Ein Kloster geht neue Wege

Kloster Arenberg liegt auf einem Hügel oberhalb von Koblenz, ca. zwei Autostunden von Ostbelgien entfernt. In der Nachbarschaft befindet sich die Festung Ehrenbreitstein, von der aus man den Zusammenfluss von Mosel und Rhein betrachten kann - ein lohnender Ausblick. Auch von der Höhe des Klosters schaut man hinunter auf den Rhein. Das Kloster Arenberg ist das Mutterhaus der Dominikanerinnen. Seit den 50er Jahren gehört ein Kneipp -Sanatorium zum Kloster.

Text: Ursel Zöll
Fotos: Kloster Arenberg









Veränderung nötig

Es war im Jahre 2000, als man überlegte, wie es weitergehen sollte. Eine Veränderung war notwendig, weil Gebäudetechnik, Ausstattung und Angebotspalette völlig veraltet waren. Die Gäste blieben aus. Das hatte zur Folge, dass die Einrichtung nicht mehr rentabel war. Nach vielen Überlegungen und Diskussionen entschied man, den Gästebereich zu erweitern und ein ganz im Trend liegendes Thema aufzugreifen, nämlich „Wellness“. Ein Vitalzentrum wurde in dem neuen Gästehaus eingerichtet. Nicht allen Ordensschwestern gefiel diese Idee, hatten sie doch Bedenken, dass diese Art der Einrichtung zuviel Unruhe und Geschäftigkeit mit sich bringen würde. Ausschlaggebend war letzten Endes das Leitmotiv, „heilende Liebe“ der Dominikanerinnen, ein Auftrag, für die Menschen da zu sein.

Erholen begegnen heilen

so heißt das Leitmotiv des Klosters Arenberg heute. Ausgangspunkt der Überlegungen war nicht der „Wellness-Boom“, sondern die Überlegung, wie die Gründerin der Ordensgemeinschaft auf die Not im Hier und Heute antworten würde. Und so sind ihre „Kunden“ die Suchenden, die Menschen in Krisen (Trauer, Beziehung, Isolation usw.), alle Menschen, die auf der spirituellen und religiösen Spurensuche sind und natürlich auch die Menschen, die es sich in einem klösterlichen und damit christlich geprägten Umfeld gut gehen lassen wollen. Die Motivation für einen Aufenthalt im Kloster Arenberg ist unterschiedlich. Einige kommen aus religiösen Gründen, andere kommen des ganzheitlichen Gesundheitskonzeptes wegen.

Mein persönlicher Eindruck

Seitdem ich vor einiger Zeit durch die Medien auf das Kloster Arenberg aufmerksam wurde, war in mir der Wunsch, es einmal durch einen Aufenthalt persönlich kennen zu lernen. Diese Kombination von Klosterleben und Wellnessangebot machte mich neugierig. Also fuhr ich hin und berichte Ihnen, liebe Leser und Leserinnen, nun aus eigenem Erleben. Zunächst fällt mir auf, dass das Publikum sehr gemischt ist. Frauen und Männer als Alleinreisende, Ehepaare, jüngere und ältere Personen treffe ich an. Um eine Rollstuhlfahrerin, die ich im Speiseraum kennen lerne, bemüht man sich liebevoll.

Beeindruckend groß ist der gesamte Gebäudekomplex mit den ihn umgebenden Parkflächen, Kräutergärten und Streuobstwiesen. Zwischen die alten Klostermauern hat man einen Neubau eingefügt. Er beherbergt Räume für physiotherapeutische Anwendungen, sowie Sauna, Schwimmbad, Speisesaal, Aufenthaltsräume und eine Kapelle. In en Gebäudekomplexen befinden sich insgesamt 99 Gästezimmer. Alles ist geschmackvoll eingerichtet und die hellen, freundlichen Farben tragen dazu bei, dass man sich sehr schnell wohl fühlt. Ich bin beeindruckt. „Das ist ja hier wie in einem schicken Hotel“ schießt mir durch den Kopf, werde aber schnell eines Besseren belehrt, da mir im ganzen Haus immer wieder Frauen in ihren Ordenstrachten begegnen.

