Wellness für Körper und Seele

Zehn Paar nackte Füße tappen durch saftig-grünes Gras. Es ist sieben Uhr. Eine kühle Stille liegt über der Landschaft. Hin und wieder schreit ein Vogel. Die ersten Sonnenstrahlen wärmen die Luft. Die Füße gehören den Gästen von Kloster Arenberg in Koblenz. "Den Frühaufstehern", wie Masseurin Sarah Knopp lachend erklärt.

katholisch.de, 18. August 2013
Text: Vanessa Renner


Jeden Morgen leitet sie im Wechsel mit ihren Kollegen das Tautreten. Die Anwendung nach Pfarrer Kneipp soll die Durchblutung anregen und das Immunsystem stärken. "Wir gehen im Winter auch im Schnee", so Knopp. Nach ein paar Minuten auf der Wiese werden die Füße getrocknet und die Schuhe geschnürt. Es folgen ein paar Runden Walking durch den Klosterpark. Über einen Schotterweg vorbei an einer Streuobstwiese. "Jeder in seinem Tempo und dabei die Arme schwingen", erinnert Knopp. Dehnübungen schließen das Programm ab für einen energievollen Start in den Tag.

Eine Auszeit nehmen
Zu Seel- und Leibsorge lädt Kloster Arenberg seit zehn Jahren ein. 2013 wird das Jubiläum als Kloster mit Wellness-Schwerpunkt gefeiert. Einhundert Gäste finden Platz, für eine längere Auszeit ebenso wie Gäste aus der Region für einen Tag. Es gibt einen weitläufigen Park, Wiesen, Kräuter- und Obstgärten. Im Vitalzentrum entspannen die Besucher bei Wohlfühlanwendungen, sie malen in Kreativkursen und begegnen einander in Gesprächsrunden. Meditations- und Schweigeräume öffnen die Tür für innere Einkehr.
"In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist", ist Schwester Beatrix überzeugt. Seit neun Jahren leitet sie gemeinsam mit Geschäftsführer Bernhard Grunau das Haus. Dabei geht es ihr nicht um den reinen Wellnessgedanken.

"Bei uns steht die ganzheitliche Wahrnehmung im Mittelpunkt." Sich bei einer Massage berühren zu lassen bedeute, sich seelisch auf Berührung einzulassen. Mit lebhaften Augen erzählt die 74-Jährige von der Gründung des Klosters durch die Dominikaner-Schwester Cherubine Willimann im Jahr 1868.

Pfarrer Kneipp als Vorbild
Heute leben noch 63 Frauen des Ordens im Mutterhaus. Zehn von ihnen arbeiten im Gästehaus, zum Teil ehrenamtlich. Die ganzheitliche Ausrichtung des Klosters stamme aus seiner Vergangenheit als Kneipp-Sanatorium, so Schwester Beatrix. "Die Ideen von Pfarrer Kneipp leiten uns heute noch.“ Das sind Bewegung, die Heilkraft von Wasser, Heilpflanzen und gesunde Ernährung. Den Lebensrhythmus, die Kneippsche Ordnungstherapie, die die Schwestern im Wechsel von Arbeit und Gebet einhalten, bietet das Kloster auch seinen Gästen. Beim Morgenimpuls, der Mittagshore und der Messe.

Jedoch sind im Kloster nicht nur Katholiken willkommen. Im Gegenteil: "Wir fragen nicht, ob jemand in der Kirche oder ausgetreten, evangelisch oder Muslim ist", so die Hausleiterin, "wir sind offen für Begegnung.
" Die Kurse im Kloster seien als Angebote zu verstehen. Niemandem solle etwas übergestülpt werden.
Es ist eine Mischung aus aufmerksamer Offenheit und zugewandter Zurückhaltung, vor allem aber das Bemühen um das Wohl der Gäste, die in Gesprächen mit den Schwestern und Mitarbeitern im Kloster
spürbar wird.

Lila, Orange und Grün im Kräutergarten
"Hier finde ich zu mir selbst", sagt Stefanie Bechert. Sie ist zum vierten Mal in Arenberg.
Mit "aktivem Nichtstun" – wie die junge, sonnengebräunte Frau schmunzelnd formuliert – verbringe sie ihre Tage. Das helfe ihr aufzutanken. Denn: "Wann nimmt man sich zu Hause Zeit und Ruhe, bewusst über eine feuchte Wiese zu gehen?", fragt Bechert. Hier könne sie abseits des Alltags den Boden unter den Füßen spüren.

Das Kloster als Ort der bewussten Wahrnehmung. Vor allem im Kräutergarten wird dies erfahrbar. Sanftes Lila, knalliges Orange, sattes Grün. Ein Konzert von Bienensummen und Grillenzirpen. Über den Beeten ein intensiver Duft. Eine Mischung aus Minze, Lavendel und Salbei lädt ein, einzelne Blätter zwischen den Fingern zu zerreiben und an ihnen zu schnuppern. "Wir versorgen das Mutterhaus ebenso wie die Gäste und beliefern den Klosterladen", erklärt Gabriele May. Seit zwei Jahren leitet die dunkelhaarige Frau die Gärtnerei. Die Ordensfrauen produzieren hier Produkte wie Gelee, Likör oder Ringelblumensalbe. "Momentan sind wir bei der Teeernte", sagt May und lässt ihre Blicke über das Beet streifen. Sie sei über die Hilfe der Gäste froh. Gerade für die vielen Stadtmenschen unter ihnen nutzten die Möglichkeit, Natur hautnah zu genießen. So auch Rosemarie Herm: "Gestern habe ich Kornblumen geerntet", erzählt sie. Sie fühle sich im Kloster beschützt. "Ich schätze die Ruhe an diesem Ort."

Seelsorge in Umbruchsituationen
"Weite und Stille" bedeutet das Kloster für Schwester Ursula. 2006 ist die Dominikanerin eingetreten. Seit 2010 bietet sie den Gästen als Seelsorgerin Begleitgespräche an. "Viele kommen in Umbruchsituationen", weiß sie. Im Alltag sei es oft schwer, die Ruhe zu finden, Probleme zu bearbeiten und sich zu orientieren.
"Das Kloster kann ein Ort der Suche und des Neuanfangs sein", ist Schwester Ursula überzeugt.
Sich mit den Gästen gemeinsam auf diese Suche zu machen, bereite ihr Freude, erzählt sie mit einem
offenen Lächeln.

Die Dominikanerin deutet auf ein paar Kaninchen, die im Innenhof herumhoppeln. "Ausgesetzte Tiere aus Auffangstationen", erklärt sie, "ich kümmere mich um sie." Nicht nur Kaninchen, auch Schafe und Kühe grasen auf den Wiesen des Klosters. Ein Bienenstock versorgt die Schwestern und Gäste mit Honig. Katzen streunen umher. "Wir wollen die Vielfalt der Natur erfahrbar machen", so Schwester Ursula.

Den Boden unter den Füßen spüren, im Glauben anderen Menschen begegnen, innehalten. So verschieden die Gäste und die Motive für ihren Aufenthalt, so viele Formulierungen lassen sich für die Erlebnisse finden, die sie dort haben. Eines sind sie vor allem: persönliche Erfahrungen.