Klosterurlaub - Zeit fürs Ich

Einmal wieder tief durchatmen und sich entspannen Zur Ruhe kommen und sich besinnen. Neue Kraft schöpfen für den Alltag. Warum nicht in einem Kloster? Viele Ordensgemeinschaften haben sich mittlerweile auf die Aufnahme von Gasten eingestellt

Text: Bromm-Krieger
Fotos: Bromm-Krieger, Kloster Arenberg


Am Kloster




Feinste Handarbeit: Im feschen Gärtnerdress erntet Schwester M. Josefa Lavendel. Er wird getrocknet zu Tee oder Duftkissen verarbeitet.




Das Abgehen des Labyrinths ist eine ankommen, gute Meditationsübung - vergleichbar mit dem Leben: aufbrechen und ankommen, zur Mitte finden und sie wieder verlassen, umkehren und doch immer wieder weiterkommen. Ist das Leben ein Labyrinth, dann ist jeder "Fehler" Teil des Weges und lehrreich




Schwester M. Andrea behandelt eine Besucherin mit einer entspannenden Aromaöl-Massage.




Gaste können auch an den Gebetszeiten im Kloster teilnehmen

Kloster Arenberg liegt wie ein Lehnstuhl in der Sonne, an den westlichen Ausläufern des Westerwalds hoch oben auf einem Berg bei Koblenz. Nur fröhliches Vogelgezwitscher ist dort zu hören, ansonsten friedliche Stille.
Der Empfang im   Kloster ist stets herzlich. Jeder Gast soll sich von Anfang an wie zu Hause fühlen und erhält beim Einchecken einen „Stundenplan". Auf ihm sind die Veranstaltungen des Hauses vermerkt. -Alles kann, nichts muss. Unsere Gäste können den Tag völlig frei gestalten, so wie es ihnen gut tut", betont Schwester M. Gertrud und fügt hinzu: -Wir sehen unser Selbstverständnis darin, jeden Menschen in seiner Persönlichkeit anzunehmen. Jeder Gast - gleich welchen Glaubens und welcher Lebenssituation - soll sich angenommen und aufgehoben wissen."

Dreimal am Tag treffen sich die Bewohnerinnen und Bewohner des Gästehauses im Speiseraum zum Frühstücks-, Mittags-, oder Abendbuffet. In einem zweiten Speiseraum können diejenigen Platz nehmen, die ihre Mahlzeiten schweigend einnehmen möchten.

Überwiegend Frauen mittleren Alters fühlen sich von dem Angebot des Klosters angesprochen. Doch auch Ehepaare oder kleinere Gruppen schätzen die besondere spirituelle Atmosphäre. Viele der Gäste kommen für eine Kloster-Auszeit ganz bewusst ohne Begleitung. Manche bewegen wichtige Lebensfragen und sie hoffen, in der Abgeschiedenheit des Klosters eine angemessene Antwort zu finden.

Im Klosterpark zur Ruhe kommen

So wie Marianne S.. die aus dem Ruhrgebiet angereist ist. "Mein Mann ist vor Kurzem gestorben. Ich trage schwer daran und hoffe, durch den Aufenthalt seelisch wieder ins Gleichgewicht zu kommen", gesteht die 75-Jährige.
Eine Pastoralreferentin. die in einer Pfarrei in Franken arbeitet, ist schon zum zweiten Mal für Exerzitien da. „Ich habe in meinem Beruf sehr viel mit Menschen zu tun, hier kann ich neue Kraft und Ruhe tanken."
Ihre freie Zeit verbringen die Hausgäste gern im idyllischen Klosterpark. Er wird von drei Gärtnern in Ordnung gehalten. Der weitläufige Kräutergarten ist jedoch das Reich von Schwester M. Josefa. Hier befinden sich ein Apothekergarten, ein Duft- und Aromagarten, eine Kräuterspirale und ein Teegarten. Wer Freude daran hat. darf bei den unterschiedlichsten Arbeiten gern stundenweise mithelfen.
Schwester M. Josefa verarbeitet die Ernte des Kräutergartens beispielsweise zu Tee. Duftsäckchen, Heilsalbe, Gelee oder Kräuteröle. Die Produkte werden später im Klosterladen zum Verkauf angeboten.
Der Klosterpark mit einem Feuchtbiotop, einem Pavillon und Wildblumen- und Streuobstwiesen erstreckt sich über viele Hektar. Überall laden Bänke, Liegestühle und Sitzecken zum Innehalten und Verweilen ein. Eine Herde Schafe hält den Rasen kurz. Jeden Morgen ab sieben Uhr bietet eine Ordensfrau auf der Wiese vor dem Kloster Tautreten mit Walking an.
Anschließend findet in der schlichten Kapelle im siebten Stock des Klostergebäudes der tägliche „Morgenimpuls" statt. Elke Lackmann, Sozialpädagogin und Therapeutin, stimmt die Anwesenden     mit     biblischen Heilsgeschichten und gemeinsamem Gesang und Gebet auf den Tag ein. Zum -Impuls in die Nacht" begleitet meist Schwester M. Andrea die Gäste in die Kapelle.

