünspecht

Einen Wiedehopf zu sehen, ist ein seltenes
Vergnügen. Von dieser Freude berichtet Ralf Huning
in seinem Buch „Ich muss nicht beten können“.
Die unverhoffte Begegnung mit dem Vogel, dem er
schon in Kindheitstagen auf der Spur war, wird ihm
zum Gleichnis für die Beziehung zu Gott: So sehr
ich mich vielleicht danach sehne, Gott zu begegnen
kann ich diese Erfahrung nicht nach Belieben
machen – sie ist ein großes Geschenk. Aber ich
kann mich dafür disponieren, indem ich wachsam
wahrnehme, was um mich herum oder in mir
geschieht.

Mir selbst wurde kürzlich die beglückende
Begegnung mit einem Grünspecht geschenkt. In
meinen Exerzitien vertraute ich der Gottesmutter
eine Sorge an und kurze Zeit später umflog ein
Grünspecht, der Lieblingsvogel der Person, für die
ich betete, die Marienstatue. Das nahm ich als
Zeichen dafür, dass die Bitte gehört wurde.

Anderntags, als ich aus dem Fenster meines Zimmers
sah, erblickte ich den Grünspecht noch einmal. Ganz
aus der Nähe. Ich war fasziniert vom grünen Gefieder,
von der leuchtenden Röte seines Kopfes, von unserer
Nähe und der Länge des Geschehens. Ich dachte, der
Vogel würde bald wieder wegfliegen; er sah immer
wieder ängstlich nach oben, ob Gefahr in Verzug ist.
Aber allmählich wurde er ruhiger und verweilte
vertrauensvoll auf der Wiese vor meinem Fenster.

Vielleicht schaut Gott auch mir so zu, wenn ich in den
Exerzitien und im Alltag versuche, einfach bei Ihm zu
verweilen statt ängstlich um meine Sorgen zu kreisen.
Vermutlich ist Er mir näher, als ich ahne. Eigentlich
könnte ich mich voll entspannen.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leser*innen, ähnlich
beglückende Natur- und Gotteserfahrungen, immer
wieder neues Vertrauen und eine große Offenheit und
Dankbarkeit für die Geschenke der Schöpfung und
des Schöpfers

Ihr Martin Hofmeir

 

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