Solarium und Rosenkranz

In deutschen Klöstern fehlt der Nachwuchs. Kaum jemand will noch Mönch oder Nonne werden. Gleichzeitig suchen immer mehr Menschen hinter Klostermauern Zuflucht auf Zeit vor der Hektik des Alltags. Für die Orden eine neue Herausforderung: Wie viel Öffnung nach außen vertragen sie?


Text: Joachim Mohr
Fotos: Andreas Fechner

„Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: `Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.`“
REGEL DES HEILIGEN BENEDIKT VON NURSIA,
KAPITEL 53, SATZ 1

Bruder Werner, erfreut über je den Besuch, lugt grinsend hinter seiner Nähmaschine hervor.
„Ja, ich bin verliebt wie am ersten Tag!“, kräht er frohgemut. Flink erhebt er sich von seinem Schemel und streicht über den schwarzen glatten Stoff, aus dem er für seine Glaubensbrüder die Ordenstracht, Habit genannt, schneidert. „Da muss man beim Bügeln aufpassen, Schwarz glänzt schnell.“
Mönch Werner ist Schneidermeister in der Benediktiner-Abtei Beuron im Donautal. Seine lichtdurchflutete Werkstatt liegt im ersten Stock eines vor kurzem renovierten Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert. Er näht nicht nur die Mönchskutten, sondern auch die liturgischen Gewänder für die Gottesdienste. Einmal wurde er sogar nach Jerusalem gerufen, weil sein Ruf als guter Schneider bis dorthin gedrungen war.
Werner ist 72 Jahre alt - 54 davon verbrachte er hinter Klostermauern in dem abgelegenen Ort Beuron. Das Dorf liegt irgendwo zwischen Sigmaringen und Tuttlingen, in einem von schroff aufragenden Kalkfelsen umrandeten Talkessel, an einer Biegung der dort noch junge Donau. Glücklicher hätte sein Leben gar nicht verlaufen können, versichert der Mönch. Deshalb ist er ja auch immer noch „verliebt“ in seine Abtei, seinen Benediktinerorden, seinen Glauben.

Schwester Scholastika: „Die Einheit von
Leib und Seele ist ein uralter christlicher
Gedanke“


Auf Kloster Arenberg, gelegen auf einer luftigen Anhöhe nahe Koblenz, ist Schwester Scholastika so eine Art Managerin für alle Fälle. Die dynamische 41-Jährige ist Teil der Ordensleitung; gleichzeitig kümmert sie sich um den Schwesternnachwuchs, die Novizinnen, und wirkt als sogenannte geistige Begleiterin für Gäste. Wer ein religiöses Gespräch sucht, kann zu ihr kommen. Und es kommen viele.

„Immer mehr Menschen fühlen eine innere Leere und sind auf der Suche“, sagt die frühere Grundschullehrerin, „wir bieten kein schnelles Glück, aber bei uns kann man spirituelle Erfahrungen machen.“
Die Dominikanerin mit dem offenen Lachen erzählt davon, wie bei ihr der Glaube lebendig wurde, wie sie sich plötzlich „berührt fühlte“.
Heute weiß sie: „Gott liebt mich.“
Freundlich lächelt sie den Besucher an. Doch die Zeit drängt, der nächste Gesprächspartner wartet schon. Scheinbar schwerelos, die Beine unter ihrem weißen Habit verborgen, gleitet Schwester Scholastika über den Parkettboden der hellen Eingangshalle davon.

