Sinnkrise? Wie wäre ein Urlaub im Kloster?


Text vom 15.11.2009


Nicht nur Abenteuerreisen, Wellness-Wochenenden und Kreuzfahrten werden ständig beliebter, sondern auch der Urlaub im Kloster! Richtig gelesen – jährlich ziehen sich immer mehr Menschen in Klöster zurück, um dort vom hektischen Alltag einzigartige Erholung zu finden. Hierbei bleibt das Reiseziel dem Urlauber überlassen, denn Klöster gibt es weltweit: Entlang der großen Pilgerpfade in Spanien, Italien sowie Südamerika, in Asien oder direkt um die Ecke!

Bereit für das Klosterleben?
Wichtig vor dem Antritt eines Kloster-Urlaubs ist, sich genau über die Möglichkeiten vor Ort zu informieren. Denn in einigen Gotteshäusern gelten solch alltägliche Dinge wie fließendes Wasser als Luxus und werden daher abgelehnt. Einen großen Überblick über Klöster, Pilgerwege, Klostergärten und Orden bietet die Webseite kloster-aktuell.de. Auch Gerd Gessinger von orden-online.de hilft gerne weiter.
„Man muss unterscheiden, ob man als Urlauber kommt (Klosterurlaub) oder als Gast (Kloster auf Zeit).
Fast alle Klöster nehmen Gäste auf, die eine Zeit lang am Klosterleben teilnehmen können, aber nur wenige echte Urlauber", weiß Gessinger. „Sie gelangen über das Internet oder die Broschüre „Atem holen" der Deutschen Ordensobernkonferenz in Bonn an Informationen." Das wichtigste Auswahlkriterium für ein Kloster ist laut Gessinger, dass das Angebot den eigenen Erwartungen entspricht. „Wer Sandstrand und Poolbar sucht, ist im Klosterhotel falsch. Wer Entspannung und Ruhe, teilweise auch Wellness oder Kuraufenthalt sucht, wird fündig!" Und eines haben alle Klöster gemeinsam: Man wird mit unglaublich großer Gastfreundlichkeit empfangen.

Der frühe Vogel
Langschläfer sollten es sich zwei Mal überlegen ins Kloster zu gehen: Bei einigen Orden gibt es keine durchgehende Nachtruhe, sondern man trifft sich mehrmals nachts zum Gebet. Meistens wird der gesamte Tagesablauf von den Gebetszeiten bestimmt, bei denen alle Bewohner – somit auch die Gäste – anwesend sein sollten.

Aber keine Sorge, tagsüber bleibt noch genug Zeit für Einsamkeit oder Aktivitäten. Denn abgesehen von der möglichen geistlichen Betreuung werden diverse Kurse von Bibelarbeit über kreatives Gestalten wie Töpfern, sportliche Betätigungen wie Bogenschießen bis hin zur Meditation angeboten. Daneben sorgen Ausstellungen oder Konzerte für Abwechslung. Und manche Klöster ermöglichen sogar die Teilnahme an speziellen Fastenkuren

Wohlfühlen im Kloster Arenberg
Ein sehr beliebtes Kloster für Urlaubstage, Selbstfindung oder zum Abschalten ist das Kloster Arenberg im Mittelrheinthal bei Koblenz. „Zu uns kommen primär Menschen, die bewusst eine Auszeit in einem klösterlichen Umfeld suchen", erklärt Bernhard Grunau, Geschäftsführer des Klosters. „Wir sind ein Gästehaus und kein Hotel, was sich unter anderem darin unterscheidet, dass unsere Gäste den größten Teil ihrer Zeit im Kloster verbringen. Wir haben vielfältige Möglichkeiten, sich Gutes an Leib und Seele zu tun und es muss keine Langeweile aufkommen."

Ob alleine oder mit anderen Klosterurlaubern warten neben professioneller Gesprächsbegleitung zu allen Lebensfragen auch physiotherapeutische Anwendungen, Sauna, Schwimmbad, Fitnessraum, ein Klostergarten, eine Bibliothek mit Lesezimmer und vieles mehr. „Wir verfügen beispielsweise über einen Speiseraum, in dem schweigend verkostet werden kann. Eine sehr wertvolle Erfahrung, wie es immer wieder von Gästen bestätigt wird und wie es die Frequentierung dieses Raumes zeigt."

