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Klara – Mut und Freiheit
Ist es mutig, mit 18 Jahren das wohlhabende Elternhaus zu verlassen und sich in einer Nacht- und Nebelaktion einer neuartigen Bewegung rund um den „Aussteiger“ Franz von Assisi anzuschließen? Als junge, kluge Frau Die Vorzüge des adligen Lebens mit einem harten, bettelarmen Lebensstil einzutauschen?
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Vermutlich würden wir zunächst sagen: Ja, ein solcher Schritt erfordert Mut. Die Nachfolge Jesus erfordert Mut – schon immer. Auf dem Seesturm das Boot zu verlassen ist mutig (Mt 14,28-33); das Evangelium zu verkünden, obwohl es untersagt wurde, ebenso (Apg 4,20), genauso wie die Entscheidung freiwillig in den Hungerbunker zu gehen (Maximilian Kolbe). Die Liste von mutigen und freien Christinnen und Christen ließe sich endlos fortsetzen.
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Und doch meine ich, dass wir bei diesen Beispielen von einer anderen Art von Mut sprechen als im herkömmlichen Sinn. Wenn wir beispielsweise an Mutproben denken, dann ist Mut etwas, das mit der Überwindung von Ängsten zu tun hat. Es geht darum, persönliche Grenzen zu testen, ein Risiko einzugehen und etwas zu beweisen. Doch diese ganz persönlichen Berufungsgeschichten entspringen nicht aus einer Angst, sondern aus einer inneren Sehnsucht, einem Berührtsein von einer leisen, verborgenen Stimme. Man könnte auch sagen: Sie entspringen aus einer tiefen, inneren Freiheit.
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Auch die heilige Klara traf ihre Entscheidung mutig und frei. Ihren Wunsch nach dem Beispiel des heiligen Franziskus, in Armut dem armen Jesus nachzufolgen, kann nur Ausdruck absoluter Freiheit gewesen sein. Weder materiellen Nöte, brachten sie dazu sich einer Gemeinschaft anzuschließen noch war es eine Enttäuschung vom Leben. Nein, sie kannte das Leben mit seinen Vorzügen und Freuden. Aber in ihr lebte eine Sehnsucht nach Mehr. Defizite vermögen es nicht dem Ruf Jesu zu folgen. Aus einem Mangel heraus, kann niemand dauerhaft das Evangelium leben, sondern nur das Sehnen nach Mehr kann zu einer echten Nachfolge führen. Das war die Freiheit Klaras. So bezeichnete sie auch Papst Leo in einer Generalaudienz als „ein mutiges Mädchen, das gegen den Strom schwimmt“ .
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Ansprüche oder gar bestimmte Frauenbilder ließen sie kalt. Der Ausbruch von Franziskus sorgte für Aufsehen in der Stadt - bekannt ist die Szene, in der Franziskus nackt vor dem Bischof steht - doch der viel größere Skandal war Klara. Noch einmal Papst Leo: „Die Entscheidung von Klara war dagegen noch beeindruckender: Eine junge Frau, die wie Franziskus sein wollte, die als Frau so frei leben wollte wie diese Brüder!“ So wollte sie sich am liebsten dem heiligen Franz anschließen und Bruder werden. Da dieser Plan nicht funktionierte, ist Klara als erste Frau in die Kirchengeschichte eingegangen, die eine eigene Ordensregel verfasst hat. Lange musste sie darauf warten. Erst zwei Tage vor ihrem Tod wurde ihr das Privileg der Armut vom Papst bestätigt. Dieser wollte lange Zeit die Regel nicht anerkennen, weil er Sorge hatte, dass Frauen diese Radikalität nicht zu leben vermögen. Doch Klaras Durchhaltevermögen hat sich ausgezahlt – bis heute leben Menschen aus ihrem freiheitlichen, mutigen Geist.
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Für mich war mit meinem Ordenseintritt klar, dass ich meine Namenspatronin weiterhin behalten wollte. Ihr einfaches Leben, ihre frauliche Stärke und Mut neue Wege zu gehen, sind für mich bis heute inspirierend. Und doch, bei aller Strenge zeichnete sich Klara im Umgang mit ihren Mitmenschen als sehr barmherzig aus. So schreibt sie in einem Brief an die heilige Agnes von Prag, sie solle in Bezug auf das Fasten weniger streng mit sich selbst sein. Stattdessen mahnt sie: „Ich bitte dich im Herrn, dass Du als Lebendige lebendig den Herrn preisest“ . Es geht im geistlichen Leben immer um das Mehr an Leben, an Freude, an Freiheit und an Lebendigkeit. Ich wünsche uns allen, dass wir in der Nachfolge Jesu immer tiefer in diese, uns je eigene Lebendigkeit hineinfinden. Die heilige Klara kann uns dabei ein Vorbild sein.
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