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Liebe Gäste, können Sie sich noch daran erinnern, wie es damals war, wenn der Schulgong die „große Pause“ einläutete? Die ersten – manchmal schon anstrengenden Schulstunden waren geschafft, dann endlich das befreiende Zeichen: PAUSE. Alles stehen und liegen lassen, ein paar Minuten Raus-Zeit, Quatsch machen, Treffen mit Freund:innen, etwas Bewegung, dazu ein leckeres Pausenbrot… Heute, viele Jahre später, sehne ich mich manchmal danach, dass es in meinem Alltag solch fest eingeplante Pausen gibt. Meistens muss ich sie mir auch im Kloster erkämpfen, diese Zeiten, in denen die Arbeit ruhen und die Seele baumeln darf. Und dabei sind sie doch so wichtig! Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen inzwischen den großen Wert der Pause. Leib und Seele können sich erholen, Gelerntes kann sich „setzen“, wir sind kreativer und nebenbei: wir arbeiten danach auch wieder deutlich effizienter und konzentrierter.
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In seinem Buch „Herztöne“ beschrieb der Geigenbauer Martin Schleske vor einigen Jahren eine Erfahrung, die für ihn zu einem Bekehrungserlebnis wurde: Er erzählt, wie er einmal in seiner Werkstatt mit großem Körpereinsatz versuchte, mit Hilfe eines Abstecheisens aus einem Stück Holz einen Celloboden herauszuarbeiten. Er spürte während dieser Arbeit, wie er dafür deutlich mehr Kraft als gewöhnlich brauchte, und es war ihm auch bewusst, dass es daran lag, dass die Schneide des Abstecheisens stumpf geworden war - eigentlich hätte sie geschärft werden müssen. Doch statt sich Zeit zu nehmen, sich dem Eisen zu widmen und es zu schärfen, arbeitete er einfach schwitzend weiter und sagte sich: „Es reicht schon noch.“ Und als hätte Gott selbst ihm einen Spiegel vorgehalten, wurde ihm in diesem Moment bewusst, dass dieser schnell gedachte Satz „Es reicht schon noch“ eine wesentliche Ursache dafür ist, dass wir Menschen zuweilen nicht nur äußerlich sondern auch innerlich hart und unberührbar werden. Die Bibel benennt an mehreren Stellen die Wirklichkeit eines abgestumpften Herzens, welches dazu führt, dass sich Menschen von ihrem eigenen Leben entfremden, das Gefühl für sich selbst und andere verlieren. Sie sind abgestumpft durch Verletzungen und Enttäuschungen, abgestumpft durch Überforderung und Niederlagen, abgestumpft manchmal auch durch den ganz gewöhnlichen Alltag, der im Lauf der Jahre seinen Tribut fordert. „Es ist nicht die Schuld des Eisens dass es stumpf wird“, so Martin Schleske – es liegt in der Natur der Sache: „Nur ein unbenutztes Werkzeug bleibt scharf.“ Um in diesem eindrücklichen Bild zu bleiben: Sich regelmäßig im Alltag zu unterbrechen, Pausen einzulegen, um sich selbst wieder zu „schärfen“ sollte kein Luxusphänomen sein, sondern ist tatsächlich lebenswichtig für unseren Leib und unsere Seele.
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Liebe Gäste, zum Schluss noch ein Wort in eigener Sache: Ich persönlich darf mich im Juli zu einer wirklich großen Pause verabschieden. Zusammen mit 18 Kurskolleg:innen werde ich zunächst bis Mitte August im Rahmen einer Ausbildung 30 Tage ins Schweigen der Großen Exerzitien eintauchen. Und wie bereits im Frühjahr angekündigt, werde ich danach nicht wieder ins Seelsorgeteam von Kloster Arenberg zurückkehren, sondern mich bis Herbst 2027 verschiedenen Aufgaben in der Schwesterngemeinschaft widmen und einige Herzens-Projekte angehen, für die bislang im Alltag immer zu wenig Zeit blieb. So viel Freude mir die Arbeit in unserem wunderbaren Gästehaus gemacht hat, so dankbar ich auch bin für die Erfahrungen, die ich in den letzten 17 Jahren hier sammeln durfte, so sehr spüre ich gerade, dass diese Unterbrechung richtig ist und auch für mich persönlich die Chance einer „Schärfung“ bedeutet. Von Herzen wünsche ich Ihnen eine gesegnete SOMMERzeit – mit heilsamen Unterbrechungen, großen und kleinen Pausen, unbeschwerten Momenten, in denen Sie empfänglich werden für das Wunder des Lebens. Bleiben Sie behütet!
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