Die Seele baumeln lassen


Urlaub bei den Dominikanerinnen im Kloster Arenberg - Erlebnis in Vitalzentrum und Gästehaus für Körper, Geist und Seele

Text: Susanne von Mach
Fotos: Kloster Arenberg, SvM


Schwester Andrea ist Physiotherapeutin und leitet das Vitalzentrum im Kloster Arenberg. Besucherinnen sollen sich bei Aromatherapie und Massage gut fühlen...


...und in den gemütlichen Gästezimmern zu Hause


Ein christlicher Hauch weht durch das Gästehaus im Kloster Arenberg - und wird an vielen Stellen sichtbar: im Foyer z.B

Ruhe und Atmosphäre: das gilt für das Innere und das Äußere, die Architektur


Kein verwunschen-schönes Haus, aber eines mit Atmosphäre: Kloster Arenberg bei Koblenz


Einfach und schlicht: Die Kapelle im siebten Stock


Fitness im Kloster: Moderne Geräte im Vitalzentrum stehen für sportbegeisterte zur Verfügung


Klein aber fein: Das Schwimmbad im Vitalzentrum öffnet schon um sieben Uhr


Wassertreten nach Kneipp: Arenberg hat seine Wurzeln - das Kneipp-Sanatorium- nicht vergessen

 






»Du siehst aber erholt aus!« Wie viele Heimkehrer von Kloster Arenberg sind wohl schon mit diesem halb erstaunten, halb freudigen Ausruf begrüßt worden? »Urlaub im Kloster« bei den Dominikanerinnen tut gut - das sieht man den Gesichtern an, spürt man in einer neuen Ruhe und Gelassenheit. Die Kunst ist dabei weniger, sich zu entspannen als vielmehr, die Erholung für den Alltag zu bewahren. Doch man kann ja wieder kommen; und das machen viele.

Denn in Arenberg bei Koblenz finden Gäste fast alles: Sport und Spiritualität, Massagen und Muße, Bücher und Beten, Einsamkeit und Gesellschaft, Nähe und Distanz, Herzlichkeit und vor allem ein Gefühl des vorbehaltlosen Angenommenseins. Sie erleben »Kann« und »Darf«, suchen vergebens »Muss« und »Sollte«. Eben das macht das Kloster bei den meist weiblichen Gästen so beliebt.
Deutschlandweit bekannt geworden ist es aber nicht allein der christlich geprägten Wohlfühl-Atmosphäre wegen, sondern insbesondere wegen des unternehmerischem Muts zum klösterlichen Wellness-Konzept - und geschickter Medien und Öffentlichkeitsarbeit. Nun gilt es, erste Erfolge zu bewahren.

Ideen dazu entwickelt das Kloster jenseits von Wellness - es soll mehr Seminare und Seelsorge geben, ein Förderkreis gegründet werden. Denn Wellness ist nur einer der Bausteine in Arenberg, das gern als »Vier-Sterne-Haus mit Vollpension« bezeichnet wird. Die Ordensschwestern sehen es nicht gern, wenn diese Komponente überbetont wird: zumal das Vitalzentrum, im dem Gäste zwischen Sprudelbad und Sauna, Fahrrad und Infrarot-Kabine, Massage und Fußbehandlung wählen dürfen, nicht auf Schönheitspflege ausgerichtet ist, sondern auf Gesundheitsförderung und Wohlgefühl.

Gewiss, Wellness ist wichtig in Arenberg -aber nicht minder ist es das kommunikative, spirituelle und christliche Angebot: mit Leuten reden, mit den Nonnen beten, beim Meditieren ruhig werden, sich in der Kapelle beim morgendlichen »Impuls in den Tag« sammeln. Aus diesen Aspekten wählt der Gast, was er will: Freiwilligkeit ist in Arenberg das vielleicht wichtigste Prinzip, denn es geht den Dominikanerinnen um die Einheit von Körper, Seele und Geist - die lässt sich nicht erzwingen.

Auslastung kaum noch zu steigern

Der klösterliche Gästebetrieb verbindet Komfort mit Einfachheit; Arenbergs Mauern atmen Gastfreundschaft, die offene Architektur mit ihren warmen Farben und holzverliebten Möbeln erzeugt ruhige Atmosphäre. Nirgendwo wird das deutlicher als in der schmucklosen Kapelle, die so nackt und einfach und reich ist wie der Mensch. Den stets geöffneten, lichtdurchfluteten Raum haben die Bauherren einer Kirchturmspitze gleich ganz im siebten Stock des Gästehauses, platziert. Das vermittelt die Religiosität, die Seele des Hauses sehr eindrücklich:

Gott wacht über alle. Glaube wird nicht aufgedrängt. Aber er ist da.

