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Der Januar, das neue Jahr und auch die Hoffnung auf das Reich Gottes, das eine Zugkraft nach vorne hat, lassen uns immer wieder neu aufbrechen.
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Vielleicht mögen (oder müssen) Sie in diesem Monat etwas Neues anfangen: eine neue Stelle, eine neue Wohnung, eine neue Beziehung … eine neue Freude, eine neues Leid, eine neue Herausforderung … ein Neustart im Betrieb, in einer Freundschaft, in der Partnerschaft … oder auch neu mit selbst beginnen … einen neuen Anlauf im Glauben wagen …
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Was kann dabei helfen? Ich schlage vor: ein neues Bild oder ein neues Wort. Manchmal kommen im Traum, in der Meditation, beim Joggen oder im bewussten Nachsinnen ein passendes Bild oder ein treffendes Wort entgegen. Ein kostbares Bild oder Wort aus der Tiefe der Seele, aus Ihrem persönlichen Foto-Archiv, aus der Bibel oder einer anderen Literatur oder auch aus einem aktuellen Weihnachts- und Neujahrswunsch, der Sie besonders angesprochen hat. Darf ich Ihnen mein Bild und mein Wort anvertrauen?
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Mein Bild für 2026 ist ein Foto, das ich im vergangenen Herbst in Assisi gemacht hatte und welches ich jetzt in meinem Büro aufgehängt habe, sodass es mir immer wieder in den Blick und in den Sinn kommt. Auf dem Bild ist eine alte, schlichte Klause zu sehen, eine Grotte, in der ich längere Zeit ganz allein war und sehr intensiv beten konnte. Besser gesagt, nicht ich habe gebetet, sondern die Klause hat gebetet. In dieser Klause war eine so dichte Atmosphäre, eine so große Präsenz, dass man gar nicht anders konnte als mit ganzem Herzen da zu sein. Es fiel mir schwer, diesen Ort wieder zu verlassen. Und war so froh, ihn entdeckt zu haben. Mit welchem Wort kann ich diese Erfahrung und Sehnsucht am besten beschreiben? Mir kommt das Wort „gottvoll“ in den Sinn, das ich kürzlich bei dem Theologen Christian Hennecke gelesen habe, der damit eine für ihn existenzielle Erfahrung auf den Punkt bringt, als ihm in einer Zeit größter Verzweiflung ein inneres Bild zuteilwurde: aus dem aussichtslos erscheinenden Abgrund seines Lebens schauten ihn liebevolle Augen an, und da war eine Hand, die ihn trug. „Ich ging mit dem Gefühl“, schreibt er, „dass ich jetzt neu beginnen kann“.
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Das Bild der Klause darf mich das ganze Jahr über an meine Sehnsucht erinnern, dem Gebet Raum zu geben, gottvoll zu leben und auf dem Gelände des Klosters eine Art Klause zu errichten, eine Eremitage, in der unsere Gäste für ein paar Tage oder Wochen ganz für sich, ganz mit Gott sein können.
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Liebe Leserin, lieber Leser, mögen die gottvolle Klause sowie die liebenden Augen und die Hand im Abgrund auch Sie inspirieren und eigene Bilder und Worte entstehen lassen! Ich wünsche Ihnen und besonders denen, die es im vergangenen Jahr schwer hatten, viel Zuversicht für das neue Jahr, für das, was in Ihrem Leben neuwerden oder Gott in Ihnen neu zum Klingen bringen mag. Diese Hoffnung und Ermutigung kommt uns in einem uralten biblischen Wort vielleicht ganz neu entgegen: „Schaut nicht mehr auf das, was vergangen ist. Denkt nicht mehr an das, was früher war. Seht, ich schaffe Neues, schon sprosst es auf – merkt ihr es nicht?“ (Jes 43,18)
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