Seelenruhe in 3 Tagen

Echte Entspannung hat nichts mit kostspieligem Urlaub zu tun


Text: Marco Heinen
Foto: Kloster Arenberg


Nonne bei der Massage im Wellnesskloster
Arenberg

Geübte Hände verteilen Öl auf der Haut und streichen sanft über die Schultern. Die gehören zu einer Mutter von fünf Kindern, die ihrem strapaziösen Alltag entflohen ist. Die Hände hingegen gehören Schwester Andrea, seit 25 Jahren Ordensfrau der Dominikanerinnen.
Im Kloster Arenberg, idyllisch über dem Rheintal bei Koblenz gelegen, bieten die Dominikanerinnen ihren gestressten

Besuchern einen ganz besonderen Urlaub. In der ländlichen Umgebung, im Gleichmaß streng geregelter Klostertage, finden sie Wege aus der Hektik. Dabei helfen Massagen, Brandungsbäder, Sauna oder Aqua-Jogging. Morgens treffen sich die Urlauber-Gruppen barfuss auf einer der Kloster-Wiesen zum Tautreten. Wenn die nackten Füße durchs Gras streifen, kribbelt es an den Sohlen. „Tautreten stärkt das Immun-System", sagt Schwester Andrea, ihre Massagen lockern verspannte Muskeln. Vor allem bieten die Schwestern ihren Gästen ein kostbares Gut - nämlich Zeit.
Mit ihrem ungewöhnlichen Angebot zum Kloster-Urlaub treffen die Schwestern einen Nerv: Stress, nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation de: größte Krankmacher unserer Tage, verlangt nach einem körperlichen und geistigen Ausgleich. Weil der im Alltag zwischen Job, Familie und Hobby kaum zu finden ist, nehmen sich immer mehr Menschen eine kurze Auszeit. Das kann ein langes Wochenende in einem Landgasthof sein, ein kurzer Wander-Urlaub in der Natur oder der geruhsame Einkauf in einem Hofladen und das anschließende Essen mit Freunden. Während die Deutschen pro Jahr mehr als 70 Milliarden Euro für Wellness und Wohlbefinden ausgeben, merken immer mehr Menschen, dass echte Entspannung nichts mit kostspieligen Hotels, trendigen Thermen oder 24-Stunden-Flügen nach Australien zu tun hat.

„Mehrere kleine Urlaube im Jahr verlängern den Erholungseffekt besser als eine lange Abwesenheit", bestätigt Professor Sabine Sonnentag, Psychologin und Erholungsforscherin an der Universität Konstanz. Bereits drei Tage reichen, um Körper und Seele Linderung zu verschaffen, so die Forscherin. „Aus psychologischer Sicht steigt das seelische Wohlbefinden im Urlaub schnell an und sinkt nach drei Wochen im Alltag wieder auf das alte Niveau. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Urlaub drei Tage oder drei Wochen lang war", sagt sie.
Die 60 Dominikanerinnen im Kloster Arenberg haben sich auf diese Tatsache eingestellt. Vor fünf Jahren bauten sie ihr Kneipp-Sanatorium um und setzten auf Rundum Wohlfühlbehandlungen. Fast 100 Betten bieten sie ihren Gästen, die Auslastung seit dem Umbau hat sich verdreifacht.
Dabei distanzieren sich die Schwestern ausdrücklich von den üblichen Wellnessanbietern, die mit teuren Cremes und aufwändigen Behandlungen oft für viel Geld neuen Stress stiften. „Wir sind keine Schönheitsfarm", sagt Schwester Andrea. Ihre Überzeugung: In einem starren Körper wohnt auch eine starre Seele, ohne Lebensfreude. Jesus, so die Schwester, habe Kranke auch immer an Leib und Seele geheilt. Gläubige Menschen finden im Kloster Arenberg auch Ruhe in Gebeten, Gesprächen oder Exerzitien. Pflicht ist das natürlich nicht. „Wenn ein Gast bei uns aber wieder Geschmack an Gott findet, freuen wir uns."