Mit Schwester Scholastika und Bruder Werner könnte jede Werbeagentur eine erfolgreiche Kampagne für die deutschen Klöster starten. Seht her, wie aktiv und engagiert, wie erfüllt und glücklich unsere Ordensbrüder und Ordensschwestern sind! Was für ein wunderbares Leben in deutschen Klöstern - nichts wie hin!
Tatsächlich scheinen das viele Menschen zu denken. Immer mehr stressgeplagte Großstadtneurotiker, unter Erfolgs-Druck stehende Wirtschaftskapitäne, sonst irgendwie Unausgeglichene und Unausgefüllte hoffen, in monastischen Refugien Heilung für ihre verwundeten Seelen zu finden.
In Zeiten der Krisen hat Sinnstiftung Konjunktur - und der Fluchtpunkt ist immer häufiger ein Kloster.
Rund 300 katholische Klöster nehmen in deutschen Landen derzeit Besucher auf
- die schon im 8. Jahrhundert bewohnte Benediktiner-Abtei Tholey im Saarland ebenso wie das erst 2002 errichtete Brigittenkloster in Bremen.
Kommen kann jeder, gleich welcher Konfession, gleich welchen Glaubens. Sogar der, der nicht glaubt.
Etwa eine Viertelmillion Gäste wurde vergangenes Jahr in den Klöstern gezählt
- bei Einkehrtagen, beim Heilfasten oder einfach beim Mitleben unter den gläubigen Brüdern und Schwestern.
In unserer auf das Diesseitige fixierten Welt werden auf die Kutten, Kapuzen und Hauben tragenden Frauen und Männer vielfältige Sehnsüchte projiziert. So tänzeln dickliche Mönche frohgemut durch Bier-, Käse- oder Nudelwerbung, lobpreisen den unverdorbenen Genuss und frühere, bessere Zeiten. Mystikerinnen wie Hildegard von Bingen oder Mechthild von Magdeburg scheinen den Weg zu verborgenen Wahrheiten zu weisen.
Und in Umberto Ecos Kloster-Thriller „Der Name der Rose“, millionenfach verkauft und mit Staraufgebot verfilmt, kämpft ein einzelner Mönch gegen sektiererische Fanatiker der Inquisition. Natürlich siegt in diesem Geisteskampf in feuchten Gemäuern - stellvertretend für den modernen Leser und die ganze Welt - der gute Glaube gegen das Böse der Verdammnis.
Der Kloster-Boom ist ungebrochen: Bei einer Umfrage der Vereinigung Deutscher Ordensobern vor zwei Jahren gaben 76 Prozent der Häuser an, dass die Nachfrage in den vergangenen fünf Jahren gleich hoch geblieben oder gestiegen sei. Viele Klöster müssen heute Gäste ablehnen:
„Tut uns leid, ausgebucht!“
Doch gleichzeitig gelingt es den Orden kaum, Nachwuchs zu gewinnen: Die Zahl der Novizen geht seit Jahrzehnten zurück, viele Ordensgemeinschaften überaltern, immer häufiger müssen Klöster ihre Pforten für immer schließen.
Rund 5000 männliche Ordensmitglieder, die ein ewiges Gelübde geleistet haben, verzeichnen die Ordensgemeinschaften in Deutschland derzeit, vor 30 Jahren
waren es knapp 9000. Schwestern in religiösen Gemeinschaften gibt es zwar etwa 25000, doch ihre Zahl sinkt noch schnel1er als die der männlichen Diener Gottes:
Vor zehn Jahren waren es knapp 40000 Ordensschwestern, und in zehn Jahren, so befürchten Experten, werden es womöglich nur noch 2000 bis 3000 sein. Rund drei Viertel aller Schwestern sind heutzutage über 65 Jahre alt - und kaum Junge kommen nach.
Es ist paradox: Besucher auf Zeit drängen immer mehr in die Klöster, Mitglied für immer will kaum noch jemand werden. So stellt sich für viele Ordensgemeinschaften die Frage: Wie weit sollen sie der säkularen Welt entgegenkommen? Oder:
Wie viel Weltlichkeit verträgt eine klösterliche Gemeinschaft, wie viel Profanität die christliche Spiritualität? Geraten die Orden durch zu viel oder zu wenig 0ff-nung nach außen in Gefahr?
Das Koblenzer Mutterhaus der Arenberger Dominikanerinnen, der Schwestern der heiligen Katharina von Siena, so der genaue Name der Gemeinschaft, dem Schwester Scholastika angehört, war vor sieben Jahren akut in seiner Existenz bedroht: Die Zahl der Nonnen sank dramatisch. Das seit den fünfziger Jahren betriebene Kneipp-Sanatorium lief schlecht, die Anlage war renovierungsbedürftig und unrentabel.
Die Einnahmen der Ordensschwestern gingen zurück, die Ausgaben stiegen. Den weltlichen Gesetzen der Buchführung folgend, drohte der Ruin. „Wollen wir leben oder sterben?“, fragte damals die Priorin.
Die rund 200 Schwestern der Gemeinschaft, Durchschnittsalter 74, entschlossen sich zu einem radikalen Schritt in die Moderne, wie ihn außer ihnen kaum ein Orden getan hat. Sie nahmen einen Großteil ihrer Rücklagen, 15 Millionen Euro, bauten das Kloster um, errichteten ein neues Vitalzentrum und eröffneten einen klösterlichen Wohlfühltempel, eine Art Wellness-Gästehaus von Gottes Gnaden:
„Kloster Arenberg - erholen, begegnen, heilen“ lautet sein Werbespruch.
Morgenmeditation und Rückenmassage, Nordic Walking und geistliche Gespräche, Eucharistiefeier und Aquafitness, Solarium und Rosenkranz, Kapelle und Fitnessraum gehören hier zusammen.
Wer sich vor allem erholen will, kann morgens Schwester Irmingard in ihrem Kräutergarten besuchen und selbstgemachte Zwiebelbonbons lutschen, Minigolf im Klosterpark spielen oder am Nachmittag bei der Wirbelsäulengymnastik sein Rückgrat lockern.
Wer hingegen innerlich auf der Suche ist, auf den wartet die „Hinführung zur christlichen Meditation“, der lässt sich in der Vesper um 17.30 Uhr im Schwesternchor von den rhythmischen Gebeten der Nonnen betören oder versucht, beim „Impuls in die Nacht“ zu sich zu finden. „Spirituelle Animation“ nennt Schwester Beatrix, 67, die religiösen Angebote schmunzelnd, aber nicht abwertend.
Der Erfolg gibt den mutigen Nonnen recht: Die 79 schön renovierten Einzel- und Doppelzimmer, ausgestattet mit Telefon und Modemanschluss, aber ohne Fernseher, sind übers Jahr gerechnet zu drei Viertel ausgelastet. Meist sind es Frauen, die kommen, Männer sind deutlich in der Minderzahl.
Im Speisesaal sitzen sie alle in bunter Reihe beieinander: eine alleinstehende Verwaltungsbeamtin, die hofft, ihre „innere Unruhe etwas besänftigen zu können“, Mutter und Großmutter, die vom „täglichen Familienalltag ausgelaugt“ sind, vier Freundinnen, die es sich „einfach gut gehen lassen, aber auch noch etwas Sinnvolles tun“ wollen.
Das Vitalzentrum für die medizinischen Anwendungen ist im Keller des Neubaus untergebracht, auf die Spitze haben die Schwestern eine Kapelle platziert.
Sieben Stockwerke, direkt mit dem Aufzug von der Erholung zur Erleuchtung. Der Gebetsraum aus Glas, Beton und Holz ist weithin sichtbar.
In alle vier Himmelsrichtungen weist ein Kreuz aus roten Glasbausteinen. Und unten im Tal schlängelt sich der Rhein vorbei an Burgen und Weinbergen. Das Deutsche Eck ist nicht weit.
Der Neuanfang auf dem Arenberg war unter den Ordensschwestern umstritten. Für manch ältere Schwester war die Mixtur aus Glauben und Relaxen zu weit vom Auftrag der Gemeinschaftsgründerin Cherubine entfernt, Armen und Kranken zu helfen. Doch Schwester Scholastika, die das Projekt mit vorangetrieben hat, betont: „Die Einheit von Leib und Seele ist ein uralter christlicher Gedanke, und wir sprechen hier Seele und Körper an.“ Nebenbei muss, um zu überleben, natürlich auch die Kasse stimmen.
In früheren Jahrhunderten waren die Orden in vielen ländlichen Gebieten wichtige Arbeitgeber und häufig einer der größten Grundbesitzer. Die Gemeinschaften lebten gut von Spenden, Schenkungen, Erbschaften und der unentgeltlichen Arbeit ihrer zahlreichen Mönche und Nonnen.
Diese Einkünfte tendieren heute gegen null, und Geld von den Kirchen oder dem Staat erhalten die Orden nur für bestimmte Maßnahmen, etwa Zuschüsse, um Gebäude zu renovieren.
Deshalb werden die meist gemeinnützigen Unternehmungen der Schwestern und Brüder inzwischen nach marktwirtschaftlichen Regeln geführt. Neben vielen Kleinbetrieben gibt es wirtschaftliche Riesen wie die bierbrauenden Benediktiner in Andechs mit einem Jahresumsatz von rund 20 Millionen Euro oder die Waldbreitbracher Franziskanerinnen, die über die Marienhaus GmbH rund 50 Kliniken, Heime und Hospize unterhalten.

