Eine geistlich-weltliche Mischung

25 000 Übernachtungen zählt das Kloster Arenberg bei Koblenz jedes Jahr. Gäste jeden Alters kommen in die Einrichtung, die eine Symbiose klösterlichen Lebens mit weltlichen Angeboten eingegangen ist

Text: Christian Kirstges


Dominikanerinnen beim Gebet in
der Hauskapelle




Eine Besucherin erschnuppert im Kräutergarten des Klosters
verschiedene Gewürze

Koblenz. Kloster Arenberg ist anders. Auch dort gibt es alte Gebäude, Gottesdienste und Ordensschwestern. Doch noch sehr viel mehr. So herrscht im Innern des Gästehauses Hotelatmosphäre, besonders wenn am Morgen Gäste ankommen und abreisen. Im großen, von Licht durchfluteten modernen Foyer machen es sich viele auf den Sofas bequem und lesen die ausliegenden Zeitungen. Mancher nimmt im Café Platz und genießt eine Tasse Kaffee.

Ein Blick aus den großen Fenstern zeigt wiederum schnell die historische Seite, und Wegweiser verraten mit Bezeichnungen wie "Vitalzentrum", dass dies nicht nur eine geistliche Einrichtung ist.

Begonnen hat die Geschichte des Klosters in Arenberg, heute ein Stadtteil von Koblenz, ganz in der Nähe der Festung Ehrenbreitstein Mitte des 19. Jahrhunderts. Johann Baptist Kraus, von 1834 bis 1893 Pfarrer im Ort, ließ eine Kirche und weitere religiöse Anlagen bauen und von Dominikanerinnen aus dem Kloster St. Peter in Schwyz in Form einer neuen Ordensgemeinde verwalten. Genutzt wurde es fortan vielfältig, als Kinderbewahrschule, Lazarett in Kriegszeiten, Krankenhaus und Altenheim. Die für die heutige Nutzung entscheidende Grundlage wurde am 1. April 1954 mit der Eröffnung eines Kneipp-Sanatoriums geschaffen, das immerhin bis zur Schließung am 31. Dezember 2001 Bestand hatte.

"Das Haus war inzwischen ziemlich in die Jahre gekommen und hatte ein beträchtliches Defizit angehäuft", erinnert sich Bernhard Grunau, Geschäftsführer der Kranken- und Pflege-Anstalt Arenberg GmbH, die den Betrieb verantwortet. "Es war ein Leben aus den Rücklagen, so konnte es also nicht mehr weitergehen." 2000 beschloss das Generalkapitel, eine Versammlung aller Standortverwalter des Ordens der Arenberger Dominikanerinnen, schließlich die Aufgabe des Sanatoriums und den Umbau zur heutigen Einrichtung einer Symbiose aus klösterlichem Leben, geistlichen sowie weltlichen Angeboten und großem Wohlfühl-Bereich.

"Diese Umstrukturierung hat sich gelohnt", erklärt Grunau. Die Auslastung, die zu Zeiten des Sanatoriums mit einem Altersdurchschnitt der Gäste um die 70 gerade noch bei 35 Prozent lag, hat sich demnach seit der Eröffnung Ende Juli 2003 sehr schnell verbessert. Jetzt liegt sie im Schnitt bei 80 Prozent, pro Jahr werden um die 25 000 Übernachtungen von Gästen fast jeden Alters gezählt.

Allerdings, so schränkt der Geschäftsführer ein, ist die Wirtschaftskrise auch am Kloster Arenberg nicht spurlos vorübergegangen: Die Auslastung ist nach seinen Worten um knapp zehn Prozent eingebrochen. Die Preise sind eben nicht ganz günstig mit 85 bis 96 Euro für ein Einzelzimmer pro Nacht inklusive Vollpension und einigen Zusätzen, aber einem teils hohen Aufpreis für fast jedes der Wohlfühlangebote. "Da wir auf eine gute Auslastung angewiesen sind, um Kosten deckend arbeiten zu können, schmerzt das natürlich", so Grunau.

Doch gerade in der heutigen, hektischen Zeit könne das Kloster am Mutterhaus der Arenberger Dominikanerinnen seine Trümpfe ausspielen.

Die Gäste schätzten vor allem die Offenheit, die Mischung alter und neuer Gebäude mit der daraus resultierenden besonderen Atmosphäre, das Gespräch mit Ordensschwestern und Seelsorgern, die Ruhe und dazu die vielfältigen Wellness-Angebote. "Wir bieten eben etwas für Geist und Körper", unterstreicht Bernhard Grunau (44). Zudem haben die Gäste die Möglichkeit, etwa Schwester Josefa (51) im Kräutergarten zu helfen und so ein Stück Klosterleben zu erfahren, oder sich Wanderungen mit der 61 Jahre alten Schwester Gertrud anzuschließen.

Neben den knapp 90 weltlichen Angestellten sind die 66 Geistlichen, von denen angesichts eines Altersdurchschnitts von 70 aber nur ein Bruchteil ständig mitarbeitet, auf dem mehrere Hektar großen und sehr grünen Areal nicht wegzudenken.