Urlaub bei dem lieben Gott


Im Kloster Arenberg bei Koblenz finden Gäste viel Ruhe – und Wellness der modernen Art

Text: Andrea Mertes


Kloster Arenberg: Klostergarten


Schwester Josefa im Kräutergarten

Schwester Andrea bei der Massage

 

Zwei Hände, die sich dem Herrn verschrieben haben, bearbeiten an diesem Morgen nicht die Perlen des Rosenkranzes, sondern walken verspannte Rückenmuskeln. Die Hände gehören Schwester Andrea. Der Stoff ihrer Ordenstracht raschelt frisch gestärkt, die Ärmel des weißen Gewandes sind hochgekrempelt, so kann sie besser zupacken.

Kurz zuvor hatte die Dominikanerin den Massageraum mit resolutem Schritt betreten, um ihre Taille baumelte der Rosenkranz, ihre Begrüßung war kurz und freundlich, die Fragen professionell: „Soll es was zum Entspannen sein oder zum Munterwerden? Sie dürfen sich das Öl aussuchen.“ Diese Masseurin ist nicht nur eine

Dienerin Gottes, sie ist auch gelernte Physiotherapeutin. Hier, in ihrem Mutterbaus, ist sie Seelsorgerin für Körper und Seele — im Kloster Arenberg hoch über dem romantischen Mittelrheintal. Wer hierher kommt, macht Urlaub beim lieben Gott.

Die Dominikanerinnen vom Arenberg gibt es seit fast 140 Jahren. In ihrem Stammhaus bei Koblenz haben sie ein Kneipp-Sanatorium aufgebaut und Menschen mit Wassertreten sowie gesunder Lebensweise therapiert, viele Jahrzehnte lang. Als Kneipp aus der Mode kam, blieben den Schwestern die Gäste aus.

"Wir nähern uns den Menschen an, indem wir ihnen auf heutiger Ebene begegnen“, sagt Schwester Andrea. Die Schwestern, Durchschnittsalter 73 Jahre, haben Kneipp in die Moderne geholt. Mit einem Schwimmbad, einem Fitnessraum und einem Saunabereich, mit Fußpflege und Wirbelsäulengymnastik. Der Sinn bleibt der alte: „Wir sprechen über den Körper die Seele an“, sagt Schwester Andrea.

 

Die Seele liegt morgens im Bett und blickt aus dem Fenster. Es ist sechs Uhr. In 30 Minuten beginnt in der Schwesternkapelle die Morgenlaudes. „Verhärtet nicht eure Herzen", singen die Schwestern im Chor.
Ein paar Klostergäste haben sich in die Holzbänke der Kapelle geschoben, nun blicken sie verlegen in die Runde. Eine Schwester schiebt das Gebetbuch hinüber und hilft über die erste Ratlosigkeit hinweg.
Die passenden Textstellen hat sie fürsorglich mit Lesebändchen markiert. Wer so früh noch nichts mit Kneipp und Chorgesängen anzufangen weiß, taucht erst später zum Frühstück auf. Auch eine der Schwestern hat das Morgengebet heute verschlafen.

Vor rund sieben Jahren haben die Klosterfrauen beschlossen, vom alten Kneipp Konzept Abschied zu nehmen und sich neu zu erfinden. Was folgte, war ein radikaler Neuanfang. Das Gästehaus auf dem Arenberg hat 2003 unter dem Motto „Erholen -begegnen - heilen“ den Betrieb wieder aufgenommen. Es ist kein Hotel, auch wenn die Zimmer elegant eingerichtet sind, im lichten Foyer Tageszeitungen ausliegen und es sogar einen Internet-Platz gibt. Es ist vielmehr eine mutige Mischung aus Weilness und christlichen Meditationstechniken.

Die Gäste können zum Rosenkranzbeten gehen, zur Aqua Fitness oder einfach mit einem Buch in den Klosterpark, wo unter 350 Obstbäumen Holzbänke zum Nachdenken einladen. Im Klostergarten zupft Schwester Josefa ihre Kräuter. Sie ist jederzeit für ein Gespräch zu haben, über das Christentum oder über gute Erkältungstees. Der Gast entscheidet. Die Schwestern drängen sich nicht auf.