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Luftschlangen haben mich schon als Kind fasziniert. Ich habe es geliebt – und liebe es bis heute –, in dieses unscheinbare Stück Papier hineinzupusten. Zu beobachten, wie sich die Kringel ganz geschmeidig entfalten und aus dem kleinen Ring herausfallen, den ich noch zwischen Daumen und Zeigefinger halte.
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Auch in diesem Februar schmücken wieder viele Luftschlangen Wohnungen und Hauseingänge. Sie lockern auf, bringen Farbe ins Februargrau – und sind hier im Rheinland eine klare Ansage: Es ist Fastnacht.
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Ich bin nicht die größte Jeckin. Ehrlich gesagt fahre ich über Fastnacht oft weg und genieße an einem anderen Ort die Stille. Und doch mag ich die Idee von Fastnacht.
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Und eben Luftschlangen. Denn sie zeigen etwas Schönes: Wie sich etwas Unauffälliges entfalten kann. Wie aus etwas Starrem, mit ein wenig Puste, etwas Freies und Bewegliches wird. Wie etwas eine ganz neue Form annimmt.
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Genau dazu lädt auch Fastnacht ein: sich verwandeln, verkleiden, entfalten, Neues ausprobieren. Für einen Moment aus den gewohnten Rollen aussteigen. Die Freiheit spüren, anders sein zu dürfen – und sich die Welt wenigstens für ein paar Stunden bunt zu malen.
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Das kann überraschend wohltuend sein.
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Auch wenn Ihnen Karneval vielleicht nichts bedeutet, lade ich Sie zu einem kleinen Gedankenexperiment ein: Angenommen, Sie könnten sich heute verwandeln – in welche Rolle würden Sie gerade gern schlüpfen?
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Was wäre Ihr Lieblingskostüm? Und warum würde Ihnen dieser Rollentausch im Moment guttun?
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Wären Sie gern eine Schlafmütze – einfach mal nichts leisten müssen? Oder eine Krake mit vielen Armen? Vielleicht unsichtbar oder glückliches Huhn? Detektivin, Clown, Astronautin, Pilot? Jemand auf Expedition – oder Pippi Langstrumpf?
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Was auch immer Ihnen in den Sinn kommt: Was könnte dieses Kostüm Ihnen verraten? Welche Sehnsucht zeigt sich darin? Oder wozu inspiriert Sie dieses Gedankenkostüm? Vielleicht weist es auf einen Zustand hin, der gerade etwas Aufmerksamkeit braucht?
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Ich puste an Schwerdonnerstag jedenfalls kräftig in eine Luftschlange. Dann hänge ich sie in meinem Büro im Kloster Arenberg auf – und denke an all das, was sich entfalten will, was aufleben möchte, was aus dem Starrem heraus wieder lebendig werden darf – bei mir und bei anderen.
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Denn ich glaube einen Gott, der uns vielfältig und bunt geschaffen hat.
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Einen Gott, der will, dass wir ins Leben kommen, aufleben und andere aufleben lassen. Der uns begleitet in unseren Suchbewegungen nach Entfaltung und Entwicklung. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen schöne (jecke) Februartage – ob mit oder ohne Luftschlangen.
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