Kloster Arenberg – Oase der Stille

Eine Ordensgemeinschaft geht neue Wege

Text und Fotos: Andreas Ganter


Im Klostercafe gibt es täglich mehrere Kuchensorten und Kaffeespezialitäten zur
Auswahl. Die Sonnenterasse lädt zum
Entspannen ein.



Blick durch den hellen, freundlichen Empfangsbereich auf einen der zahlreichen Innenhöfe, die Kloster Arenberg besitzt



Ein abgeschlossener Innenhof unter freiem
Himmel, eine der,, Wohlfühl-Oasen“ des
Klosters.




In einem der Innenhöfe befinden sich
Skulpturen, die von einer Schwester
des Ordens gefertigt wurden.
Sie laden die Gäste ein, innezuhalten
und sich mit ihnen auseinander zusetzen.
In den Sommermonaten finden die
Morgengebete im Innenhof statt.


Im Kloster wird hart gearbeitet, gebetet und früh zu Bett gegangen, so lauten oftmals Vorurteile gegenüber Klöstern. Wer genau das Gegenteil erleben möchte, sollte nach Arenberg fahren. In der Nähe von Koblenz kann man ein Dominikanerinnenkloster erleben, das auf ganzheitliche Erholung setzt.

Seit 2003 findet man dort ein Konzept, das wohl einzigartig in der Klosterlandschaft Deutschlands, wenn nicht sogar weltweit ist. In einem eineinhalbjährigen Prozess entschlossen sich die Schwestern, ihr ehemaliges Kneippsanatorium im Gästehaus zu modernisieren. Es entstand ein neues modernes Gebäude mit Wellnessbereich. Der gesamte Umbau kostete die Ordensgemeinschaft damals mehrere Millionen Euro. Finanziert wurde das Projekt lediglich durch Eigenmittel des Ordens. Mit ihrem Angebot für Erholungssuchende wird der Orden, aber auch ein Missionsprojekt der Schwestern in Bolivien mitfinanziert.

Wer jedoch einen klassischen Wellnessurlaub sucht, der ist in Arenberg an der falschen Adresse. Im Vorort von Koblenz geht es vielmehr darum, Wellness als ganzheitliche Angelegenheit zu betrachten. Man will Körper und Seele heilen, erklärt Schwester Scholastika. Sie ist eine von vier Seeisorgern, die im Gästehaus wirken. Die Würde und Schönheit des Menschen stehe im Mittelpunkt, so die Nonne. Sie empfindet die Arbeit des Klosters auch als „nichts Besonderes“, schließlich habe der christliche Glaube schon immer ganzheitliche Aspekte gehabt. Als Beispiel führt die junge Frau Jesus an, der die Kranken an Körper und Geist heilte.

Kloster Arenberg passt nicht in Kategorien. Es ist weder Hotel noch Wellnesskloster. Es ist mehr. Im Vital-Zentrum des Gästehauses besteht die Möglichkeit, allerlei Massagen, Therapien und Bäder zu genießen. Darüber hinaus bietet das modern eingerichtete Haus Schwimmbad, Minigolfplatz und Fitnessraum. Wer sich von all diesen Angeboten nicht angesprochen fühlt, kann sich an einen der unzähligen Plätze auf dem fünf Hektar großen Grundstück des Klosters zurückziehen oder durch die Gärten spazieren. Gerade der Kräutergarten bietet viele interessante Pflanzen und Wissenswertes zur Kräuterkunde.

Im Apothekergarten werden etwa 50 Kräuter angepflanzt. Sie sind in einzelne Indikationsgebiete eingeordnet, so dass man schnell die nchtige Pflanze findet, die beim jeweiligen Leiden hilft. Hat man etwa Probleme mit Leber oder Galle, so entdeckt man im entsprechenden Teil des Kräutergartens schnell die Mariendistel, Löwenzahn oder Wegwarte als Heilmittel.

Schwester Ursula, die für den Apothekergarten zuständig ist, weist gegenüber den Gästen gern darauf hin, dass es sich lediglich um einen Schaugarten handelt. Um die entsprechenden Cremes und Medikamente herzustellen, bräuchte man teilweise genaue Kenntnisse und wissenschaftliche Geräte. Vor ihrem Ordens-Eintritt forschte die promovierte Pharmazeutin im Bereich der Pflanzenheilkunde.

Das Wissen, das sie damals erwarb, hilft ihr bei der heutugen Arbeit weiter. Interessant sei, so die Nonne, dass neue wissenschaftliche Methoden alte Erkenntnisse der Kräuterheilkunde oft bestätigen würden. Neben den Führungen durch den Garten bietet das Kloster auch Vorträge zur gesunden Ernährung in Zusammenarbeit mit der Küche des Anwesens an.

Im zweiten Teil des Kräutergartens werden weitere 30 Arten Kräuter angebaut, die dem täglichen Bedarf der Schwestern und ihrer Gäste dienen. Fur den Kräutertee, der zum Abendessen gereicht wird, wurden im Jahr 2006 knapp 900 Kilogramm Kräuter gesammelt.
Neben den genannten Angeboten gibt es im Gästehaus immer wieder spirituelle Impulse, beispielsweise am Abend oder am frühen Morgen. Wenn die Gäste wollen, sind sie därüber hinaus gerne eingeladen, an den Gebetszeiten der 40 Schwestern von Arenberg teilzunehmen Einmal am Tag wird im Mutterhaus die Eucharistie gefeiert, zu der alle Gäste kommen können.
Christliche Meditation, Wanderexerzitien sowie viele weitere Möglichkeiten bietet das Kloster Arenberg, um den Gästen die Möglichkeit zu geben, sich mit ihrem Leben, ihrem Glauben und allgemein mit dem Sinn des Lebens auseinander zusetzen.

Der Großteil der Gäste ist weiblich. Wohl, weil Arenberg ein Frauenkloster ist, vermutet Geschäftsführer Bernhard Grunau. Er betont jedoch, dass das Haus auch Männern offen steht. Insgesamt 89 Mitarbeiter sowie zehn Schwestern sorgen dafür, dass es den Gästen an nichts fehlt.
„Heilen - erholen - begegnen“ - unter diesem Motto steht das Konzept, das in Arenberg Wellness mit dem christlichen Glauben auf perfekte Art und Weise verknüpft.
Egal ob man im weitläufigen Park, im Kräutergarten oder im Haus selbst unterwegs ist, begleitet wird man von einer beruhigenden und angenehmen Stille. „Die Stille ist ein Schweigen, das den Menschen Augen und Ohren öffnet für eine andere Welt“ - dieses Zitat von Serge Poliokoff findet der Erholunsuchende unter anderem im Speisesaal des Gästehauses. Der Spruch begleitet den Gast während seines Aufenthalts. Kloster Arenberg ist dabei keine Insel der Stille im hektischen Alltag, sondern eine Oase der Stille. Denkt man bei dem Begriff Insel oftmals in erster Linie an Abgeschiedenheit, der man gerne entfliehen möchte, so stellen sich bei dem Wort Oase durchweg positive Gefühle ein. Deshalb kehrt man in eine Oase auch gerne zurück.