Madonnella


In Rom findet man sie an fast jeder Straßenecke oder Mauer: kleine Mariendarstellungen, die liebevoll „Madonnelle“ genannt werden.
Meine Madonnella steht an einer Wegkreuzung im Arenberger Wald. Beim Joggen mache ich dort immer einen kleinen Halt. Als erstes entferne ich, wenn nötig, die Spinnweben, die sich gern darüber ausbreiten. Dann schaue ich auf Maria und bete dabei die altvertrauten Worte „Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes – Jesus“.
An dieser Stelle stoppe ich das Gebet, wende meinem Blick zu Jesus und schaue auf seine segnenden Hände, denen ich meine eigenen Hände – ebenfalls in erhobener Haltung – entgegenhalte. Ähnlich einer Satellitenanlage bin ich bereit zu empfangen, was mir von Jesus (und Maria) entgegenkommt. Schließlich strecke ich meine beiden Arme und Hände nach links bzw. rechts, um den Segen weiterfließen zu lassen an diese und jenen, die mir gerade in den Sinn kommen. Beim Weitergehen – das Joggen setzt erst später wieder ein – vollende ich das Gebet „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes“.

Liebe Leserin, lieber Leser, haben auch Sie eine solche Madonnella, eine Darstellung von Maria und Jesus, zu der Sie sich besonders hingezogen fühlen? Vielleicht mögen Sie diese im Marien-Monat Mai bewusst aufsuchen und schauen, was sie mit Ihnen macht. Oder Sie gehen auf Entdeckungsreise in Ihrem Wald, in einer Kirche oder einem Museum. Was geschieht, wenn Sie dort oder auch in der eigenen Gebetsecke verweilen, beten oder segnen?
Wie schön und heilsam es ist, aus dem Segen zu leben, durfte ich erfahren, als ich vor wenigen Tagen hier im Kloster zum ersten Mal einen „Tag der heilsamen Berührung“ angeboten habe. Sich selbst im Gebet und in Stille die Hände aufzulegen oder aufgelegt zu bekommen, ist für die Gebenden und die Empfangenden ein Geschenk.

Mögen Ihnen gesegnete Mai-Tage geschenkt sein!