Das Feuer weitergeben

Ordensfrauen erzählen im Internet über ihren Glauben und ihren Alltag


Text: Paula Konersmann
Dass junge Frauen einen Blog führen, ein Internettagebuch, ist nicht ungewöhnlich. Dass sie in ein Kloster gehen, schon eher. Wer ihren Blog liest, stellt fest: Die sind genauso von dieser Welt – auch wenn etwas mehr mitschwingt.

Es brennt. Das Feuer des Glaubens und die Faszination für die Botschaft Jesu sind für Schwester Kerstin-Marie die Grundlage ihres Daseins. „Es ist im Leben entscheidend, dass man sich für eine Sache begeistert", sagt die 31-Jährige. Vielen Gleichaltrigen falle das schwer.
„Man kann sich schon nicht entscheiden, auf welche Party man gehen soll – wie soll man dann eine Entscheidung fürs Leben treffen?", fasst sie die Bedenken ihrer Generation augenzwinkernd zusammen.

Sie selbst hat sich entschieden – und sich mit ihrer feierlichen Profess Anfang September den Dominikanerinnen angeschlossen. „Die Profess ist mir wichtiger als mein Uni-Abschluss", sagt sie. „Zwar ändert mein Wesen sich dadurch nicht, aber diese Aufnahme steht doch in einer Reihe mit der Taufe." Die Frau in der weißen Ordenstracht überlegt einen Moment. Sie sagt: „Die Profess hat eine existenzielle Bedeutung, ja." Dann lacht sie:
„Und es war eine richtig dicke Party!"

Die Begeisterung, die Schwester Kerstin-Marie ausstrahlt, dokumentiert sie zusätzlich im Internet. Mit ihren Mitschwestern aus dem Kloster Arenberg nahe Koblenz führt sie einen Weblog, kurz: Blog. Diese Art öffentliches Journal gibt es im weltweiten Netz tausendfach zu den verschiedensten Themen. Die Schwestern schreiben über ihren Alltag im Orden, über besondere Ereignisse und Feiertage; manchmal halten sie auch einfache Gedanken fest, die trotzdem viel ausdrücken.



Im Internet fragen Leute viel eher mal nach
1000 Menschen klicken den Blog täglich an, lesen Artikel, kommentieren, stellen Fragen. „Damit hätten wir nicht gerechnet." Positiv überrascht sind die Nonnen auch darüber, welche Fragen ihnen gestellt werden. In der Öffentlichkeit sei ein veraltetes Bild vom Ordensleben verbreitet – auch dagegen wolle sie mit dem Blog ein Zeichen setzen, sagt Schwester Kerstin-Marie. „Diese offene Form senkt die Hemmschwelle", erklärt sie, „in der Anonymität des Internets trauen Leute sich eher, einfach mal nachzufragen."

Auch ein banales Thema wie ein Grillfest kann über den Blog wichtig werden. „Wenn wir darüber schreiben, vergrößern wir sozusagen die Gemeinschaft, in der wir feiern wollen. Glaubensvermittlung en passant." Denn erst in der Gemeinschaft werde der Glaube wirklich lebendig. Nun nach ihrer Profess will Schwester Kerstin-Marie weitere Angebote für junge Menschen entwickeln.

Sie weiß, dass sie mit ihrer Entscheidung andere Optionen ausgeschlossen hat. „Bisher habe ich gut durchgehalten", resümiert sie und lacht. „Natürlich würde ich manchmal gern einen freien Nachmittag mit Shoppen verbringen. Ganz normal", räumt sie ein. Durch das Ordensleben seien die Gestaltungsräume begrenzter als in der Zeit zuvor, in der sie als Pastoralreferentin gearbeitet hat. „Aber das hat mir nicht gereicht", sagt Schwester Kerstin-Marie. „Ich wollte nicht einfach nur einem Beruf nachgehen, sondern meiner Berufung folgen.

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