Mit diesem Monat, dem Dezember, treten wir in die Adventszeit ein.
Was verbinden Sie mit dem Advent? Eher eine stressige Zeit vor lauter Terminen und Weihnachtsvorbereitungen? Oder können Sie gut in die meditative Stille und Besinnung eintauchen?
Jedes Jahr können wir in der Advents- und Weihnachtszeit diese Diskrepanz erleben: Von dem Wunsch nach einem friedlichen Weihnachtsfest und sich abspielenden Familiendramen, von der Sehnsucht nach einem erfüllten Leben und dem kommerziellen Trubel, von der Besinnlichkeit auf der einen und den vielen Adventsterminen auf der anderen Seite. Und dennoch erlebt Weihnachten als genuin christliches Fest eine breite gesellschaftliche Akzeptanz bei gleichzeitigem Bedeutungsverlust der Kirchlichkeit.
Warum ist diese Zeit so beliebt?

Ich meine, es liegt daran, dass die winterliche Jahreszeit im Menschen etwas auslöst: nämlich unsere eigene Ursehnsucht sozusagen wachküsst. Es sind Grundfragen des Menschen, die mit dem Weihnachtsfest in Verbindung gebracht werden: Kindheitserinnerungen an Heiligabend, das Zusammensein mit der Familie und auch die Sorgen um die Zukunft. Das Weihnachtsfest ist ein Sehnsuchtsfest.

Und da können wir als Kirche ja eigentlich ziemlich gut anknüpfen: Jedes Jahr im Advent hören wir diese uralten Texte des Propheten Jesaja: Sehnsuchtstexte.
Texte, die vom Ende des Krieges und von Gerechtigkeit sprechen, die uns berichten, von einem, der kommen wird: „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht.“
Die Sehnsucht verbindet uns Menschen, ob religiös oder nicht.

Als Christinnen und Christen dürfen wir daran glauben, dass Gott nicht nur unsere Sehnsucht kennt, sondern uns durch sie entgegenkommt in Jesus Christus.

Oder, wie Nelly Sachs es formulierte:
Alles beginnt mit der Sehnsucht,
immer ist im Herzen Raum für mehr,
für Schöneres, für Größeres.
Das ist des Menschen Größe und Not.
Sehnsucht nach Stille,
nach Freundschaft, nach Liebe.
Und wo Sehnsucht sich erfüllt,
dort bricht sie noch stärker auf:
Fing nicht auch deine Menschwerdung, Gott,
mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?
So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen,
dich zu suchen,
und lass sie damit enden,
dich gefunden zu haben.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit und ein gutes Zugehen auf das Weihnachtsfest