Einzelne Mönche wie der Ex-Benediktiner Anseim Bilgri oder der Benediktiner Anseim Grün sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten gar zu spirituellen Superstars aufgestiegen: Frei nach der benediktinischen Ordensregel „Ora et labora“ (bete und arbeite) ließen sich scharenweise Manager von ihnen mental auf Vordermann bringen.
In klosterinternen Seminaren zur Unternehmensführung, in Vorträgen bei Groß-Konzernen und in Fibeln zur effizienten Personalpolitik (,‚Menschen führen Leben wecken“ von Anseim Grün) verschmolzen sie unbeschwert Gewinnmaximierung mit christlicher Nächstenliebe.
Unterfüttert mit passenden Zitaten aus der Bibel oder des heiligen Benedikt versöhnten sie fix Kapital und Moral und erteilten den Wirtschaftsbossen Absolution für die offenen und versteckten Schweinereien im Kampf um steigende Aktienkurse und hohe Renditen. Dabei setzten Bilgri und Grün Millionen um.
Dann jedoch kam es zwischen den beiden Ratgebern und ihren jeweiligen Klosterbrüdern zum Streit über das weltliche Engagement. Heute lehrt Bilgri außerhalb des Klosters, Grün hat seinem Orden versprechen müssen, nach außen weniger in Erscheinung zu treten. Denn nicht nur deren Ordensobere fanden, dass die beiden Medienstars mit dem Ideal des nur Gott dienenden Klosterbruders kaum noch etwas gemein hatten - und mit der Askese der Ur-Mönche schon gar nichts.

