Urlaub im Kloster

Eine Kombination die den Gästen gut tut: Für die Arenberger Domminikannerinnen bilden Leib und Seele eine Einheit

Text: Berhard Grunau ·
Foto: Mohr


Das gute Alte bewahren und mit dem notwendig Neuen verbinden:
Dieser Leitspruch von Kloster Arenberg kommt bei
seinen vielen Gästen sehr gut an.

Obwohl nur noch wenige Männer und Frauen in einen Orden eintreten, treibt es immer mehr Menschen zumindest zeitweilig ins Kloster. Urlaub in Kloster Arenberg ist vor allem deshalb gefragt, weil das spirituelle Programm unter anderem durch Wellness-Angebote ergänzt wird. So schrieben zwei Frauen ins Gästebuch des Klosters: „Einen, Wellness-Urlaub' hatten wir gebucht, doch auch etwas für die Seele gesucht. All das haben wir hier gefunden, so konnten Leib und Seele wieder gesunden!" Was also suchen und finden moderne Klosterurlauber in Kloster Arenberg am Rand von Koblenz hoch über Rhein und Mosel?
Fragt man die Klostergäste, was ihnen besonders gut tut, heben sie zwei Dinge hervor: Die Herzlichkeit des Personals und die Ruhe. Außerdem loben die Gäste immer wieder die harmonische, lichte Architektur des Hauses, die Einrichtung mit ihren warmen, fröhlichen Farben, den wunderbar angelegten, weitläufigen Klosterpark und Kräutergarten, das schmackhafte und gesunde Essen, das ganzheitliche Konzept und das breite spirituelle Angebot.

Neue Kräfte durch Stille und Geborgenheit
Das Besondere aber wird von den Gästen in den menschlichen Qualitäten der Mitarbeitenden und der herzlichen und ruhigen Atmosphäre im Haus gesehen. Stille und Geborgenheit scheinen mehr als alles andere neue Kräfte zu verleihen, lassen zur eigenen Mitte finden und heilen so manche Wunde. Wenn das Entscheidende also nicht die einzelnen Angebote sind, warum leistet sich ein Kloster dann ein großes Vitalzentrum mit Schwimmbad, Sauna, Fitnessraum, Kneippanwendungen, Fußpflege oder Aromamassagen und andererseits ein breites spirituelles Programm, das nicht nur klassisch katholische Angebote beinhaltet (Eucharistie, Stundengebet, Rosenkranz, Anbetung), sondern auch Meditation und unkonventionelle spirituelle Angebote wie die Morgen- und Nachtimpulse?

Ein Grund ist die Vielfalt der Gäste.

Da Kloster Arenberg für Frauen und Männer gleich welchen Alters und gleich welcher Konfession da sein möchte, braucht es verschiedene Formen der religiösen und körperlichen Betätigung. Menschen, die kaum kirchlich sozialisiert sind, tun sich oft schwer, einen Zugang zum Stundengebet oder zur Eucharistie in der Mutterhauskirche zu finden, kommen aber gern zu einem kurzen spirituellen Impuls in die Kapelle oder zur täglichen Meditation in den Meditationsraum.
Ein anderes Beispiel: Das morgendliche Walking im Klosterpark ist beliebt, andere aber ziehen es vor, sich im Schwimmbad zu bewegen oder im Fitnessraum aktiv zu werden. Wer Ruhe sucht, findet diese nicht nur in der Kapelle, sondern auch im Ruheraum der Sauna, im Labyrinth oder bei der Mitarbeit im Kräutergarten.
Der Leitspruch für die Neukonzeptionisierung von Kloster Arenberg war: Das gute Alte bewahren und mit dem notwendig Neuen verbinden.
Diese Kombination tut den Gästen gut. Sie sind dankbar dafür, dass sie sich auch im religiösen Bereich zu nichts gedrängt fühlen. Gerade diese hinter Klostermauern oft nicht vermutete Freiheit ermöglicht, sich für spirituelle Impulse zu öffnen. Die Gäste schätzen die Verbindung von Wohlwollen und Freiraum, die „aufmerksame Zurückhaltung" oder das „Geborgensein in Freiheit".
Menschen wie Cherubine Willimann, die Gründerin der Arenberger Dominikanerinnen, haben in ihrem Leben schier Unmenschliches vollbracht, weil sie sich radikal auf Gott eingelassen haben. Diese christliche Ganzhingabe ist zu bewundern, kann aber auch zu Überforderungen führen. Die moderne Tendenz zur Maßlosigkeit kann Menschen verleiten, sich beruflich oder privat zu verbrauchen, ohne dafür die spirituellen, psychischen und physischen Ressourcen zu haben.
So trifft man in Kloster Arenberg immer wieder Gäste, die sich selbst überfordern oder von anderen überfordert werden, die es nicht gelernt haben, gut für sich selbst zu sorgen. Diese erschöpften Menschen bedürfen weniger des Hinweises auf die Nächstenliebe, sondern vielmehr einer Einladung, sich auch selbst etwas Gutes zu tun. Es gibt eine legitime christliche Selbstliebe, welche die Nächstenliebe ergänzt, ja sogar voraussetzt. „Du sollst Deinen Nächsten lieben", heißt es nämlich, „wie dich selbst".
Schon Bernhard von Clairveaux musste den offenbar total überarbeiteten Papst Eugen III. ermahnen: „Gönne dich dir selbst". Dass die Nächstenliebe bei einer gesunden Selbstliebe nicht auf der Strecke bleibt, zeigt das Beispiel einer Frau, die im Gästebuch dafür dankt, dass ihre beiden Kinder und ihr Mann „eine ausgeruhte und fitte Mama/Frau" zurückbekommen.

Was das Christentum von der Wellness-Bewegung lernen könnte

In Verbindung mit der einseitigen Betonung der Nächstenliebe ist auch die Tendenz zu sehen, die moralisch-seelische Entwicklung zu forcieren, die Sorge um den Leib hingegen gering zu achten. Das Christentum könnte von der Wellness-Bewegung, der es um eine Harmonie von Körper, Geist und Seele geht, durchaus lernen, auch den Leib wieder wohlwollend in den Blick zu nehmen.
Dass bewusste Leiberfahrungen von spiritueller Relevanz sein können, zeigt sich in der Praxis von Kloster Arenberg immer wieder, etwa im Beispiel eines Priesters, der eine tiefe spirituelle Erfahrung, die ihm in der Kapelle zuteil wurde, auch auf die vorausgegangene Massage im Vitalzentrum zurückführte.
Diese tiefe Erfahrung leib-seelischer Einheit ist bisweilen mit großen Erschütterungen und Umkehrbewegungen verbunden. So mancher Gast kehrt nicht nur erholt, sondern auch tief berührt und innerlich verändert in seinen Alltag zurück. Die Menschen von heute suchen im Kloster auch ein ganzheitliches Angebot für Leib und Seele. Sie suchen mehr als "nur auch mehr als rein spirituelle Angebote und finden das in Kloster Arenberg.