Kurze Auszeit zur stillen Einkehr


Urlaub im Kloster kann komfortablel oder spartanisch sein. Ein Leitfaden findet sich im Internet.


Text: Horst Heinz Grimm
Fotos: qms

Im Kloster Arenberg, Mutterhaus
der Dominikanerinnen, gibt es auch Wellnessangebote


Innere Beziehungen zur Kirche und zum Glauben gelten als ungeschriebene Voraussetzungen für einen Urlaub im Kloster. Tausende Menschen nutzen jedes Jahr diese Möglichkeit für eine Auszeit vom Alltag und zur stillen Einkehr. „Knapp 300 Klöster in Deutschland nehmen Gäste auf“, sagt Arnulf Salmen, Sprecher der Deutschen Ordensobernkonferenz in Bonn. „Konfessionelle Grenzen gibt es nicht, Besucher müssen nicht katholisch sein. Auch Familien sind willkommen.

530 Niederlassungen von Männerorden und fast 2800 Gemeinschaften der Klosterfrauen gibt es in Deutschland. Zutritt finden Fremde jedoch nur sehr begrenzt. In der Regel werden sie in Gästehäusern untergebracht, die vereinzelt Hotelkomfort besitzen. In wenigen Ausnahmen dürfen sie nach vorheriger Absprache am klösterlichen Alltag teilnehmen und sogar mit Mönchen in der Klausur leben. Die Preise reichen von Spenden bis zu regulären Sätzen.

Besinnungstage mit Teilnahme an Schweigeexerzitien offeriert die Erzabtei Beuron der Benediktiner im Naturpark Obere Donau bei Tuttlingen. Die Mönche haben dazu ihren Gästetrakt ausgebaut. Wer mehr Weltlichkeit sucht, findet sie in einem kleinen, privat geführten Hotel in Maria Trost in Sichtweite des Klosters. Bis vor einigen Jahren lebten
in diesem Gebäude noch Nonnen.

In der Benediktinerabtei St. Mauritius im Naturpark Saar/ Hunsrück, dem ältesten
Kloster in Deutschland mit Ursprüngen im 6. Jahrhundert, leben 13 Mönche und empfangen männliche Gäste in der Klausur.

„Diese sollen wissen, dass sie sich in einem Kloster aufhalten“, macht Pater Mauritius Choriol aufmerksam. „Regelmäßige Kirchenbesuche und Gebete gehören dann dazu. Bei uns kann man auch keine Kiste Bier mitbringen.“ Für die Übernachtungen stehen zehn Klosterzellen zur Verfügung, die sanitären Einrichtungen befinden sich auf dem Flur. Etwas mehr Komfort bietet das Gästehaus.

Im Kloster Ahrenberg bei Koblenz, dem Mutterhaus der Dominikanerinnen, leben in einem Anbau die Gäste in Zimmern mit Dusche, Telefon und Fernsehen. Die Anlage verfügt über Schwimmbad, Fitnessraum und Wellnessanlage. Im Vordergrund aber steht geistige und seelische Erholung, die hier vor allem Frauen suchen.

Schlichte Unterkünfte zu bescheidenen Preise bietet das mehr als 770 Jahre alte Kloster Marienthal der Zisterzienserinnen in Ostritz. Es liegt im Länderdreieck zu Polen und Tschechien. „Gäste haben die Möglichkeit zur Stille, Besinnung und Zeit, in der sie mit uns beten und arbeiten“, erklären die Schwestern, deren Tagesrhythmus von den Gebetszeiten bestimmt wird. Als Besonderheit gelten Fastenwochen.

„Der Aufenthalt als Gast in einem Kloster soll der inneren Sammlung dienen“, beschreibt Bruder Famian
den Sinn einer solchen Auszeit vom Alltag. In seiner Abtei Mariawald in der Eifel leben die Männer des Trappistenordens asketisch und fleischlos nach den strengen Regeln des frühen Mönchstums. Sie nehmen in getrennten Räumlichkeiten bis zu acht Gäste auf. „Diese sind natürlich zu den Heiligen Messen und Gebeten eingeladen.“ Für die Mönche in Maria-wald, die im Sprechverbot leben, beginnt der Tag gegen vier Uhr morgens. So früh müssen die Besucher zwar nicht aus den Betten ihrer spartanisch eingerichteten Zimmer, allerdings beginnt die Abendruhe auch für sie zur Tagesschauzeit. Hektik kennen die Klosterbrüder nicht. „Unsere Ruhe strahlt auf die Gäste aus“, sagt Bruder Famian, zuständig für Kontakt mit den Fremden und deshalb vom Schweigegebot befreit.

Die Benediktinerabtei Andechs auf dem Heiligen Berg am Ostufer des Ammersees bei München ist unter Bierkennern für seine Braukunst bekannt. Die Anlage verfügt außerdem über genügend Raum für Tagungen
und kulturelle Veranstaltungen. Doch die Mönche bieten mehr: Exerzitien für Manager. „Sie finden zweimal pro Jahr statt und sind maximal auf zwölf Teilnehmer begrenzt“, sagt Pressesprecher Martin Glaab. „Die Gäste leben fünf Tage in der Klausur in einfachen Zimmern. Es sind nur Männer zugelassen.“ 1380 Euro plus
Mehrwertsteuer sind dafür zu zahlen. Der Abt persönlich leitet die Exerzitien. Intensive Teilnahme am benediktinischen Lebensrhythmus - Arbeit, Besinnung, Gebet und Schriftenlesung - soll den im weltlichen
Leben geforderten Entscheidungsträgem helfen, wieder zu sich zu finden. Das erste Chorgebet ist für sieben Uhr angesetzt, um 21 Uhr beginnt das Schweigen. Die Verpflegung liefert auch hier die Klosterküche, an zwei Tagen kochen die Mönche fleischlos.

Angesichts der Vielfalt ist es nicht einfach, für eine Auszeit die richtige der fast 300 klösterlichen Einrichtungen zu finden. „Als Leitfaden für die Suche sollten Interessierte sich auf der Klosterliste der Vereinigung deutscher Ordensoberen im Internet informieren“, rät Salmen. Wenn nicht Stille und Gebet im Mittelpunkt stehen sollen, können in manchen Fällen sowohl Männer als auch Frauen Kurse zur Persönlichkeitsfindung bis zur Kunst der Kräutergärtnerei belegen.