Wo Leib und Seele auftanken

Pilgerreise mal anders

Fotos: Kloster Arenberg










Wellness und Spiritualität müssen kein Widerspruch sein. Kloster Arenberg bei Koblenz verbindet beides auf überzeugende Weise,
finden Anne-Katrin Blasberg-Harris und Petra Klippel. Im folgenden Artikel beschreiben sie einige Momente ihres Aufenthalts.

Freitag 24. Februar:
Vormittag, Schule: Der übliche
Alltagsstress: Unterrichten, Kollegen informieren, Aufsicht führen, Streit schlichten... Habe ich überhaupt ein paar Minuten ruhig auf meinem Platz im Lehrerzimmer gesessen?

Nachmittag, Autobahn:
Endlich sitzen. Die Schultaschen im Kofferraum verstaut, neben den Reisetaschen. Erste Vorfreude auf unseren Aufenthalt in Aren
berg stellt sich ein. Mit der Zeit nimmt das Thema Schule immer weniger Raum ein. Jetzt sind andere Dinge wichtig: Wann haben wir die erste Anwendung? Was gibt es wohl zum Abendessen? Ob sich viel verändert hat seit unserem letzten Aufenthalt vor einem Jahr?

16.07 Uhr, Ankunft in Kloster Arenberg: Ach ja, so sah das hier aus...: die Stufen zur Eingangstür, der Engel des Schweigens in der Halle, diesem offenen lichtdurchfluteten Raum. Ein Gefühl von Vertrautheit stellt sich schnell wieder ein.

17.20 Uhr, Vitalzentrum:
Die erste Anwendung, eine Ganzkörpermassage. Nach zwei Minuten wird mir wohlig warm und ich habe das Gefühl, dass der Stress der letzten Tage im wahrsten Sinne des Wortes weggeknetet wird. Ja, es war definitiv die richtige Entscheidung gerade in dieser anstrengenden Zeit hierher zu kommen. 45 Minuten sind vorbei und ich bin angekommen.

20.40 Uhr, Gästekapelle:
Ankommen auf andere Weise bei der einstündigen Musikmeditation in der abgedunkelten Kapelle. Die Gedanken des Tages und der letzten Wochen vor Gott bringen und ansonsten ihm diese Stunde überlassen. Ein Lied trifft meine Stimmung: „Sei hier zugegen, Wort uns gegeben, dass ich dich hören kann mit Herz und Sinn. Weck deine Kraft und komm uns befreien.“ Die Atmosphäre und Angebote des Hauses öffnen mir tatsächlich Herz und Sinn.

Samstag:
10.40 Uhr, Massagebank:
In dieser Atmosphäre wird für mich die Aromamassage zur Meditation: Mein Rücken trägt so manches, nicht
nur den Schulrucksack. - Was schultere ich alles? - Der Nacken steckt so manche Schläge ein. Aber auch die Bitte: Gott, nimm das Schwere von meiner Brust, lass mich frei atmen.

15.10 Uhr, Schwesternkapelle:
Eine besondere Stunde für die Katholikin von uns beiden: Stille Anbetung mit wenigen Schwestern in der Klosterkapelle.
Eucharistie -Christus gibt sich selbst im Brot. Bei „echten“ Einzelexerzitien in anderen Klöstern prägen
solche Stunden den Tagesablauf, dagegen ist Arenberg „Kloster light“. Andererseits ist die Balance zwischen Seelsorge und der konkreten Sorge für den Leib eine ganz eigene wertvolle Erfahrung.

18.30 Uhr, Speisesaal:
Wir kommen mit einer Dame ins Gespräch: Nach dem Tod ihres Mannes waren es der Aufenthalt und die seelsorgerischen Gespräche mit einer Schwester hier in Arenberg, die ihr Mut und Kraft gegeben haben diese Zeit durchzustehen. Seitdem besucht sie das Kloster regelmäßig und fühlt sich jedes Mal aufs Neue gestärkt.

Karnevalssonntag:
10.00 Uhr, Mutterhauskirche: Katholische Messe. Für viele vertraut, für einige ungewohnt, für
alle offen. Der Hausgeistliche zitiert Martin Luther. Im Mittelpunkt der Liturgie stehen das Lob Gottes und das Gebet, zum Beispiel im Vaterunser.

15.15 Uhr, Sauna: Nach der Winterkälte draußen, jetzt Aufwärmen in der Sauna. Für viele ein weiterer Beitrag zum Wohlbefinden. Jedoch: Sauna im Kloster? Der Kompromiss heißt: Sauna getrennt — nach Männern, Frauen, Ehepaaren.

Montag:
10.00 Uhr, Speisesaal: Schon die
letzte Mahlzeit. Wie jeden Morgen begrüßt uns Schwester Annuntiata, weißhaarig und beschwingt. Uns ergreift Wehmut mit Blick auf die baldige Abreise.

12.15 Uhr, Auto:
Staumeldung für die A3. Kaum eine halbe Stunde hinter Arenberg versucht der Alltag, uns zurück in seinen Griff zu bekommen, aber wir lassen uns nach diesen Tagen nicht so schnell einfangen.