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“Solange die Erde es schafft, jedes Jahr wieder Frühling zu machen, will ich es auch tun.” (Alice Walker)
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Mir juckt der Frühling in den Fingern. Noch ist der Boden zu feucht. Aber bald werde ich die ersten Radieschen säen. Dann kommen die alten Glasfenster auf das Frühbeet - und es geht los.
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Seit dem Lockdown darf ich im Garten meines Nachbarn gärtnern. Damals hat mich meine Kollegin dazu animiert, einfach loszulegen. Ich bin ihr und meinem Nachbarn bis heute dankbar. Denn seitdem habe ich so viel Freude an diesem Flecken Erde: an den Erdbeeren und Möhren, an Salat und den duftenden Kräutern und so allerlei anderem, was ich anbaue, hege und pflege.
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Ich staune immer wieder, wie viel mir diese einfache Tätigkeit gibt: Sie verbindet mich mit mir selbst, mit der Erde und ich glaube, so auch mit Gott. Sie schenkt mir Ruhe. Führt mich schnell weg von allen Gedanken.
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Der Garten untergräbt jede Kosten-Nutzen-Relation: Ich verschenke die Hälfte des Gemüses, weil ich manchmal nicht zum Verwerten komme. Meine Garten-Arbeitszeit und der Kauf des ein oder anderen Kohlfliegennetz oder von Bioheu zum Mulchen zeigen ohnehin, dass es wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn macht zu gärtnern. Bio-Produkte bekomme ich im Laden ganz ohne Arbeitseinsatz – und unterm Strich deutlich günstiger.
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Aber ich gewinne so viel: Zum einen ist es der Kontakt zur Nachbarschaft. Seitdem feiern wir im Sommer und im Winter ein Straßenfest. Zum anderen ist da so viel Schönheit: Garten ist ein Erlebnis, wenn alles gedeiht, summt und lebendig ist. Schließlich gewinne ich die Natur als große Lehrmeisterin: Sie bringt mir viel bei. Am eindringlichsten vielleicht: zu Vertrauen und Geduld zu üben. Das lehrt sie mich jedes Jahr aufs Neue. Denn ich lerne und verlerne es immer wieder: Vertrauen und Geduld. Jeden Winter frage ich mich: Wie soll bitte diese graubraune Fläche wieder grün werden? Wie soll hier alles voller Gemüse stehen und Stauden in frohen Farben leuchten? Ich kann mir jederzeit die Fotos vom üppigen Sommergarten des letzten Jahres ansehen. Und doch fällt es mir schwer, zu glauben, dass wieder etwas wächst, wenn ich auf die frisch gesäten Beete blicke und sich dort erst einmal nichts tut.
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Aber eines ist klar - wir spüren und hören es: der Frühling kommt.
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Der Schnittlauch wird sich bald richten und wachsen. Anderes wartet noch. Braucht noch seine Zeit. Mehr Sonne. Mehr Wärme. Im Sommer ist dann alles da. Ich werde wieder viele Fotos machen - und sie mir im Winter ungläubig wie Thomas selbst als Beweis zeigen. Um einzuüben, zu vertrauen: dass alles seine Richtigkeit hat: Das Vergehen. Das Graubraun. Das Warten. Und das Wachsen und das pralle Blühen.
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Für heute will ich mich an Alice Walker halten und „Frühling machen“: Die Erde bearbeiten und bald einsäen. Mir Gott an die Seite ahnen - als Co-Gärtner. Und damit nicht aufhören. Denn solange die Natur ihre Erneuerung nicht aufgibt, will ich es innerlich auch nicht tun.
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Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich einen genussvollen Frühlingseinstieg – ob daheim oder bei uns im Klosterpark.
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