Den Himmel auf Erden erleben

Urlaub mit Tiefgang: Kloster Arenberg bei Koblenz bietet Ruhe, Wellness - und jede Menge geistige Anregung. Laura-Redakteurin Rebekka Mildenberger war für Sie da


Text: Rebekka Mildenberger Fotos: laura
 






1.TAG
Überraschende Stille
Kein Fernseher? „Das kann ja heiter werden“, denke ich, als ich mein Zimmer inspiziere. Doch dann finde ich ein Infoheft und lese: Auf Wunsch gibt‘s einen. Peinlich, aber das beruhigt mich. Ich bin zum ersten Mal im Kloster. Und ziemlich baff. Dunkle Gemäuer? Fehlanzeige. Der Neubau des Klosters Arenberg bei Koblenz ist lichtdurchflutet. In der Halle fällt die Sonne durch meterhohe Scheiben aufs Parkett. Es wirkt wie ein normales Hotel. Säße neben der Empfangsdame im dunklen Kostüm nicht auch eine Nonne in der weißen Tracht der Dominikanerinnen. Was noch auffällt: die Stille. Die Unterhaltungen sind gedämpft, keiner hetzt. Ich schon - wie mir kurz darauf klar wird, als ich auf dem Weg zum Schwimmbad alle überhole. Verrückt, schließlich suche ich doch Ruhe. Also schalte ich einen Gang runter. Und fühle mich sofort entspannter. Beim Abendbrot herrscht munterer Erlebnisaustausch: Meine Tischnachbarin kommt vom Gospelworkshop. Sie ist Anfang 40, Krankenschwester- und zum fünften Mal hier. „Erst war es die Wellness“, weiht sie mich ein. Jetzt besucht sie lieber die Gesprächskreise, in denen sie neue Denkanstöße findet. Darauf zielt auch der „Impuls in die Nacht“ in der Gästekapelle ab, in der ich später bekannte Gesichter aus dem Speisesaal erspähe. Eine der zehn im Gästebetrieb tätigen Schwestern liest etwas vor, wir singen. Alles ist ruhig, harmonisch. Wer will da noch fernsehen?

2.TAG
Entspannen beim Verwöhnprogramm
Wo Gäste 50 Jahre lang durch Kneipp Becken marschiert sind, steht seit Sommer 2003 ein modernes Vitalzentrum. Kneippen kann man hier noch immer -aber jetzt in zartgelbem Wohlfühl-Ambiente und mit Hilfe multifunktionaler Sprudelwannen. Daneben bietet Kloster Arenberg nun auch Sauna, Fitnessraum und jede Menge Verwöhnangebote. Schon morgens um zehn herrscht reger Andrang. Birkenstock- und Flip-Flop-Trägerinnen warten einträchtig vor dem Zierfischaquarium am Eingang. Ich gönne mir die Aroma-Massage für 44 Euro. Eine Stunde lang lockert Schwester Andrea (46), gelernte Physiotherapeutin und Leiterin des Vitalzentrums, sämtliche meiner Muskelgruppen mit exotischen Duftölen. Orangen-, Ylang-Ylang- und Zedernholzaroma entführen mich fast zurück ins Land der Träume. „Jeder sollte sich 15 Minuten am Tag um seinen Körper kümmern", rät Schwester Andrea. Sie geht mit bestem Beispiel voran. Zwischen Verwaltungsarbeit, Massagen und Klosterleben macht sie täglich Nordic Walking und hält Fitnesskurse ab. Das Etikett „Wellness-Nonne“ hört sie aber gar nicht gern. Denn es geht um mehr. Das körperliche Wohl ist nur eine Säule des ganzheitlichen Konzepts aus Entspannung, Bewegung, Spiritualität und gesunder Ernährung. Kurzum; Körper und Geist sollen in Balance kommen. Und tun es auch - ich fühle mich jedenfalls total erholt.

3.TAG
Im Einklang mit der Natur
Vor dem Frühstück walken? Daran ist zu Hause nicht zu denken. Hier jedoch bin ich schon morgens fit. Zumal der weitläufige, baumbewachsene Klosterpark mich ohnehin magisch anlockt. Die Luft ist herrlich kühl, Frühnebel steigt über dem nahen Wald auf. Von weitem sehe ich zwei junge Frauen, die ich gestern beim Qi-Gong-Kurs kennen gelernt habe. Wir winken uns zu. Beim Frühstück im Speisesaal die übliche bunte Mischung: junge Paare, etliche allein reisende Frauen, Familien. „Mein Mann macht Campingurlaub in Kanada", erzählt eine Frau mit grauem Kurzhaarschnitt. Wir sitzen zusammen am Tisch, trinken Tee aus frischen Kräutern aus dem Kräutergarten. „Ich wollte schon lange herkommen, und das war die Gelegenheit.“ Was ihr hier gefällt? „Dass man so viel unternehmen kann und so leicht in Kontakt kommt.“ Schwester Annuntiata (67), die Gästebetreuerin, verrät mir später beim Spaziergang, was die meisten suchen: „Frieden und Aussprache.“ Offenbar werden sie fündig. Denn viele kommen wieder, wie die Schwester freudestrahlend verrät. Ihre Erklärung für den Erfolg: „Wir lassen die Leute in Ruhe.“ Tatsächlich: Nur wer mag, nimmt am religiösen Leben der Nonnen teil. Wer lediglich Sport machen, sich auf der Dachterrasse sonnen oder im Zimmer dösen will, kann das ungestört tun. Und wer das Bedürfnis hat zu reden, findet jederzeit professionelles Gehör. „Manche möchten auch einfach nur mal in den Arm genommen werden", berichtet Schwester Annuntiata und lächelt freundlich. Dann muss sie los - Zeit für das Mittagsgebet. Ich bleibe noch im Park, lese eine Runde. Als ich am Abend wieder im Zug sitze, habe ich nicht nur zwei Päckchen duftenden Entspannungstee im Gepäck. Sondern auch viel, viel neue Kraft und die Ahnung, dass ich nicht zum letzten Mal hier war.