Orden für die Seele

Im Kloster Arenberg ist das Angebot für Körper und Geist zwischen Sauna, Stressabbau und Sinnsuche die reine Wohltat. So wie dort bieten inzwischen zahlreiche Klöster ihren Gästen diverse Gesundheits- und Wellnessprogramme.

Göttlich ist dieser Anblick: Schwester Andrea, Nonne des Dominikanerinnen-Ordens, im weißen Habit mit lässiger grüner Fleecejacke und sportlichen Asics-Laufschuhen, die zielstrebig unterm wadenlangen Rock hervorblitzen und mich zum nahen Park begleiten.Doch bevor Schwester Andrea damit durch den Park walkt, zieht sie die Sportschuhe samt Socken erst mal aus.

Und schon ist sie wieder voraus, verschwindet in der Morgendämmerung. Brav staksen wir ihr barfuß über die nasse grüne Wiese hinterher: Richtung Kloster Arenberg und wieder zurück zum kleinen Teich. Tautreten heißt das morgendliche Ritual, das diese sympathische Frau mit uns früh aufgestandenen Gästen des 4-Sterne-Klosters durchzieht. „Bitte nicht stehen bleiben“, treibt sie ihre Schutzbefohlenen an. „Die Füße sollen nicht kalt werden.“

Mit derart gestärktem Immunsystem spazieren wir wenig später mit kribbelnden Füßen, in Schuhen und in sportlichem Walking-Tempo durch die weite Parkanlage. Drei Runden und eine halbe Stunde lang laufen wir an Apfelbäumen und Kräuterbeeten vorbei, sehen durch lauschige Gartenlauben über das nahe Koblenz und den silberglänzenden Rhein.

Bei der abschließenden ganz sanften Gymnastikeinheit mit Sonnenaufgang und Stretching erzählt Schwester Andrea, die Leiterin des klostereigenen Vital- und Wellnesszentrums, dass sie demnächst statt Walking- auch noch Nordic-Walking-Runden mit ihren Gästen drehen wird.

Tipps für den Körper, aber auch für die Seele bekomme ich im Kloster auf Schritt und Tritt: von den hilfsbereiten Schwestern im Kräutergarten, beim dampfenden, frisch aufgebrühten Tee im Kräuterhaus, beim Plausch im Klostershop. Vor allem aber im Untergeschoss des Klosters, im neuen, modern gestylten und hellen Vitalzentrum. Komplett dem Wohlbefinden, von Kopf bis Fuß, von Körper und Seele hat sich der Dominikanerinnen-Orden verschrieben.

Und das hat Tradition. So steht der Orden als karitative Einrichtung schon immer hilfesuchenden Mitmenschen zur Seite. Andererseits gab es hier, hoch über Koblenz, schon seit den fünfziger Jahren ein Kneipp-Sanatorium. Zwar stehen heute noch die mächtigen Backsteingebäude. Im ehemaligen Bäderbereich allerdings ist die einstige Kneipp’sche Nüchternheit wie weggeblasen: Hochmodern und von gehobener Kategorie ist Arenbergs Vitalzentrum, alle Behandlungsräume sind wohlig-angenehm eingerichtet: Überall duftet es nach feinen Aroma-Ölen, die Wände geben mit ihren warmen Farbtönen ein Gefühl der Geborgenheit, und die Gemäldeausstellung vertreibt den Gästen während der kurzen Wartezeiten auf ihre Anwendungen die Zeit.

Und dann liege ich in einer hochmodernen Sprudelwanne, lasse mich im Crystalbad 20 Minuten mit leiser Musik und wechselnden Farben, die durchs warme Sprudelwasser und zwischen den Düsen hindurch in meine Sinne wandern, in eine andere Welt entführen. Ich bin in einer anderen Welt. In einem Kloster, in das die Zukunft eingezogen ist. Warum das so ist, warum neben Laudes, Mittagshore und Vesper im Mutterhaus, neben Seelsorge, Meditation, Morgen- und Nacht-Impulsen in der Kapelle nun auch dieses einmalige Verwöhnprogramm mit duftenden Aroma-Massagen, mit asiatischem Qigong, erfrischenden Sprudelbädern, Sauna und Solarium Gäste aus ganz Deutschland anzieht? Das erklärt Schwester Scholastika, als wir durch das lichtdurchflutete Gästehaus aus Sandstein gehen, mit seinen vielen hellen Hölzern, den großen Fensterfronten hinaus zum Garten und Feng-Shui-Ambiente. Die 38-jährige ehemalige Grundschullehrerin ist verantwortlich für den Noviziatskonvent, kümmert sich um die Wellness- und Erholungssuchenden und widmet sich vor allem der Seelsorge. „Heute hat sich das Sicherheitsgefühl vieler Menschen verändert“, erläutert die charismatische Schweizerin. „Wir schaffen hier Räume, in denen Körper und Seele auch mal fallen und ein Stück weit losgelassen werden können. Wir fangen sie auf und helfen dabei, wieder Boden zu finden.“

Ein Konzept, das voll in die Zeit passt, das ankommt. „Klosterleben boomt, wir spüren ein großes Interesse“, berichtet sie. Die Schwester führt es darauf zurück, dass dahinter die Ursehnsucht des Menschen nach einem gelungenen Leben in Frieden stecken könnte. „Wir strahlen dieses Gefühl aus“, sagt sie, „wir sind nicht abhängig von Erwartungen und Leistung. Wir dürfen als Mensch so sein, wie wir sind.“

Mit sich im Reinen sind sie, diese freundlichen und gut gelaunten Schwestern unterm Arenberger Himmel. Sie nehmen den Pilgern auf Zeit kiloweise Druck und jede Menge Hektik ab. Und: Sie machen es einem wirklich leicht, zu entspannen.