Unter Nonnen

Das Kloster Arenberg in der Nähe von Koblenz schafft den Spagat ­ zwischen Wellness-Hotel und Mutterhaus. Die Klosterfrauen, die hier ihren Ruhestand genießen, sind in den Alltag der Hotelbesucher integriert.

Text: Regine Gwinner
Foto: Kloster Arenberg


"Ihr Gesicht kenne ich noch gar nicht“, sagt die ältere Nonne, die während des Mittagessens im Speiseraum von Tisch zu Tisch geht. Dabei schaut sie einen so interessiert an, dass man ihr am liebsten hier und jetzt die ganze Lebensgeschichte erzählen möchte. Viele der Anwesenden sind alte Bekannte für Mutter Annuntiata, denn wer einmal hier war im Kloster Arenberg bei Koblenz, kommt gern wieder.
Das Kloster ist Mutterhaus der Dominikanerinnen, Wellness-Hotel, Obstgärtnerei, Rückzugsort und Seminarhaus in einem. Neuen Besucherinnen und Besuchern gibt Mutter Annuntiata auf ihrem Rundgang Tipps, wie sie sich dem Haus und den vielen Angeboten nähern können.

Zum Konzept von Kloster Arenberg gehört es, dass sich alle Gäste – je nach Bedürfnis und Befindlichkeit – ihr Programm für den Aufenthalt im Kloster selbst zusammenstellen. Wer einfach ausspannen möchte, findet ruhige Zimmer, einen Park für Spaziergänge und mit vielen versteckten Sitzecken oder eine Dachterrasse mit Liegestühlen. Der Meditationsraum, der Schweige-Essraum und die hauseigene Sauna sind ebenfalls schöne Orte, um Körper und Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Den Kopf frei bekommt man auch, wenn man den Nonnen bei der Arbeit im Klostergarten hilft oder sich zum Lesen in die Bibliothek zurückzieht.

Wem der Sinn nach Bewegung steht, kann zwischen vielen Fitnessangeboten wählen, schwimmen gehen oder auf einem der Wander- und Fahrradwege, die vom Klostergarten aus starten, die Umgebung erkunden. Und wer Antworten auf die großen Fragen des Lebens finden möchte, belegt Seminare oder sucht mit Seelsorgern und Psychotherapeuten im Haus das persönliche Gespräch.

Die besondere Atmosphäre des Hauses entsteht durch die Freundlichkeit und die Wärme der allgegenwärtigen Klosterschwestern. Offen, interessiert und mit viel Humor begleiten sie den Hotelalltag, unterstützen das Personal und haben immer Zeit für ein Gespräch. Ihre unaufdringliche Anwesenheit erinnert stets daran, dass man sich zwar in einem Hotel, aber eben auch an einem geistlichen Ort befindet – ein Mehrwert, der nicht in Hotelsternen zu messen ist.

Aktivität und Ruhe
Dass es im Kloster viel Raum für unterschiedliche Stimmungen und Bedüfnisse gibt und diese gut nebeneinander existieren können, zeigt der abendliche Besuch in der Weinstube. Während an einem Tisch Karten gespielt und jeder Spielzug laut kommentiert wird, sitzen am Tisch nebenan zwei Frauen, die über den Tod und ihre Trauer um die Verstorbenen reden. Leben und Tod, Aktivität und Ruhe, Gespräch und Schweigen – an diesem besonderen Ort hat alles seinen Platz.