Erst die Fitness - dann das Gebet

Im Trend: Urlaub machen im Kloster Seit die Orden ihre Pforten auch für weltliche Aktivitäten öffnen, boomt die Nachfrage nach Vollpension beim lieben Gott.

Text und Fotos: Anna Gisa

Stress, Trauer oder einfach nur Neugierde:
Für Ferien im Kloster gibt es vielerlei
Beweggründe


Auszug aus: Erst die Fitness, dann das Gebet

Am Schwarzen Brett findet sich ein Wegweiser für den Aufenthalt: „Wer da bedränget ist, findet Mauern, ein Dach und muss nicht beten.“ Man muss hier nicht fromm sein, und auch nach Konfession und Stand wird nicht gefragt. Und doch fällt keiner durchs Raster. Dafür sorgt schon Schwester Annuntiata. Die hat alles im Blick, geht beim Frühstück von Tisch zu Tisch und fragt nach Sorgen und Wünschen. Neben ihrem Rosenkranz baumelt ein Piepser. Sie ist Tag und Nacht erreichbar.

Aufgeben oder neue Wege wagen - vor dieser Alternative stehen viele Klöster, seit ihnen der Nachwuchs fehlt. Die Dominikanerinnen in Arenberg haben Wagemut bewiesen und ihr unrentables Kneipp-Sanatorium am Rande des Westerwalds in eine Vitaloase mit komfortablem Gästehaus umgewandelt.

 

Der Vier Sterne Service zwischen Himmel und Wellness brachte sie in die Schlagzeilen. als erster „Club Med der Christenheit Damit können die Schwestern leben. Ihr Wohlfühlangebot mit Gottes Segen ist ein Erfolgsmodell. Die 100 Gästebetten sind im Schnitt zu 75 Prozentbelegt. Zahlreiche katholische und evangelische Klöster in Deutschland öffnen ihre Tore inzwischen für Männer und Frauen, die für eine bestimmte Zeit Ruhe, Gespräche oder spirituelle Erfahrungen suchen: Besonders zur Weihnachtszeit und zur Karwoche häufen sich die Anfragen. Annuntiata (68) ist ausgebildete Krankenschwester und für Erste Hilfe in jeder Beziehung zuständig:

„Ich halte auch schon mal eine Hand, wenn jemand nicht einschlafen kann, Meine Tür steht immer offen.“ Wenn sich im Klosterladen nichts Passendes findet, nimmt die Rheinländerin auch Auftragsarbeiten an und strickt dem Gast in Rekordzeit den Schal in der Wunschfarbe - Beratung inbegriffen. Ein Bad im Kloster als sinnliches Erlebnis - darüber hätte sich Pfarrer Kneipp wohl gewundert. Die Wanne als Klangkörper. Musik spürbar bis in die letzten Fasern des Körpers, dazu wechselndes Farblicht - ein Erlebnis für die Sinne. Und ein Konzept von Schwester Andrea. Viele Jahre hat sie die Physiotherapie eines Krankenhauses geleitet, nun führt sie im Vitalzentrum Regie. Der Weg zur Seele führe durch den Körper, erklärt sie zur Aromamassage mit duftend wannen Olen.

Erst die Fitness, dann das Gebet. Nach Tautreten auf der Wiese und Frühsport im Park geht es per Lift himmelwärts. Die Kapelle im siebten Stock des Gästehauses ist ein kühner Bau aus Sichtbeton und Glas mit spektakulärem Blick über das Rheintal und von außen nur durch das leuchtend rote Kreuz an der Fassade zu erkennen. Sanft und doch eindringlich gibt uns Schwester Scholastika den „Impuls in den‘ Tag“. Bevor die Schweizerin in den Orden eingetreten ist, hat sie „mit großer Freude“ Grundschulkinder unterrichtet.

„Aber tief in meinem Innern war ich immer noch auf der Suche nach meinem Weg.“ Dass sie ihn gefunden hat, ist wohl das Geheimnis ihrer Ausstrahlung.