IMPULS FÜR DEN MONAT Mai 2019

Sich erneuern lassen

„Es ist Zeit, neu zu beginnen“ singen wir hier im Kloster gern mit der Liedermacherin IRIA (CD „Mein Herz will fliegen“). Das Lied passt jetzt besonders gut. Denn, wie es heißt: Alles neu macht der Mai. Wie sich die Natur im Frühjahr erneuert, so braucht es auch im eigenen Leben und zurzeit vor allem in der Kirche eine grundlegende Erneuerung.

Selten hat mich eine kirchliche Verlautbarung so angesprochen wie das Hirtenwort von Bischof Overbeck
(https://www.bistum-essen.de/fileadmin/relaunch/Bilder/Bistum/Bischof/Texte_Ruhrbischof/Wort_des_Bischofs_2019.pdf) zur gegenwärtigen Situation in der Kirche und in seinem Bistum Essen. Er bringt die aktuelle schmerzlich empfundene Kirchenkrise in großer Deutlichkeit ins Wort und kommt zu dem Ergebnis: „Die alte Zeit ist zu Ende!“ Für die dringend erforderliche Erneuerung der Kirche gebe es keine Tabus mehr und keine Fragen, die nicht gestellt werden dürfen. Neben der gründlichen Aufarbeitung allen Missbrauchs müssen auch alte Überzeugungen und heiße Eisen wie Zölibat und Sexualmoral auf den Prüfstand gestellt werden.

Mut zum Neuaufbruch gibt Bischof Overbeck das Gotteswort „…Siehe, nun mach ich etwas Neues, schon sprießt es, merkt ihr es nicht?“ (Jesaja 43,18f.). Der Bischof lobt den „Mut zu Experimenten“ und benennt verschiedene Punkte, wo er neues Sprießen in der Kirche erkennen kann. Auch bei sich selbst. So gibt er freimütig zu, dass er etwa seine Haltung zur Homosexualität durch persönliche Begegnungen und eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Thema gründlich revidieren musste.

Dieses Hirtenwort gilt nicht nur für das Bistum Essen; es wird auch hier in Kloster Arenberg genau gelesen. Es ist für uns eine Herausforderung, immer wieder zu prüfen, ob unsere Einstellungen und Angebote Raum schaffen für das Wirken Gottes. Wo wir Gott Raum geben, in uns wirken lassen, entsteht Gutes, kommt Neues zum Vorschein. Das darf ich selbst immer wieder erleben, wenn ich mich allein oder auch mit anderen in die Stille begebe. Oder wenn ich mir Zeit nehme, die Grünkraft und die Schönheit der aufblühenden Natur wahrzunehmen. Wenn ich mich auf fremde Menschen und neue Erfahrungen einlasse. Wenn ich die Bibel zu mir sprechen lasse. Wenn ich mir erlaube, genau hinzuspüren, was in meinen Träumen und Sehnsüchten leben möchte … Es gibt so viele Quellen der Erneuerung!

Ich wünsche der Kirche, den Gemeinden und Klöstern, aber auch mir und Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, den Mut und die Kraft zur Erneuerung und neuem Leben, verbunden mit der Gebetsbitte: „Herr erneuere deine Kirche und fang bei mir an!“ (Kardinal Newman)

Martin Hofmeir

 

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