Göttlich entspannen

Ein Urlaub der etwas anderen Art. Wellness im Kloster. Erholung für Körper und Geist - ganz nah bei Gott

Text: Anette Postel
Fotos: Petra Obermüller


Ort mit lebendiger Spiritualität: Das Kloster Arenberg bei Koblenz kann auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken




Auch die Seele findet Nahrung im Kloster Arenberg - Detail aus dem Klosterpark


AQUA-GYM
Ob man nun allein seine Bahnen ziehen möchte oder sich zur Wassergymnastik mit Vorturnerin und anderen Gästen trifft - bei Aquafitness kommt der Kreislauf in jedem Fall in Schwung





AROMA-MASSAGEDie Pflanzen, aus denen die pflegenden Öle für das lockernde Brandungsbad gewonnen werden, ziehen die Ordensschwestern im klostereigenen Kräutergarten


„Ist es nicht wunderbar ruhig hier?"
Ich hatte die Schwester nicht kommen hören.
Zu weit weg war ich mit meinen Gedanken.
Weit weg vom Stress, vom Termindruck, von zu langen Tagen und Nächten mit zu wenig Schlaf.
Ich saß einfach nur mit geschlossenen Augen in der Sonne und nahm den Geruch der Kräuter wahr.
„Ja", antwortete ich, „so ruhig war ich schon lange nicht mehr." Sie lächelte und ging leise weiter.
Dass ich einmal in einem Kloster Kurzurlaub machen würde, hatte ich mir nie vorstellen können.
Doch jetzt war ich da.
Einerseits neugierig, wie es sich wohl unter Klosterfrauen lebt, andererseits erschöpft und auf der Suche nach Entspannung. All dies verbunden mit etwas Wellness.
Wellness im Kloster?
Auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Kombination. Aber doch, das gibt es. Im Kloster Arenberg. Erhaben ruht das Gebäude über Koblenz und bietet einen weiten Blick hinunter ins Rheintal.

Erholen - begegnen - heilen.
Das ist der Wahlspruch des Hauses. Erdacht wurde das Konzept, das Kloster für Ruhebedürftige, Burn-out-Bedrohte und Sinnsuchende zu öffnen, von den Ordensschwestern selbst.
Ehemals ein reines Kneippsanatorium, wurde diese Einrichtung nach einem wirtschaftlichen Engpass - Not macht erfinderisch - im Jahre 2002 umgebaut in ein großzügiges Gästehaus mit Vitalzentrum.
Die Dominikaner-Schwestern arbeiten Hand in Hand mit weltlichen Mitarbeitern und gestalten jeden auch noch so kurzen Aufenthalt zu einem Wohlfühl-Urlaub.
Leib und Seele werden hier wieder in Einklang gebracht.

Gleich am ersten Tag bekomme ich so etwas wie einen Stundenplan. Andachten und Meditationszeiten finde ich da ebenso wie Sportangebote. Theoretisch könnte ich schon um halb sieben mit den Schwestern zur „Laudes", dem Morgengebet, erscheinen und danach im Klostergarten Tau-Walken, also mit nackten Füßen gemäß den kneippschen Empfehlungen durchs feuchte Gras im Klosterpark staksen. Doch ich starte lieber ein wenig später in den Tag.

Im Kloster Arenberg gibt es kein Muss, es gibt nur viele Kann’s.
Niemand wird nach seiner Religion gefragt oder nach seinem Aussehen, Alter bzw. Status beurteilt.
Jeder ist willkommen. Jeder Tag kann völlig frei gestaltet werden.
Lediglich fürs Essen gibt es feste Zeiten. Und wer möchte, kann sein Essen auch schweigend einnehmen. Ich teste es und staune darüber, wie gut mir das tut. Wie bewusst ich jeden Bissen genieße, ohne Ablenkung.

Nach einem langen Tag mit Aqua-Gym, Heubad und viel frischer Luft schlafe ich ausgesprochen gut in meinem Zimmer im Gästehaus des Klosters. Von einer kargen Klosterzelle hat mein Zimmer so gar nichts.
Im Gegenteil, es ist ausgesprochen gemütlich, hell und licht, mit einem kuscheligen Ohrensessel und - natürlich - einer Bibel auf dem Nachttischchen.
Zwar findet sich keine Minibar, doch dafür gibt es den Klosterkeller. Hier trifft man sich am Abend auf einen Wein, ein Bier und das eine oder andere Gespräch mit anderen Gästen.
Viele sind bereits zum wiederholten Male hier, einige reisen allein und auch Familien mit Kindern genießen den Urlaub der etwas anderen Art.
Und überall begegne ich den Ordensschwestern.
Unglaublich nahbar, unglaublich offen und stets ansprechbar.
Sie strömen eine so mütterliche Energie aus, dass man sich am liebsten von ihnen in den Arm nehmen lassen möchte.

Bei meiner Abreise ist mir, als sei ich viel länger im Kloster gewesen. Tatsächlich waren es nur drei Tage, aber ich bin wieder die Ruhe in Person und gewappnet für den Alltag.
Allerdings werde ich diesem jetzt gelassener entgegentreten und wieder mehr auf meine innere Stimme lauschen.

Ich bin weggefahren und ich bin angekommen.
Bei mir selbst.


ENTSPANNUNG
Kein Bett im Kornfeld, aber
ein Bad im Heusack. Eingepackt
in ein mit heißem Heu gefülltes
Kissen und warme Decken ruht
man ein halbes Stündchen und
atmet den Duft der Sommerwiese
ein


BADE-WONNE
Ein besonderer Wohlfühl-
moment: die Unterwasser-
massage im warmen Brandungs-
bad. Eintauchen und sich
kräftig durchsprudeln lassen.
Herrlich!

Echte Handarbeit: Sorgfältig füllt Schwester Irmingard Johannis-krautessenz ab

Ordensschwestern aus den im Klostergarten angebauten
Kräutern und Pflanzen her. Ganz natürlich -und sehr lecker

QIGONG
Ganz eins mit der Natur: Frischluft-Gymnastik im Garten des Klosters.
So fängt der Tag gleich gut an