"Wo Liebe im Spiel ist, ist man nicht unfrei"

Armut, Gehorsam, Jungfräulichkeit: Die Dominikanerin Schwester Ursula (33) erzählt im Interview, was sie zum Eintritt ins Kloster bewogen hat


Interview: Antonia Groll
Fotos: Kloster Arenberg


Das Kloster Arenberg öffnet sich allen Gästen, egal
ob religiös oder nicht. Viele bauen hier Vorurteile
gegen Kirche und Orden ab





Werbung für den Glauben: Den Dominikanerinnen ist
ihre Lebensfreude anzusehen





Schwester Ursula bei ihrer Profess

Wer geht heutzutage noch ins Kloster? Wer Kontakt mit Menschen in Orden hatte, wird vielleicht beeindruckt gewesen sein von deren Persönlichkeit und Charisma. Eine, die erfrischende Natürlichkeit versprüht und dabei beeindruckt durch tiefe Worte, ist die Dominikanerin Sr. Ursula M. Hertewich OP (33). Im Gästehaus Kloster Arenberg in Koblenz ist sie eines der „Mädchen für alles“. Für viele der Besucher – Arenberg bietet bis zu 100 Klosterurlaubern Platz – ist es die erste unmittelbare Begegnung  mit Nonnen und somit auch die erste wirkliche Möglichkeit, Klischees abzubauen: Sperren sich Menschen im Orden nicht von der Welt weg? Muss man nicht verrückt sein, sich für ein Leben in Armut, Gehorsam und Jungfräulichkeit zu entscheiden? Sr. Ursula dachte früher ähnlich – bis für die promovierte Pharmazeutin klar wurde, dass es sie tatsächlich gibt, die viel beschworene Freiheit hinter Klostermauern.

Schwester Ursula, war für Sie schon früh klar, dass Sie einmal im Kloster leben möchten?

Nein gar nicht! Kloster kam für mich früher überhaupt nicht in Frage, im Gegenteil. Ich habe mich zwar oft gefragt, wie ich meinem Leben mit Gott konkrete Gestalt geben kann, aber wie man seine ganze Freiheit aufgeben und in einen Orden eintreten kann, konnte ich nie verstehen.

Wie kann man denn?

Mir wurde klar, dass viele Klischees und Vorurteile, die sich in mir zum Thema Ordensleben aufgebaut hatten, falsch waren. Letztlich geht es um nichts als Liebe. Das wichtigste Fundament, das uns alle im Kloster trägt, ist zunächst einmal die existentielle Erfahrung, dass wir von Gott bedingungslos geliebt sind. Diese Erfahrung lässt die Sehnsucht nach einer Antwort wachsen, zugleich auch die Sehnsucht, das eigene Leben immer mehr auf Gott auszurichten. Man ist unruhig, man will Schritt für Schritt weiter. Dieses Gefühl, persönlich angesprochen, gerufen zu sein, dieses Angerührtsein von Gott steht immer am Anfang. Das verbindet auch uns Schwestern untereinander. Die Entscheidung fürs Ordensleben ist eine Entscheidung für einen intensiven „Liebesweg“ mit Gott - und wo echte Liebe im Spiel ist, ist man nicht unfrei – ganz im Gegenteil.


Ihr erster Besuch im Kloster Arenberg, das heute sehr erfolgreich ein Gästehaus betreibt, hat sie in Ihrem Entschluss gefestigt, Ihr Leben ganz Gott zu widmen.

Ja, als ich Anfang 2003 das erste Mal herkam, war es aus mit mir. (Lacht) Eigentlich dachte ich damals gar nicht an einen Eintritt, es war vielmehr die Suche nach einer geistlichen Begleitung, die mich nach Arenberg führte. Doch hier lernte ich auf einmal Schwestern kennen, die eine tiefe innere Freude ausstrahlten und so gar nicht meinen Lieblings-Klischees entsprachen, die ich mir im Laufe der Zeit aufgebaut hatte. Im ersten gemeinsamen Chorgebet hatte „es“ mich dann voll erwischt, ich spürte, ich muss diese Spur weiterverfolgen, wenn ich ehrlich zu mir selbst sein will. Das tat ich dann auch, und je mehr ich mich mit den Evangelischen Räten der Armut, des Gehorsams und der Jungfräulichkeit beschäftigte, desto mehr erkannte ich: Das ist ein Weg, der wirklich in die Freiheit und ins Leben führen kann.