IMPULS FÜR DEN MONAT FEBRUAR 2018

Es ist genug

Für den Monat Februar und den Beginn der Fastenzeit mag ich Ihnen gerne eine Geschichte von Susanne Niemeyer mitgeben, die mir kürzlich in die Hände fiel. Eine Erzählung ist nicht passend für jede Lebenssituation. Manchmal haben Menschen tatsächlich nicht genug Brot und Liebe und wir sollten uns für sie und uns selbst einsetzen, schenken, teilen... Diese Geschichte macht uns wach, wahrzunehmen, wo wir zu sehr vom „Es reicht nicht“-Modus ausgehen, so denken, fühlen und daraus handeln. Gerade die Fastenzeit lädt uns ein zu überprüfen, ob nicht in den meisten (oder sogar allen?) Fällen auch wahr oder sogar wahrer ist, zu sagen: „Es ist genug“. Schreiben Sie doch selbst einmal auf, wovon Sie persönlich meinen „Es ist nicht genug“ und vernehmen Sie dazu die vielleicht irritierende, barmherzige, herausfordernde, beruhigende Stimme eines Engels „Es ist genug“ oder auch „Es ist genug da, es reicht“. Als ich vor Jahren in einem Kinderhort gearbeitet habe gab uns Mitarbeitenden eine Ernährungs- beraterin die Anregung, den Kindern beim Mittagessen nicht zu viel auf einmal auf den Teller zu schöpfen und ein langsameres Essen zu ermöglichen, damit die Kinder spüren, wann sie satt sind und ob sie wirklich noch mehr brauchen. Wir sind so schnell, es gibt so viel Angebot, das uns nahelegt, dass wir es auch noch bräuchten.
Bei uns in Kloster Arenberg berichten besonders die Gäste, die schweigend essen, dass sie in diese Wachheit kommen, was es braucht und was nicht und worauf sich der Hunger wirklich richtet. Ich lade Sie ein, zu Hause Ihre Erfahrungen mit dem Wort des Engels „Es ist genug“ zu machen.
Eine gesegnete Fastenzeit und herzliche Grüße aus Kloster Arenberg! Ihre Elke Hübers

„Es ist genug“, sagt dieser Kerl, der seit Tagen auf meiner Fensterbank sitzt und behauptet, er sei ein Engel. „Es ist genug“, sagt er und nickt mir aufmunternd zu. Ich weiß nicht, woher er das weiß, aber er sagt es zu allem: zu einem Text, mit dem ich hadere. Zu einem Geburtstagsbuffet, das nicht reichen könnte. Zu meinem Kontostand. Zu meiner Sorge, keinen Schlaf zu bekommen und unausstehlich zu sein. Zu all den halbfertigen Sachen, dem bisschen Klavierspiel, den sporadischen Gebeten in der Nacht. Er sagt es zu meinem regelmäßig auftauchenden schlechten Gewissen. Zu meiner bangen Frage, ob ich nicht hätte alles ganz anders machen sollen. „Es ist genug.“
Das Merkwürdige ist, immer passt dieser Satz. Wollte ich ihn anfangs noch anfahren, dass er das doch gar nicht wissen könne, wurde ich mit der Zeit immer ruhiger, ja, ich erwarte seine helle Stimme. „Es ist genug.“
Und eines Morgens antworte ich, selbstvergessen und ohne nachzudenken sage ich „Amen“. So soll es sein.
(Susanne Niemeyer)
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