Klostertrank

Text: D.Baer-Bogenschütz

Ach, du lieber Gott:
Überall auf den Tannenspitzen sieht sie heilkräftige Ingredienzien blitzen - und flugs erntet Schwester Materna das junge Grün für ihren Zaubertrank.
Hoch überm Rheintal bei Koblenz türmt sie pfundweise zarte Tannenspitzen. Angesetzt mit Kandis und Branntwein ergeben sie pure Medizin: Damit kommt der Mensch fit durch den Winter - sagen die Nonnen von Kloster Arenberg -‚ und sein Verdauungstrakt nach einem guten Essen wieder auf die Reihe.
Noch wird der Tannentrank, der hinter den Klostermauern entsteht, nicht verkauft. Nur durch Zufall erfährt der Klostergast vom Tannenspitzen-Digestif nach Schwester Materna.
Möchte er etwa eine der vorzüglichen Mahlzeiten, die Klosterkoch Gregor Kühn bereitet - in seinem früheren Leben hat er Kreuzfahrtpassagiere verwöhnt - mit einem Verdauungströpfchen beschließen, kommt schon mal das Spitzengebräu auf den Tisch. Es hat die Farbe von goldenem Bernstein, schmeckt nach Waldspaziergang und weckt Bilder von Hase und Reh.
Die Ordensschwestern sprechen schlicht von einem „Erkältungsgetränk“, das auch der Vorbeugung dient. »Nehmen Sie mal gleich ein ganzes Fläschchen mit“, sagt Schwester Materna.
Die Dominikanerinnen in Deutschlands einzigem Wellness-Kloster sind großzügig. In Kloster Arenberg, das nach einem einmaligen Gesundheitskonzept Kneipps Gedanken der „Entfaltung und Stärkung aller vitalen Kräfte“ mit spiritueller Tugend verbindet und einen Gästetrakt mit 75 Zimmern errichtet hat, besitzt die Klostermedizin Tradition.
Es gibt einen Kräutergarten und eine Kräuterküche:
Fröhlich gehen einige Gäste den Kräuterschwestern zur Hand und zupfen Johanniskraut. Besonders erfinderisch sind die Klosterfrauen, wenn es um neue Kräuterspezialitäten geht. Die Palette reicht von Kräuterbowle - serviert mit Vanilleeis - bis zu Zwiebelbonbons. Übrigens: Auch die Teemischung von Schwester Irmingard, der man frühmorgens beim Kräuterpflücken auf dem Feld hinterm Obstgarten begegnen kann, ist einfach himmlisch.

Tannenspitzen-Digestif
500 g junge Tannenspitzen
250 g brauner Kandiszucker
1 Liter Brandwein, mind. 54 %

In einem Steingutgefäß oder einem großen Glas ansetzen. Gut schütteln und bei Küchentemperatur an einen Sonnenplatz stellen.
Alle vier bis fünf Tage erneut schütteln. Nach vier bis fünf Wochen absieben und in Glasflaschen füllen.