Urlaub im Kloster

Erholung auf himmlische Art Ruhe, Besinnlichkeit, Einkehr. Das Bedürfnis zivilisationsmüder Menschen nach einer Auszeit mit "himmlischem" Beistand ist groß. Auch wer sich selbst und die Begegnung mit Gott sucht, kann fündig werden.

Text: Ina Mersch

Heute sind Klöster nicht mehr nur "Reservate" für Ordensmitglieder. Immer mehr öffnen ihre Pforten und lassen Zivilisationsmüde, Sinnsucher und ausgebrannte Manager bei sich ein. Aber auch solche, die einfach nur an der klösterlichen Kultur und am Alltagsleben der Ordensbrüder und -schwestern interessiert sind. Kommen kann jeder, gleich welcher Konfession, gleich welchen Glaubens er ist; auch Ungläubige werden nicht abgewiesen. Die Klosterbewohner machen den Menschen "in der Welt" Angebote, wie sie in einer Zeit der Hektik und des Getriebenseins wieder zu Ruhe und Besinnlichkeit finden können. Sie zeigen ihnen zudem, wie sie den Kontakt zu ihrem Glauben intensivieren können.

Aber auch die Klöster haben Vorteile von dieser Öffnung nach draußen. Da "Wald und Feld" ihren Lebensunterhalt nicht mehr sichern, können sie dank der Urlauber und Besucher wirtschaftlich überleben.

Viele sehen diese Kommerzialisierung der Klöster auch kritisch. Denn der "Kloster-Boom", wie er gerade zu erleben ist, bringt den schrumpfenden Ordensgemeinschaften zwar enorme Besucherzahlen, aber leider kaum neue Mitglieder ein.

Tagestourist im Kloster

Viele Klöster kann man besuchen und besichtigen. Für Alleinreisende oder Gruppen werden Führungen angeboten, die Einblicke in die unverwechselbare Kunst und Architektur der Klöster erlauben. Man kann bei diesen "Schnupperbesuchen" auch erfahren, was Menschen dazu bringt, ihr Leben ganz und gar in den Dienst Gottes zu stellen und wie ihr Tagesablauf aussieht.

Viele Klöster bieten den Tagesbesuchern daneben noch einen besonderen Service: Sie verköstigen sie in klostereigenen Gaststätten und Cafés und verkaufen in ihren Läden selbst produzierte Waren, wie Weine, Schnäpse, Brot, Kerzen, Bücher.

Fazit: Ein kurzer Schnupperbesuch, bei dem es weniger um Besinnung, als vielmehr um eine erste Kontaktaufnahme geht.

Im Kloster Urlaub machen

Im Kloster Arenberg fühlt man sich für Körper und Geist verantwortlich.Der Angst ums wirtschaftliche Überleben ist es auch geschuldet, dass manche Klöster sich inzwischen so weit nach außen öffnen, dass sie auch Urlaube für Erholungsbedürftige anbieten. Die Gäste wohnen in Gästehäusern oder Hotels (allein oder mit der Familie), werden verköstigt und sind ansonsten frei für alle Aktivitäten – auch die des Klosters natürlich. Prominentes Beispiel für eine solch radikale Öffnung nach außen ist das Kloster Arenberg bei Koblenz. Hier haben die Nonnen Teile ihres Klosters zum "Wellness-Tempel" umfunktioniert. Medizinische Anwendungen und klassische Wellness-Angebote, wie Rückenmassage, Nordic Walking und Aquafitness stehen hier gleichberechtigt neben religiösen Angeboten.

Wellness in Kloster Arenberg. Video zum Anschauen.

Wer vor allem innerlich auf der Suche ist, der kann nutzen, was von den Schwestern augenzwinkernd als "spirituelle Animation" bezeichnet wird. Er kann an der Einführungen in die christliche Meditation, an Gesprächskreisen, Gebeten, Andachten und Eucharistiefeiern, Konzerten sowie Ausstellungen teilnehmen. Den Gästen steht auch eine geistige Begleiterin zur Verfügung, zu der kommen kann, wer ein religiöses Gespräch sucht.

Fazit: Dem Leib etwas Gutes tun, damit die Seele gern darin wohnt - das wird hier verwirklicht. Wer Erholung, aber auch "Futter" für die Seele braucht, ist hier richtig.


Im Kloster Arenberg fühlt man sich für Körper und Geist verantwortlich

Besinnungstage und Kurse in religiösem Leben

Für "Klosterurlaubs-Einsteiger", die nach einer weiterführenden Erfahrung mit Gott und sich selbst suchen, bieten viele Klöster so genannte Besinnungstage oder Kurse zu Fragen des Glaubens und des Lebens an. Sie dauern meist nur wenige Tage und richten sich an Männer und/oder Frauen, aber auch an Familien. Die Teilnehmer kommen in Gesprächskreisen zusammen, beschäftigen sich mit biblischen Themen und bekommen Anregungen zum geistlichen Leben. Sie lernen, wieder Ruhe zu finden und zu sich selbst zu kommen. In manchen Seminaren geht es aber auch ganz praktisch um Lebenskrisen und Umbrüche und wie diese zu bewältigen sind.

Fazit: Auch wenn die Besinnungstage relativ kurz sind: Viele Menschen machen hier seit langem wieder die Erfahrung, mit sich selbst allein zu sein. Die Wirkung der für das Kloster charakteristischen Stille ist nicht zu unterschätzen. Für den einen ist sie genau die gesuchte Erfahrung, für andere kann die Konfrontation mit sich selbst durchaus eine Grenzerfahrung werden. Teilnehmer sollten in jedem Fall psychisch belastbar sein und die Bereitschaft haben, sich auf eine Gruppe einzulassen.

Eine neue Richtung einschlagen: Kloster-Auszeit

Weniger Merkmale eines Urlaubs als vielmehr die einer "produktiven" Auszeit hat ein längerer Aufenthalt (Wochen bis zu ein paar Monaten) im Kloster, bei dem sich der Gast komplett in die Regeln der Ordensgemeinschaft einordnet; also mit den Ordensmitgliedern aufsteht, an ihren Gebeten teilnimmt und mit den Mönchen und Nonnen im Refektorium isst. Statt Ausschlafen, Träumen und Erholung steht hier Mitarbeit im Ordensalltag auf dem Programm.

Ein eher asketisches Aufenthalt zwar, aber die Möglichkeit, Traditionen und Strukturen des Klosters mitzuerleben und intensive spirituelle Erfahrungen zu machen. Das kann unter Umständen auch bedeuten, seinen aktuellen Standort zu überdenken und neue Perspektiven für das eigene Leben zu gewinnen.

Fazit:

Der Aufenthalt mit zeitweisem Anschluss an die Ordensgemeinschaft kann helfen, zur Ruhe zu kommen und spirituelle Erfahrungen zu sammeln, die der persönlichen Weiterentwicklung dienen.

Kontakt aufnehmen

Die einzelnen Klöster sind verschieden groß und verschieden geprägt, die Anzahl der Gäste, die sie aufnehmen können, ist häufig begrenzt. Vor allem bei einem längeren Aufenthalt ist es in der Regel erforderlich, sich in einem persönlichen Brief direkt an die Bruder- oder Schwesternschaften zu wenden, die eigene Motivation zu erläutern und nach einer gastweisen Aufnahme zu fragen.