Auszeit für die Seele

Wellness im Kloster


Text: Angelika Rothermel-Geiger
Fotos: Kloster Arenberg


Hell und licht ist der Empfangsbereich des Gästehauses von Kloster Arenberg.


Wassergymnastik gehört zum klösterlichen Wellnessprogramm.


Tautreten frühmorgens ist ein guter Start in den Tag und bei den Gästen beliebt.


Die Dominikanerinnen in Arenberg sind in den Wellness-Alltag eingebunden.

„Ich gehe ins Kloster!“ Dieser Satz bedeutete früher: der Welt entsagen, ein Leben in kärglichen Zellen hinter Klostermauern zu führen. Heute liegt man damit voll im Trend -Ferien im Kloster, Oasentage, Kloster auf Zeit - in den letzten Jahren hat sich ein regelrechter Boom entwickelt. Mit Verzicht hat das in den wenigstens Fällen zu tun - manche Klöster können sich was Komfort und Ausstattung betrifft - durchaus mit Vier-Sterne-Hotels messen.

Relativ neu ist der Ansatz, eine ganzheitliche „Rundumversorgung“ anzubieten: Seele, Geist und Körper sollen wieder in Einklang kommen. Das nennt sich dann „Wellness im Kloster“. Ob Sie Kneipp-Anwendungen, Shiatsu Massagen, Aroma- oder Sprudelbäder oder Nordic Walking wünschen, im Kloster werden Sie fündig.

Erholen - begegnen - heilen

Besonders gut gelungen ist diese Symbiose zwischen spiritueller Fürsorge und körperlichem Wohlbefinden den Dominikanerinnen im Kloster Arenberg in Koblenz. Das Mutterhaus des Ordens hat die Zeichen der Zeit erkannt und aus einem unrentablen Kneipp-Sanatorium ein modernes Wellness-Zentrum gemacht. Seit 2003 steht der Name des Klosters für Wellness im Kloster schlechthin.

Für zwei Tage werde ich in klösterlicher Abgeschiedenheit Körper und Seele pflegen (lassen). Hoch über dem Rhein, inmitten eines weitläufigen Parks gelegen, erwartet den Gast ein helles, und lichtes Gästehaus, das harmonisch in den bestehenden Klosterbau eingefügt wurde. Die freundlichen Damen vom Empfang reichen mir einen Wochenplan, der einem Manager zur Ehre gereicht hätte. Allein wegen der Fülle der Angebote empfiehlt sich ein längerer Aufenthalt!

Am ersten Tag entscheide ich mich morgens für Tautreten im Park mit anschließendem Walken. Erstaunlich viele Gäste stehen um sieben Uhr morgens parat, die Stimmung ist fröhlich, wie übrigens in allen Gruppenveranstaltungen, die ich besucht habe. Spontan verschiebe ich den Besuch in der Kapelle zum „Impuls in den Tag“ auf morgen und schwimme zum Aufwärmen ein paar Runden im Hallenbad, dann fühle ich mich frühstücksreif. Ich wähle den kleinen Speiseraum, den Bereich der Stille. Hier wird zu jeder Mahlzeit jeweils für eine halbe Stunde mittels Gongschlag eine Schweigezeit angekündigt. Ohne Ablenkung kann man das leckere Essen noch besser genießen.

Die Mahlzeiten werden alle in Büffetform dargeboten. Das Frischkornmüsli ist legendär und der haus-gemachte Klostertee kann abends nicht so schnell aufgefüllt werden, wie er getrunken wird!

Kneipp‘sche Anwendungen, Massagen, Wärme- und Kältebehandlungen, Aquafitness, Shiatsu, Qi Gong und mehr

Am Vormittag genieße ich die erste Anwendung im modernen Vital-Zentrum, eine wohltuende Aromaölmassage. Auch das Crystalbad ist sehr zu empfehlen; hierbei wird mittels eines Magnetfeldes Musik in farbiges Licht umgewandelt und durch die Schwingungen im warmen Badewasser wird der Körper bis in die kleinsten Muskeln entspannt, die Haut prickelt regelrecht. Für den Nachmittag habe ich mich zum Nordic Walken angemeldet. Die Stöcke werden gestellt und unter fachkundiger Leitung stapfen wir durch das angrenzende Waldgebiet.

Damit meine spirituelle Erbauung nicht zu kurz kommt, besuche ich abends um 21. 15 Uhr die Kapelle des Gästehauses zum „Impuls in die Nacht“. Eine Schwester hält eine kleine Abendandacht, die zum Innehalten, zum Nachdenken, zur meditativen Kontemplation einlädt. Einen schöneren, stimmungsvolleren Abschluss des Tages kann man sich nicht vorstellen!

Am nächsten Morgen stehe ich bereits um sechs Uhr auf, denn ich will die Laudes, den Gesang des Schwesternchors in der Klosterkirche nicht verpassen. Auch Nichtkatholiken sind willkommen und ich bleibe sogar noch während der anschließenden Eucharistiefeier in der Kirche.

Nach diesem feierlichen Start in den Tag sind wieder Streicheleinheiten für den Körper angesagt. Wunderbar sind die Stille im Hallenbad und danach die Tiefenentspannung in der Infrarotkabine (eine Art Sauna, in der mittels lnfrarotlicht eine trockene Hitze erzielt wird)! Und danach? Schön, dass ich nichts tun muss, aber alle Möglichkeiten nutzen darf!

Das ist auch das Anliegen des Klosters: jedem Gast die Möglichkeit zu geben, das für ihn individuell richtige Paket zu schnüren. Sie können die Stille suchen oder das Gespräch mit therapeutisch geschulten Seelsorgern. Sie können sich in die Bibliothek zurückziehen oder im Klosterkeller Gesellschaft und gute Gespräche bei einem Glas Wein genießen, am Klosterleben teilnehmen oder das große sportliche Angebot nutzen. Dem Gast sollen Räume und Zeiten geöffnet werden, in denen Leib und Seele, Herz und Geist zusammenfinden. Der Gast soll sich in seinem Suchen und Fragen, in seinen Hoffnungen und Angsten verstanden, angenommen und aufgenommen wissen.