Wem es im Kloster Arenberg gut gefällt, der kann so lange bleiben, wie er möchte – auch ohne gleich Mönch oder Nonne zu werden. „Jeder Gast, gleich welcher Konfession (oder ohne) und ohne jede Voraussetzung, ist von Herzen willkommen, wenn er sich auf ein klösterliches Umfeld einlassen möchte", so Bernhard Grunau. „Es wird niemand zu etwas angehalten oder gar gezwungen, jeder Gast gestaltet sich seinen Aufenthalt ganz nach seinen Bedürfnissen. Es gibt kein Höchst- oder Mindestalter und Rollstuhlfahrer sind herzlich willkommen. Allerdings müssen die Gäste in der Lage sein, eigenständig zu handeln und dürfen somit nicht pflegebedürftig sein." Diesen individuell gestaltbaren Kloster-Aufenthalt gibt es ab 85 Euro pro Nacht inklusive Vollpension und Gesprächsmöglichkeiten. Insgesamt stehen 79 Zimmer für 100 Gäste zur Verfügung, um die sich 85 Mitarbeiter kümmern.

Große Auswahl in ganz Deutschland
Ein ebenso beliebter Ort ist das Kloster Benediktbeuern, das unter dem Motto „Freude am Leben" geführt wird. Neben einem Zentrum für Umwelt und Kultur warten hier zudem ein Naturlehrgebiet mit Biotopen, Kräuter- und Meditationsgärten, ein Aktionszentrum und eine Jugendbildungsstätte. Übernachten kann man in Benediktbeuern ab 15 Euro pro Nacht, Vollpension gibt es ab 45 Euro. In der Benediktinerabtei Ottobeuren dürfen volljährige Männer am tatsächlichen Alltag der Mönche teilhaben, willkommen sind aber auch Frauen und Ehepaare. Im Benediktushof Holzkirchen in Unterfranken will man konfessionsübergreifend allen Suchenden einen Platz der Ruhe geben.

Einzelgäste sind ebenfalls im Kloster Frauenchiemsee auf einer Insel im Chiemsee willkommen. Dort ist man in einem Gästehaus direkt am See neben dem Kloster untergebracht und kann an Seminaren wie „In-sich-gehen" oder „Ein stiller Inseltag" teilnehmen.

Weltweite Kloster-Fernreisen
Wen es weiter in die Ferne zieht, für den ist vielleicht das Casa San Domenico in Neggio im Tessin am Luganer See der perfekte Platz. Das Dominikanerinnen-Kloster wird ausschließlich von Schwestern geführt und ist eine wahre Oase der Ruhe. Sogar auf der spanischen Ballermann-Insel Mallorca werden Kloster-Urlauber fündig: Das abgelegene kleine Kloster auf dem Berg Puig de Maria bei Pollença stammt aus dem 14. Jahrhundert, weshalb es zwar kein Telefon und keinen Fernseher gibt, dafür aber einen traumhaften Blick.

Auch auf der Halbinsel von Alcúdia steht mit Ermita de la Victoria ein weiteres Kloster. Mittlerweile verfügt diese Wallfahrtskirche über zwölf kleine Zimmer. Gästeunterkünfte hat auch das Kloster Nostra Senyora de Cura bei Randa, das von Franziskanermönchen betreut wird. Lluc bei Escorca ist das bekannteste Kloster Mallorcas, weshalb es gut besucht und oft ausgebucht ist. Und auch Kloster 'Mare de Déu de Cura' auf der Spitze des Berges zwischen den Dörfern Algaida und Llucmajor ist ein beliebter Erholungspunkt.

Kloster-Urlaub extrem
Wer sich eher für Buddhismus interessiert, der kann die lange Reise nach Tibet oder Indien antreten. Hier sind gläubige Reisende ebenfalls fast immer willkommen, wenn sie sich den Regeln in der Ordensstätte anpassen. Wer etwas genauer erfahren will, was ihn dort erwarten könnte, für den ist das von TV-Moderator und Journalist Stephan Kulle veröffentlichte Buch „40 Tage im Kloster des Dalai Lama" vielleicht die richtige Einstiegslektüre. Denn auch Kulle war zu Beginn seines Aufenthaltes im Exil-Kloster des 14. Dalai Lama von den Verhältnissen im nordindischen Dharamsala schockiert.

Trotzdem rät er allen Interessierten zu einer Reise ins buddhistische Kloster. „Es ist eine bezaubernde Auszeit, man darf sich alles eben nur nicht so wahnsinnig komfortabel vorstellen. Trotzdem bietet einem solch eine Zeit die einzigartige Möglichkeit, in buddhistischen Klöstern mitzuleben, obwohl man als Gast ein wenig separiert ist", erzählt Stephan Kulle. Organisierte Aufenthalte in dieser Gegend bietet beispielsweise der Veranstalter www.neuewege.com an.