Mit diesem Konzept hat Kloster Arenberg seit der Eröffnung im Sommer 2003 viel erreicht: Die 99 modernen und freundlichen Zimmer - mit Telefon, aber nicht alle mit Fernseher - sind zu 76 Prozent ausgebucht. Das Haus ist damit Spitzenreiter unter seinesgleichen. »Diese Auslastung ist fast nicht zu steigern«, sagt Verwaltungsdirektor Bernhard Grunau.
Trotzdem hat man neue Ziele gesetzt: Dazu gehört zuvorderst, das finanzielle Defizit mit zum Haus passenden Konzepten auszubügeln ohne an Attraktivität zu verlieren. Denn Arenberg schließt das betriebswirtschaftliche Jahr noch mit einen buchhalterischen Minus in Höhe von gut 400000 Euro ab: Die Kosten können gedeckt, aber keine Rücklagen gebildet werden; Investitionen wie zum Beispiel den Bau der im vergangenen Jahr eröffneten Turnhalle muss noch das Mutterhaus stemmen. Doch über kurz oder lang muss Kloster Arenberg ohne dessen Geld auskommen.

Um auf eine schwarze Null zu kommen -Arenberg arbeitet kostendeckend, nicht gewinnorientiert-, setzt Grunau auch auf den Förderkreis, der in diesem Jahr gegründet werden soll, und Spendenaktionen, mit denen Vorhaben wie die 120000 Euro teure Lärmschutzwand am hinteren Teil des Hauses finanziert werden sollen. Bei ihren Plänen vertrauen die Dominikanerinnen und Grunau auf ihre Kraft -und auf Gott: »Wir können bis zu einer gewissen Grenze sehr viel leisten. Aber manches liegt einfach nicht in unserer Hand. Gott wird wissen, was sein soll, für welche Aufgabe wir da sein sollen und dürfen«, sagt Grunau. Letztlich gehe es darum, »was wirklich gut ist für die Menschen, die wir zu erreichen suchen.«

Die Einstellung geziemt einem christliches Haus. Ist sie wirtschaftlich? In freier Wirtschaft würde wohl versucht, das Defizit mit Entlassung und/oder Preiserhöhungen zu verringern. Das lehnt Grunau ab: Arenberg ist eben kein marktwirtschaftlicher, gewinnorientierter Betrieb. Hier gelten auch andere, christliche Maßstäbe, nach innen wie außen - und eben deshalb kommen die Gäste.

Der Gast darf kommen, wann er will, bleiben, so lange er will und tun, was er will. Sonntags gibt es kaum Programm. Die Einhaltung des christlichen Sonntagsgebots zwinge zum Spagat, wenn andererseits das Seminarprogramm erweitert werden solle, gibt Grunau zu. Doch der Charakter des Hauses bleibt, das bekräftigt er, erhalten.

Verständnis für modernen Menschen

Denn er bewirkt, wonach sich viele Gäste bewusst oder unbewusst sehnen und was sie im Alltag nicht finden: Ruhe, Erholung, Stille, Freundlichkeit, Kraft, Spiritualität. »Das Haus zeigt Verständnis für die Bedürfnisse des modernen Menschen«, schreibt einer im Gästebuch.

Iris Landen aus der Nähe von Aachen ist deswegen schon zum sechsten, siebten Mal da. »Ich fühle mich hier einfach wohl«, sagt die 36-Jährige und führt das zum einen auf die offene, kommunikative Atmosphäre zurück: »Es ist ein bisschen wie ein Kurbetrieb.« So setzen sich im Speisesaal Fremde ganz selbstverständlich zueinander. »Im normalen Hotel oder Restaurant ist das nicht so leicht«, sagt eine Witwe aus Düsseldorf. Wer sich nach Küchenschluss mit seinen Tischnachbarn verquatscht, wird nicht hinauskomplimentiert. »Das war am Anfang anders: Es hat sich sehr gebessert«, lobt Iris Landen. Die Bewertungsbögen der Abgereisten, die Verwaltungsdirektor Grunau persönlich auswertet, machen‘s möglich.