Die Ursprünge der christlichen Orden gehen zurück auf das dritte Jahrhundert nach Christus. Damals lebten im Orient, vor allem in Ägypten und Syrien, Tausende Eremiten in Höhlen oder einfachsten Behausungen in der Wüste.
Nur in der Abkehr von allem Irdischen glaubten sie, Gott und Jesus nahe zu sein. Mit der Zeit bildeten diese frühchristlichen Einsiedler kleine Gemeinden, lose Zusammenschlüsse. Schweigen, Meditieren und Beten bestimmten ihren Alltag.
Als Urvater aller abendländischen Mönche gilt Benedikt von Nursia. Geboren wurde der Spross einer bürgerlichen Familie zwischen 480 und 490, vermuten Wissenschaftler heute. Sein Studium in Rom brach er ab, angewidert von dem in seinen Augen sittenlosen Treiben in der Großstadt.
Er zog sich in die Einsamkeit zurück und lebte zunächst drei Jahre in einer Felsenhöhle - so steht es in einer Lebensbeschreibung, die Papst Gregor der Große rund 30 Jahre nach Benedikts Tod verfasste. 529 ließ sich der frühe Aussteiger auf dem Monte Cassino nieder, rund 140 Kilometer südlich der Ewigen Stadt. Dort gründete er mit einigen Anhängern ein eigenes Kloster. Irgendwann zwischen 555 und 560 ist er gestorben.
In der Zeit auf dem Monte Cassino verfasste Benedikt die Regula Benedicti, seine bis heute richtungweisenden Mönchsregeln, 73 kurze Kapitel, in denen er das Leben hinter Klostermauern ordnet. Vor allem die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams sollen die Männer aus den Fesseln der alltäglichen Welt lösen und sie frei machen, um ausschließlich Gott zu dienen.
In der Erzabtei Beuron im Naturpark Obere Donau ist die Regel des heiligen
Benedikt für die Mönche heute wie vor 1500 Jahren das Fundament ihres Lebens. Der Ablauf eines jeden klösterlichen Tages ist durch gemeinsames Beten,
das sogenannte Chorgebet, streng vorgegeben:
Bereits um 5.00 Uhr in der Früh versammeln sich die Mönche zu der Morgenhore, um 7.30 Uhr geht es zur Terz. Um 11.15 folgt eine Eucharistie-Feier, gegen
12.15 dann die Mittagshore. Punkt 18.00 Uhr treffen sie sich zur Vesper, mit der Komplet um 19.45 Uhr klingt der Tag aus. Drei bis dreieinhalb Stunden täglich verbringen die Ordensbrüder gemeinsam beim Gebet - 365 Tage im Jahr.
„Das Wichtigste an unserem Leben ist das Lob Gottes“, sagt Prior Tutilo, 41. Der Stellvertreter des Abtes ist direkt nach dem Abitur in den Orden eingetreten. „Ein Kloster hat vor allem eine prophetische, eine charismatische Dimension.“ Die Mönche glauben zutiefst, dass ihr Anrufen Gottes nicht nur notwendig, sondern auch wirksam ist.