Mit den Ordensfrauen zum Gebet

Wer mit den Ordensfrauen in ihrer Mutterhauskirche die Laudes, die Eucharistiefeier. Die Mittagshore, den Rosenkranz oder die Vesper erleben möchte, ist hierzu ebenfalls herzlich eingeladen. Die zehn Schwestern des Klosters, die noch aktiv in den Gästebetrieb eingebunden sind, unterbrechen regelmäßig ihre Arbeit, um zu beten und zu singen. Insgesamt leben im Arenberger Mutterhaus der Dominikanerinnen 62 Ordensfrauen. Ihr Durchschnittsalter beträgt 74 Jahre.
Jeden Morgen dreht Schwester M. Annuntiata ihre Runde durch den Speiseraum. -Geht es Ihnen gut?", „Haben Sie noch einen Wunsch?", erkundigt sie sich bei jedem Gast und setzt sich eine Weile dazu. Für alle scheint sie die richtigen Worte zu finden, ob Zuspruch. Ermunterung oder Trost. Jederzeit stehen auch Seelsorgerinnen und Seelsorger für Beratung und Begegnung zur Verfügung.

Vitalzentrum

Allen Gästen, die mehr über die Motivation einer Frau, ins Kloster zu gehen, erfahren wollen, sei der wöchentliche Vortrag -Feuer und Flamme - Gottsucherinnen suchen Gott" von Schwester M. Josefa empfohlen. In ihrem schneeweißen, frisch gestärkten Habit und modischer roter Brille steht sie am Laptop und hält lebendig Ihren " Powerpoint-Vortrag. " Der technische Fortschritt hat auch im Kloster Einzug gehalten. „Hauptberuflich bin ich Ordensfrau", sagt die gelernte Erzieherin und Gesundheitspädagogin und berichtet, wie das war, als sie vor 29 Jahren, gerade einmal 22 Jahre alt, Ordensschwester werden wollte. „Kommt nicht in Frage", habe die Mutter gesagt. „Du bist alt genug, um zu wissen, was du tust", der Vater. Mittlerweile hat sich meine Mutter aber mit meiner Entscheidung, ins Kloster zu gehen, versöhnt", so die Schwester.


Auch für ihre körperliche Gesundheit können die Gäste im Kloster Arenberg eine Menge tun. Im angeschlossenen Vitalzentrum, das von Schwester M. Andrea geleitet wird, ist es möglich, auf Rezept Krankengymnastik oder Fangopackungen zu nehmen.
Aroma Öl-Massagen, Kneippsche Anwendungen und die Teilnahme an Gymnastikgruppen sind gegen Entgelt zu buchen. Im hauseigenen Schwimmbad wird Wassergymnastik angeboten. Sauna, Solarium und ein Raum für Gerätetraining runden das Angebot ab. Bei Bedarf steht ein Arzt zur Verfügung. Ein Notrufschalter am Bett gibt älteren oder behinderten Gästen Sicherheit.
Im Vitalzentrum wird, wie im gesamten Kloster, mit viel Gespür auf die Gäste eingegangen. Auch hier kommt niemals Hektik auf. Physiotherapeutin Rosalinde S. erzählt, dass sie schon 22 Jahre im Kloster tätig ist, bis 2001 im angeschlossenen Kneipp-Sanatorium. Als Sanierungen am Gebäude anstanden, wurde das Sanatorium geschlossen. Die Ordensfrauen eröffneten 2003 nach Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen ein neues behinderten gerechtes Gästehaus mit einem ganzheitlichen Gesundheitskonzept unter dem Motto:  erholen  - begegnen   -heilen.
„Die Achtsamkeit, die Spiritualität und die stille Heiterkeit der Ordensfrauen und weltlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mich tief beeindruckt. Ich habe hier im Kloster gelernt, langsamer zu werden, einfach mal einen Gang runterzuschalten. Und es geht mir gut dabei! Ich komme auf jeden Fall wieder", resümiert ein Gast.