Und noch etwas macht nicht nur für die 36-Jährige den Charakter des Hauses aus: der Tag und Alltag mit den Nonnen, die jeden ehrlich und ungezwungen anlächeln - und ein Lächeln zurückbekommen. Schwester Josefa werkelt im Kräutergarten, Schwester Annuntiata betreut die Gäste, Schwester Wilhelma sucht mit ihnen in der Bibliothek Lesestoff-Krimis oder Biografien oder Romane, Schwester Marina verkauft Postkarten und Kräutertee-Mischungen im Klosterladen. Dieses selbstverständliche Miteinander kennen die meisten nicht mehr von zu Hause, weil Deutschlands Nonnen und Mönche immer älter und weniger werden. Damit sind sie zwangsläufig weniger präsent in den Pfarrgemeinden.

»Mit einer Nonne im Fitnessraum -find‘ ich stark!«, schreibt Vanessa im Gästebuch.
Die zehn Nonnen, die im Vitalzentrum und Gästebetrieb arbeiten, sind mittleren Alters - im Alter der Gäste: Die meisten sind zwischen. 40 und 70. Obwohl das Kloster für alle offen steht, sind 80 Prozent der Gäste Frauen und kommen alleine oder mit einer Freundin. »Das Haus strahlt ja auch Weiblichkeit aus«, findet Iris Landen.

Vielleicht passt Arenbergs Konzept zu Frauen besonders gut - obwohl Verwaltungsdirektor Grunau betont, dass man es nicht auf sie allein ausrichte. Wohl aber auf Menschen, die in einem bestimmten Lebensabschnitt stehen, deren Wege nicht mehr völlig offen sind. Arenberg ist - wie viele Klöster - bei Ausgebrannten, Verzweifelten, Trauernden, Menschen auf der Sinnsuche als Refugium beliebt. Das Haus sieht sich für Körper, Seele und Geist verantwortlich -und hat sich auch deshalb mit dem Vitalzentrum einem breiten Publikum geöffnet. Der Werbeslogan »Erholen Begegnen Heilen« bekommt in diesem Zusammenhang eine neue Bedeutung.

Dabei war die Idee zum Vitalzentrum aus der Not geboren: Vor sechs Jahren war das seit 1954 bestehende klösterliche Kneipp-Sanatorium in Arenberg wegen ausbleibender Gäste - die einen waren zu alt, anderen zahlte die Krankenkasse die Kur nicht mehr und die Anlage selbst war veraltet - praktisch pleite. Schließen aber wollten vor allem die jüngeren Normen nicht. Sie überzeugten die Zweifler, bauten das Sanatorium für 15 Millionen Euro - Geld aus Grundstücksverkäufen, Spenden und den Gehältern der berufstätigen Nonnen - zu Gästehaus und Vitalzentrum.

Das Konzept ist nun eine zeitgemäße Erweiterung des früheren im Sanatorium: Eine moderne Interpretation der Ganzheits-Therapie Sebastian Kneipps. Demnach sind fünf Naturheilverfahren Wasser-, Bewegungs- und Heilkräuter Therapie, eine gesunde Ernährung und Lebensordnung - wesentlich für körperliche und seelische Gesundheit. Deshalb finden Gäste im Kloster ein Schwimmbad ebenso wie gesunde, leckere Küche, morgendliches Tautreten selbst bei winterlichen Temperaturen ebenso wie Kräuter im Klostergarten: Dort gedeihen Lavendel und Kamille, Schafgarbe und Apfelkraut. Die Gespräche und spirituellen Angebote sollen ermöglichen, die eigene Situation zu reflektieren - und dabei ist die Seelsorge ein entscheidender Faktor.

Dasein für den Menschen

Die Dominikanerinnen in Arenberg sehen darin eine besonders wichtige Aufgabe wie überhaupt Dasein für Menschen für sie nichts Neues ist: Seit jeher steht Handeln im Mittelpunkt ihres Tuns anders als bei am Gebet orientierten Orden wie den Benediktinern oder Karmelitern. Das Leben der Ordensgründerin Mutter Cherubine Willimann wird mit dem Motto »heilende Liebe« überschrieben; sie setzte sich für Kinder, Alte und Kranke ein. Zur nach ihr benannten Stiftung zählen heute mehrere (soziale) Einrichtungen, darunter das Dreifaltigkeit Krankenhaus in Köln-Braunsfeld.