Die große Bedeutung des Gebets und der Eucharistie-Feier ist typisch für kontemplative Orden wie Benediktiner, Kartäuser, Karmeliter oder Zisterzienser. Bei Franziskanern, Dominikanern oder Jesuiten steht stärker das Handeln im Mittelpunkt - missionieren, unterrichten, pflegen und heilen.
„Zu uns kommen Schüler und Studenten, Beamte und Selbständige, Wanderer und Obdachlose“, erzählt Pater Landelin, der sich in Beuron lange um die Gäste gekümmert hat.
„Manche wollen in Ruhe arbeiten, manche Abstand von einem Schicksalsschlag gewinnen, andere suchen einfach ein Dach über dem Kopf.“

Das Kloster bietet über das Jahr verschiedene Kurse: „Tage für Spiritualität und Mystik“, Priesterexerzitien oder die Beuroner Tage für Fragen der Wirtschaftsethik, die sich dieses Jahr etwa um das Thema „Der Manager - Mensch in Verantwortung und Entscheidung“ drehten. Immer steht dabei der Glaube im Mittelpunkt. Anpassung an den Zeitgeist ist verpönt, Wellness gilt als modischer Firlefanz.
Das Mittagessen nehmen die Mönche gemeinsam im Refektorium ein - schweigend. In dem länglichen, dämmerigen Raum stehen schwere Holztische, eine Wand zieren steinerne Rundbögen mit Wandgemälden, die Stirnseite schmückt eine Kreuzigungsszene Jesu.
Jeder Mönch hat seinen festen Platz, der Sitz des Abtes ist etwas erhöht. Gegessen wird erst, wenn der Abt den ersten Bissen zum Mund führt.
Mitten im Refektorium ragt eine Kanzel in den Raum, dort liest jeden Tag einer der Mönche etwas vor, mal religiöse, mal laizistische Texte. Die Lebensgeschichte eines Heiligen etwa oder einen Reisebericht des Publizisten Peter Scholl Latour. Die Stimme des Vorlesenden, begleitet vom Klappern der Teller, klingt stets gleichbleibend monoton.
Das Essen ist gute Hausmannskost, getrunken wird Apfelsaft oder Wasser. Bier gibt es für die Mönche nur am Sonntag, für jeden genau eine Flasche, und Wein nur dreimal im Jahr, je ein Glas zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten.
Persönlich besitzt ein Beuroner Ordensbruder fast nichts: kein Handy, keine Kreditkarte, kein Fernsehgerät, kein Auto.
Wenn ein Mönch das Kloster verlassen will, braucht er die Einwilligung des Abtes und bekommt, wenn nötig, etwas Bargeld mit auf den Weg.
Die Zellen sind mit Bett, Tisch, Stuhl und Schrank einfach eingerichtet. Eigene Toilette, eigenes Bad? Fehlanzeige.
Das Wort Kloster wird vom lateinischen „claustrum“ abgeleitet, was so viel bedeutet wie „das, was abgeschlossen ist“. Die Zeit vergeht hier langsamer als draußen. In dieser Welt mit ihren immergleichen Ritualen und einer seit Jahrhunderten unveränderten Liturgie werden irgendwann selbst die hartgesottensten Hektiker ruhiger.
Wenn in Beuron oder auf dem Arenberg nach 20 Uhr das letzte Gebet gesprochen ist, müssen sich auch die Gäste zur Nachtruhe begeben - in einer kargen Klosterzelle allein mit sich und den eigenen Gedanken.