Wellness hinter Klostermauern

Das Kloster Arenberg bei Koblenz bietet kühlende Erholung


Text: Caroline Schulke
Fotos: Paul Sklorz (KNA)

Wasser hat im Haus der Dominikanerinnen in Koblenz eine lange Tradition. Rund 50 Jahre lang war es ein Kneippsanatorium. Und auch heute spielen Wassertherapien eine wichtige Rolle hinter den kühlen Klostermauern. Genau das richtige Erholungsprogramm also für heiße Sommertage.

Der Pool hat angenehme 28 Grad, die Nackenmassagedusche plätschert, das Wasser lockt in Blau-Türkis. Erholung pur – nicht auf Kreta oder den Kapverden, sondern in einem Kloster bei Koblenz. Die Dominikanerinnen in Arenberg folgen der Wellness-Welle und bieten Gästen Entspannung an.

„Erholen – begegnen – heilen“, mit diesem Dreiklang überschreibt das Kloster sein Programm, auf der Internetseite untermalt mit dem Plätschern von Wasser. An heißen Tagen geradezu Musik in sonnengeröteten Ohren.

Die Wasseranwendungen hätten wie alle Angebote den Zweck, dass die Menschen sich ihrer selbst bewusster würden – sowohl körperlich als auch seelisch, erklärt Schwester Andrea, während sie Josef Fonck im Tretbecken einige Runden drehen lässt. Die Ordensfrau und gelernte Physiotherapeutin leitet den Vital-Bereich im Gästehaus des Klosters. Dort sind insgesamt 85 Mitarbeiter und zehn Dominikanerinnen beschäftigt, deren Mutterhaus mit rund 65 Schwestern an das Gästehaus angeschlossen ist. Am warm beleuchteten Empfang geht es vorbei an Massageliegen und großen Badewannen zu Fitnessraum, Sauna, Solarium, Therapiebecken und Pool.

Wasser hat im Haus der Dominikanerinnen eine lange Tradition. Rund 50 Jahre lang war es ein Kneippsanatorium. Und auch heute spielen Wassertherapien in Ahnlehnung an den Vater der flüssigen Medizin, Sebastian Kneipp, eine wichtige Rolle hinter den kühlen Klostermauern. Tautreten, Güsse, Bäder – all das steht auf dem Programm. Seit 2003 verfolgt das Kloster diesen ausgeweiteten Ansatz. Damals wurde das Gästehaus aufwändig umgebaut und ein kleiner Neubau angeschlossen.

Das Etikett vom Wellnesskloster wollen sich die Arenberger trotzdem nur ungern anheften lassen. Damit werde das Haus enggeführt, weil man den Begriff Wellness oberflächlich verstehe, sagt der Theologe und Leiter der Seelsorge, Martin Hofmeir. „Wir möchten den Menschen aber nicht nur oberflächlich erreichen, sondern ihn in der Tiefe ansprechen.“ Deshalb gebe es in Arenberg eben auch Angebote für den Geist: zum Beispiel Morgengebet, Teilnahme am Stundengebet der Schwestern oder Meditationen.






Auch Schwester Andrea ist kein Fan von der Reduzierung auf einen Aspekt, sieht den Weg der Wellness aber pragmatisch. Nachdem die Krankenkassen bei den alten Badekuren gespart hätten, seien die Gäste ausgegangen und man habe Rote Zahlen geschrieben. Deshalb hätten sich die Schwestern zum Umbau entschlossen, um die Menschen in ihrer durchaus vorhandenen spirituellen Suche abzuholen, erinnert sich die gelernte Masseurin und Physiotherapeutin, die seit 1984 im Orden ist.

So wirbt das Kloster denn auch im Internet ganz offensiv mit dem Begriff Wellness. Und unterscheidet sich mit diesem Ansatz gerade von anderen Klöstern, die zum Urlauben einladen. Einen Trend dazu gibt es offenbar. „Menschen kommen aus einer gestressten Alltagssituation und suchen Rückzugsräume“, meint Schwester Andrea. „Sie müssen sehr viel leisten, tun und machen. Und sie selber kommen oftmals gar nicht mehr vor. Deshalb suchen sie Orte, wo sie Zeit und Ruhe finden, um sich auch selber wieder zu finden und in Ruhe zu spüren.“

Dabei bezieht Kloster Arenberg den Körper ganz gezielt und bewusst mit ein. „Wenn ich total verspannt, verkrampft und müde bin, tut es der Seele auch nicht gut“, begründet Theologe Martin Hofmeir den Ansatz einer umfassenden „Leib-Seel-Sorge“, wie Schwester Andrea es formuliert. Das kommt offenbar an. Das 100-Betten-Haus sei gut ausgelastet, heißt es in Arenberg zufrieden.

Josef Fonck und seine Frau Anne kommen bereits das zweite Mal aus Xanten am Niederrhein nach Koblenz, ans Eck zwischen Rhein und Mosel. „Richtige Erholung gibt es nur hier, weil man viel nachdenken und in sich gehen kann, ohne ständig Action und Ereignisse zu haben“, erklärt der 66-jährige Vater von sechs Kindern. Deshalb entscheide er sich regelmäßig für Kloster statt Camping.

In Arenberg bedeutet das Massage und Meditation, Fitness und Vesper, Kapelle und Kraftraum. Wer dabei noch Zeit findet, kann außerdem im klösterlichen Kräutergarten bei der Ernte helfen. An diesem Nachmittag pflückt Schwester Josefa etwa Ringelblumen. Daraus macht sie unter anderem Salbe, die in einem kleinen Holzhaus inmitten der Beete in Töpfchen auf dem Tisch aufgereiht ist.

In der angrenzenden Küche warten weitere Entdeckungen: Ein Karton mit der Aufschrift „Lebende Pflanzen“ liegt am Boden, Glasflaschen in unterschiedlicher Größe und Form stehen und liegen in den Regalen, und in einer Ecke reift ein edler Tropfen: der Klosterlikör. In der Regel geht es im Reich der „Kräuterschwester“ aber nicht so hochprozentig zu.

Die meisten Anpflanzungen werden zu Tee verarbeitet, erklärt sie und verweist nicht ohne Stolz auf einen Ertrag von 400 Kilogramm pro Jahr – die werden dann direkt im Gästehaus geschlürft oder im Klosterladen verkauft; zusammen mit Duschgel und Duftsäckchen, Kreuzen und Körpermilch, Engeln und Essig.

Für die heißen Sommermonate setzt Schwester Josefa aber auf ein anderes Rezept: eine Bowle aus Wasser und Apfelsaft, verfeinert mit Duftrosenblättern, Zitronenverbene, Königskerzen, Lavendelblüten oder Apfelminze; je nachdem, was der Garten hergibt. Verkäuflich ist der frische Drink, den die Ordensfrau in großen silbernen Sektkühlern zubereitet, allerdings nicht. Wer den klösterlichen Cocktail genießen will, muss ihn entweder selber mixen – oder hinter die kühlenden Klostermauern bei Koblenz kommen.