Oase mit Himmelsblick

Im Kloster Arenberg in Koblenz werden Leib und Seele gleichermaßen umsorgt. Das tut gut.

Text+Fotos:Ruth Eberle

Wäre Ihnen auch ein Dachzimmer mit freiem Himmelsblick angenehm?» Das war die freundliche Antwort auf die Buchung meines fünftägigen Aufenthaltes im Kloster Arenberg. Und wie mir das recht war. Himmelsblick hatte ich nötig. Und ich war total ferienreif.

Der erste Eindruck von außen, als ich am Abend ankam, war eher kühl. Der trutzige rote Backsteinbau ist nicht zum Vornherein einladend. Doch drinnen umfing mich sofort eine freundliche Atmosphäre, eine wohltuende Weite, Wärme, Ruhe und Schönheit. Ich war nach sechs Stunden Zugfahrt in einer anderen Welt angekommen.


Die heilende Kraft des Labyrinths im Klostergarten: lernen, auf das Gehen zu vertrauen, zur Mitte zu kommen, Umwege als Zeit des Reifens zu gehen

Ferien nach Stundenplan
Aber zuerst holte mich die Welt der strukturierten Zeit, aus der ich geflohen war, am nächsten Morgen wieder ein. Mir wurde ein Blatt in die Hand gedrückt, eine Art Stundenplan. Der Morgen konnte nach Wunsch um 6.30 Uhr mit der Laudes der Schwestern und anschließender Eucharistiefeierbeginnen. Um 08.15 Uhr gab es den Impuls in den Tag, dann ein köstliches Frühstück vom Buffet. Nächster Fixpunkt war um 11 Uhr die Musik in der Kapelle, dann die Mittagshore der Schwestern, anschließend Mittagessen. Und in diesem Stil ging das Programm weiter mit Angeboten in christlicher Meditation, Vorträgen, und endete mit dem Impuls in die Nacht um 21.15 Uhr. Das war der (im Preis inbegriffene) Rahmen, in dem ich meine fünf Tage gestalten konnte - alles freiwillig natürlich. Einzubauen in diesen Ablauf waren die frei buchbaren Wohlfühlangebote wie Massagen und Kneippsche Anwendungen, die es in reicher Zahl gibt. Wer die Wahl hat, hat eben die Qual.

Zur Ruhe und zum Genuss finden
Es verging ein ganzer Tag, bis ich meinen persönlichen Weg gefunden hatte, was aus diesem großartigen Menu ich mir stressfrei und lustvoll zu Gemüte führen wollte/konnte. Und das ging nicht nur mir so. Es galt, auch während des Tages genügend Ruhezeiten einzubauen, um Anwendungen wie das Brandungsbad, die Aromamassage oder den Wechselguss gut nachwirken zu lassen. Am einfachsten war es, Anwendung und Ruhe gleich zu verbinden: Den warmen, wohlriechenden Heusack darf man im Bett liegend erwarten. Er wird einem in den Nacken gelegt und der Körper warm eingewickelt. Gibt es etwas Schöneres, als so zu ruhen?

Dann, am zweiten Tag, war er plötzlich da, der volle, heilsame Genuss: Leib und Seele verbinden. Tautreten und meditieren. Den Gaumen verwöhnen mit gutem Essen, die Haut mit edlen Ölen und Streicheleinheiten, das Ohr mit ausgewählter Musik, die Seele mit geistigen Impulsen, mit guter Lektüre aus der Bibliothek und auch mit Stille. Gespräche mit interessanten Tischpartnerinnen führen oder gelegentlich in der so genannten Schweigezone essen. Tief durchatmen an der frischen Luft im riesigen Garten. Besinnlich das Labyrinth abschreiten ... Erholung pur.

Himmels- und Lichtblicke gab es in dieser kleinen Auszeit viele. Auch wenn aus dem versprochenen Dachzimmer mit Himmelsblick aus organisatorischen Gründen dann doch nichts geworden ist.


«Heilung können auch wir nicht machen» Sr. Scholastika Jurt ist als geistliche Begleiterin täglich mit Gästen im Gespräch. Keine weiß es besser, was Menschen im Kloster Arenberg suchen und finden.
WENDEKREIS: Das Kloster Arenberg wird auch «das Wellnesskloster» genannt. Kann Wellness die Aufgabe eines Klosters sein?

Sr. Scholastika Jurt: Im Juli 2000, als das damalige Kneipp-Sanatorium des Klosters höchst defizitär war und wir auf einem kreativen Nullpunkt angekommen waren, haben wir uns diese Frage natürlich auch gestellt. Wir kamen zum Schluss: Wellness, also Erholung und Wohlbefinden zu ermöglichen, kann eine der Aufgaben sein. Klöster sind immer da gewesen für die Not der Zeit, für die Menschen in Armut und in Grenzsituationen. Hier in Europa heißen die Nöte unserer Zeit innere Armut, Sinnlosigkeit, Orientierungslosigkeit, Gottesverlust, Burn-out, Verlust der Lebensfreude. Viele Menschen zerbrechen heute daran.

Was sich dann als neues Gesamtkonzept entwickelt hat, möchte ich nicht als Wellnesskloster bezeichnen. Ich mag diesen Begriff nicht. Das Vitalzentrum mit seinen Anwendungen ist nur ein Teil unseres Angebotes.

Und was ist der andere Teil?

Im Leitbild des Kloster Arenberg steht "Erholen. Begegnen. Heilen" In diesem Dreiklang sehen wir unsere Arbeit.

In welcher Art heilen Sie Menschen?

Heilung kann niemand machen, auch wir können das nicht. Aber wir können Raum bieten, in dem Gott wirken kann. Wir holen den Menschen ab, wo er steht. Er selbst bestimmt, in welchem Umfang wir für ihn da sein sollen. Wir unterstützen Suchende mit spirituellen Angeboten. In Gesprächen geschieht Seelsorge im eigentlichen Sinn. Auch Massage kann für eine Tiefendimension öffnen, aus der Gott zum Heilenden wird. Der Mensch lässt sich im wahrsten Sinn des Wortes neu berühren.

Inder dominikanischen Spiritualität geht es ums Heil der Welt im konkreten Menschen. Der Auftrag heißt Mitgefühl. Gemeinsam eine Wegstrecke zu gehen. Das hat nichts mit «betüddeln» Zutun, eher mit Rücken stärken. Zentral ist die Einladung, die wir hier leben wollen: Du darfst da sein mit deinen Wunden.

Diese Zuwendung scheinen Menschen im Alltag heute nicht mehr zu finden.

Ja, genau das ist es. Wie anonym und kalt doch Begegnungen geworden sind! Mir fällt auf, dass man sich auf der Strasse und in Geschäften gar nicht mehr anschaut. Es kann für einen Menschen heilsam sein, wenn er im Blick behalten wird: Das geschieht hier im Gespräch. Auch wenn seine Lust an Gott geweckt wird: Wir fördern das in den verschiedensten Angeboten. Wenn seine Lust an Bewegung wieder erwacht: In unserem Vitalzentrum kann das geschehen. Und wenn er den Zugang zur Schöpfung wieder findet: sei dies nun im gesunden Essen oder beim Besuch unserer wunderbar duftenden Kräuterei.