Aromaöl und Rosenkranz


Das Dominikanerkloster Arenberg verbindet christliche Spiritualität mit modernen Wellnessangeboten

Text: Herbert Gerstl
Fotos: Kloster Arenberg

Kräutergarten.





Wellness pur im Vitalzentrum: Schwimmen, Sauna, Massagen





Interessierte können am Stundengebet der Dominikanerinnen teilnehmen





Theologe und Psychologe Hofmeir (links) leitet eine geführte Meditation an.

Warmes Orangen-, Mandarinen und Rosmarin-Öl ergießt sich über meinen Rücken. Sanfte Hände massieren es in meine Haut. Meditative Musik erfüllt den Raum, während Schwester Andrea schweigend verkrampfte Muskeln lockert.

Ich liege bewegungslos da und genieße den Augenblick. Nach einer halben Stunde hüllt mich die Ordensfrau in ein weises Laken und lässt mich allein in dem orangefarbenen Raum zurück. Ich bleibe noch einige Minuten liegen, um ein Gefühl totaler Entspannung ganz auszukosten. Schon kurze Zeit später – vormittags gegen Elf — sitze ich Schwester Andrea im Klostercafe gegenüber. Sie erzählt mir aus ihrem Leben und wie es zur Gründung dieses einzigartigen „Wellness-Klosters“ hier in Arenberg gekommen ist.

Das ehemalige Kneippsanatorium hatte wegen fehlender Gäste keine Zukunftsperspektive mehr Deshalb beschloss im Jahr 2000 das Generalkapitel der Dominikanerinnen, mit einem völlig neuen Konzept in die Offensive zu gehen. Es wurde ein modernes Gästehaus mit Hauskapelle und eigenem Vitalzentrum erbaut. Seit 2003 bietet das Kloster 99 Betten für Besucher und Erholungssuchende an. Das Grundkonzept wurde von den Schwestern und weltlichen Mitarbeitern selbst entwickelt und ist so genial wie einfach: stressgeplagte Menschen im körperlichen, seelischen und spirituellen Erholungsprozess zu begleiten und sie wieder auftanken zu lassen.

Das Herzensgebet

Kontrastprogramm am Nachmittag: Der Theologe und Psychologe Dr. Martin Hofmeir gibt eine Einführung in christliche Meditation. Viele Menschen, die ihr Heil in fernöstlichen Religionen suchen, wissen nicht, dass auch das Christentum reiche Schätze an Meditationsübungen anzubieten hat. Hofmeir erklärt das Herzensgebet, auch Jesusgebet genannt. Die kürzeste Form geht so: Auf die Silbe „Je“ einatmen und bei „sus“ ausatmen. Und dies mehrmals wiederholen, sodass die Übung in Fleisch und Blut übergeht. Bevor der Meditierende aber so weit ist, muss er zuvor den Weg der Vorbereitung gehen: sich im Herzen wie eine Blume öffnen, auf Gott ausrichten und auch das Unangenehme, den Schmerz zulassen. Die Stille während der Meditation bringt in jedem Menschen vieles aus dem Unbewussten an die Oberfläche. Auch diese dunklen Seiten dürfen da sein und angeschaut werden. Denn, so Hofmeir: „Alles, was da ist, darf da sein und nur, was in Liebe angenommen wird, kann auch erlöst werden.“

In der praktischen Ausführung sitzen dann im Meditationsraum zwölf Frauen und Männer schweigend um ein geschmücktes Wagenrad, das die vollkommene Harmonie symbolisieren soll. Die Gedanken kommen und gehen wie der eigene Atem, dem ich in der Stille nachspüre. Mein Magen knurrt und ich merke, dass es gar nicht so einfach ist, an nichts zu denken und ein leeres Gefäß zu werden. Nach fünfzehn Minuten holt der Meditationsleiter uns mit zwei Gongschlägen in die Wirklichkeit zurück und ich bin froh, mich wieder bewegen und strecken zu dürfen.

Das Leitbild

Später am Nachmittag begegne ich Bernhard Grunau, dem Verwaltungsdirektor des Klosters Arenberg. Er stellt mir das christliche Leitbild vor, das sich aus einem mehrmonatigen Prozess intensiven Suchens entwickelt hat und an dem viele Schwestern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit großem Engagement beteiligt waren.
Es lässt sich in folgende kurze Formel packen: erholen — begegnen —heilen.
Mit diesem Dreiklang soll dem erholungsbedürftigen Gast geholfen werden, den Einklang von Körper, Geist und Seele wieder herzustellen.
„Wir fragen nicht nach Beruf, Konfession oder religiöser Einstellung unserer Gäste. Jeder darf hier so sein, wie er ist“, so Grunau.
Und: Kloster Arenberg sei kein Wellnessshotel im herkömmlichen Sinne, sondern es arbeite mit einem ganzheitlichen Konzept, das den Gast auch im spirituellen Bereich ansprechen will.