Die vier Geheimnisse des Klosterlebens: Stille, Klarheit, Gemeinschaft, Inspiration.

Das innere Gleichgewicht wiederfinden –  auch im hektischen Alltag: Deutschlands bekanntester Mönch, Benediktiner-Pater Anselm Grün, erklärt, wie es geht.

Text: Markus Dietsch

Diese Stille – einfach himmlisch!
Im lichtdurchfluteten Foyer von Kloster Arenberg nahe Koblenz (Rheinland-Pfalz) ist nur das Ticken der alten Standuhr zu hören. Draußen vor dem Fenster stapfen zwei Nonnen durch den Schnee, die Köpfe leicht geneigt. Offenbar sind sie ins Gebet vertieft. Für die Besucher des Dominikanerinnen-Klosters ist diese Ruhe von unschätzbarem Wert. Hier können sie abschalten von ihrem hektischen Beruf, von den Sorgen und Nöten ihres Familienlebens.

Die innere Mitte finden.
Neue Kraft schöpfen. In Einklang mit sich selbst kommen. Der bekannte Seelsorger und Buchautor Pater Anselm Grün (65) von der Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach in Bayern kennt die tiefen Sehnsüchte der Menschen. Er ist überzeugt: „Vom einfachen Leben der Nonnen und Mönche kann man vier grundlegende Dinge für den Alltag lernen."

Der Rhythmus des Lebens.
Gebete zum Morgen, zum Mittag und zum Abend. Dazwischen eine genau festgelegte Mischung aus Arbeits- und Ruhezeiten: So sieht der Alltag in einem Kloster aus. Pater Anselm Grün weiß: „Die Gäste sind immer wieder von der klaren Tagesstruktur beeindruckt, in der wir Mönche und Nonnen leben. Wenn sie sich auf unseren Rhythmus einlassen, spüren sie auf einmal, dass er auch ihnen gut tut und dass er sie wach hält. Alles bekommt seine Zeit. Das gibt den Menschen die Sicherheit und Zuverlässigkeit, die sie oft vermissen."

Aus sich selbst schöpfen.
Im modernen Großstadleben haben wir die Stille und das Alleinsein verlernt. „Manche haben sogar Angst davor", sagt Pater Anselm Grün. „Da könnten ja unangenehme Gefühle oder Gedanken hochkommen." Dabei ist regelmäßiges Alleinsein wichtig für unser Wohlbefinden. Ein Blick aus dem Fenster, ein Spaziergang im Park, eine stille Stunde mit einem Becher Tee auf der Wohnzimmercouch. Pater Anselm Grün: „Auf diese Weise sortieren wir unsere Gedanken und Gefühle, spüren, was uns gut tut und was nicht. Und schöpfen wieder neue Kraft aus uns selbst."

Das Miteinander pflegen.
Dem anderen zuhören, auf ihn eingehen, seine Grenzen respektieren, zusammen lachen und traurig sein – für die Nonnen und Mönche im Kloster gehört das zum Alltag. Pater Anselm Grün: „Das Leben in der Gemeinschaft ist ein ständiges Ausloten von Nähe und Distanz. Nur so ist ein Miteinander, ob innerhalb oder außerhalb der Klostermauern, auf Dauer möglich."

Leib und Seele Gutes tun.
Jeder kennt das Sprichwort: „Nur in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist." Nur: Oft halten wir uns nicht daran. Wir verzichten auf Bewegung und Sport, weil uns die Zeit dafür fehlt. „Ordensleute legen großen Wert auf die Ausgewogenheit zwischen geistiger Tätigkeit und körperlicher Bewegung" sagt Pater Anselm Grün. „Damit Körper und Seele im Einklang sind."