Kein Hotel im üblichen Sinne

Sie sind es, die den Geist des Hauses prägen. Der Geschäftsführer, Bernhard Grunau, weist in einem Gespräch daraufhin, dass ihre Einrichtung nicht als Hotel fungieren will. „Wir legen großen Wert darauf, die klösterliche Ruhe und den ursprünglichen Geist des Hauses zu bewahren. Eingeladen sind alle, egal welcher Glaubensgemeinschaft sie angehören. Wir wollen vor allem für die Menschen da sein, die Ruhe und Erholung suchen und bei uns neue Kraft schöpfen wollen. Viele kommen zu uns, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden. Wer möchte, kann die Hilfe und das Gespräch eines geistlich und therapeutisch qualifizierten Seelsorgers in Anspruch nehmen. Es bleibt jedem Gast selbst überlassen, welche Angebote er in unserem Hause nutzen will.“ Das Angebot ist groß. Im religiösen Bereich gibt es neben Meditationseinheiten jeden Morgen in der Kapelle einen 20-minütigen „Morgenimpuls“, eine Kombination aus Musik, Gebet und Stille.
Zum Ausklang des Tages wird jeden Abend in der Kapelle meditative Musik angeboten.
Neben dem Mutterhaus befindet sich die Mutterhauskirche.
Wer möchte, kann an den täglichen Gebetsstunden der Ordensgemeinschaft oder an einer Eucharistiefeier teilnehmen. Im Vitalzentrum gibt es ein vielfältiges Angebot, das klassische Kneippanwendungen und moderne Physiotherapie verbindet. Entspannen kann man sich bei einer Aromaöl-Massage, in der Wärme eines Heusacks oder in der Sauna.

Möchten Sie sich mehr bewegen?

Dann sind morgendliches Tautreten, Wassergymnastik, intensives Körperzonentraining, BBP oder Nordic Walking das Richtige. Falls Ihnen das noch nicht genügt, finden Sie neben dem Schwimmbad einen Fitnessraum, wo Sie eine Einführung in Gerätetraining bekommen können. Das Gesamtkonzept ist angelehnt an die Methode des Pfarrers Sebastian Kneipp, der die ganzheitliche Gesundheitsförderung wiederentdeckte. Dazu gehören auch gesunde Ernährung und die Anwendung von Kräutern. Deshalb versteht es sich fast von selbst, dass zu der Klosteranlage auch ein Kräutergarten gehört. Dieser ist aufgeteilt in einen Apothekergarten, einen Duft- und Aromagarten, eine Kräuterspirale und einen Teegarten. Bei einer Tasse Kräutertee können Sie sich von den Kräuterschwestern in die Geheimnisse der Heilpflanzen und ihre Anwendungsmöglichkeiten einweihen lassen. Im Speiseraum gibt es morgens, mittags und abends ein Büffet. Die Ernährung folgt dem Motto „gesund und lecker“. Wer zwischendurch Lust auf Kaffee und Kuchen verspürt, findet beides im Klostercafe. Der gut schmeckende Apfelsaft kommt von den Äpfeln der Streuobstwiesen, die sich auf dem Klostergelände befinden. Falls Sie am Abend nicht zu müde sind, können Sie den Tag bei einem Glas Wein im gemütlichen Klosterkeller ausklingen lassen.

Wohlbefinden für Körper, Geist und Seele

Das Kloster Arenberg hat einen mutigen Schritt getan, denn auch ein Kloster unterliegt den Zwängen von Wirtschaftlichkeit und Rentabilität. Ein enormer finanzieller Kraftakt war nötig, um dieses Vorhaben durchzuführen. Die Nachfrage bestätigt jedoch, dass man mit der Kombination von Kloster und Wellness das richtige Konzept gefunden hat. Besonders gefallen hat mir, dass jeder Gast den Aufenthalt nach seinen persönlichen Bedürfnissen gestalten kann.

Es werden jedoch auch Pauschalwochen angeboten, die ein genau definiertes Programm im Vitalzentrum beinhalten. Kurse zu den verschiedensten spirituellen Themen, die über das Jahr verteilt abgehalten werden, sowie Konzerte und Ausstellungen runden das Gesamtbild ab. Wohlbefinden für Körper, Geist und Seele — im Kloster Arenberg kann man es finden.