Wie steht das Kloster zum Profit?

Dominikanerinnen wirtschaften mit irdischen Mitteln.

Text: Tina Schlip
Fotos: Dennis Strassmeier


Die Nonne und der Manager: Schwester Beatrix und Bernhard Grunau leiten das Haus im Team

Mutterhaus
Das Mutterhaus: Seit 1864 leben in Arenberg Dominikanerin¬nen.
Zurzeit sind es 65 Schwestern.
Schwester Ursula hat 480 Facebook-Freunde. Gerade sitzt sie im weißen Kleid und mit schwarzem Schleier an ihrem Rechner, schreibt hier und da ein paar Kommentare oder postet etwas Neues über ihren Orden
Hier bei den Dominikanerinnen in Arenberg – einem Ortsteil von Koblenz – lebt die promovierte Apothekerin seit fünf Jahren. Neben ihrer Hauptauf­gabe, der Seelsorge im Haus, bloggt sie im Internet über das Klosterleben. Das macht ihr vor allem Spaß und hat einen angenehmen Nebeneffekt: „Damit können wir immer wieder auf uns aufmerksam machen", so die 36-Jährige.

Kirchensteuer? Fehlanzeige

Dieses fromme Marketing kommt, nun ja, dem Fachkräfte Mangel entgegen - und hat dem Orden bereits Novizinnen, also Nachwuchs, beschert. Sowieso: Das Kloster Arenberg wird so professionell geführt wie andere Wirtschaftsunternehmen auch. Schließlich müssen sich Klöster in Deutschland selbst finanzieren.
Von der Kirchensteuer sehen sie keinen Cent.

„Die wirtschaftliche Situation der Klöster in Deutschland ist sehr unterschiedlich", so Arnulf Salmen von der Deutschen Ordensobernkonferenz, dem „Branchenverband" für Orden. „Die einen stehen finanziell sehr gut da. Andere müssen sehen, wie sie über die Runden kommen."

Das „Geschäft" der Arenberger ist die Erholung. Dabei geht es den Dominikanerinnen allerdings nicht darum, einen Wirtschaftsbetrieb zu führen, sondern ihrer Sendung in der heutigen Zeit nachzukommen: Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Schon 1954 entstand hier ein Kneipp-Sanatorium. Doch zuletzt blieben die Gäste aus. Die Schwestern suchten einen neuen Weg, ihrem Sendungsauftrag gerecht zu werden.

Das Ergebnis: einen 15 Millionen Euro teurer Umbau mit modernem Gästehaus und Vitalzentrum mit ge­sundheitlichen und spirituellen Kursangeboten, Sauna, Schwimmbecken, Fitnessstudio und allem Pipapo. Hier sollen sich Gäste in verschiedenen Lebenssituationen eine Auszeit nehmen. „Wir haben das alles ohne Kredit finanziert", sagt Bernhard Grunau, Geschäftsführer der Arenberg GmbH und Leiter des Gästehauses. Bezahlt haben diesen Umbau die Do­minikanerinnen aus jahrzehntelanger Arbeit und Grundstücks Verkäufen.

„Nun müssen wir das Gästehaus wirtschaftlich führen und zukünftige Investitionen selbst erwirtschaften", erklärt Grunau. Rechtlich ist der Betrieb, die Arenberg GmbH, Eigentum der Schwestern. Er untersteht dem päpstlichen Recht.

Der Wecker klingelt um vier Uhr morgens

85 Mitarbeiter sind hier be­schäftigt. „Leider sind es in der letzten Zeit immer weniger Schwestern, die hier arbeiten", sagt Schwester Beatrix, geistliches Mitglied der Hausleitung. Die 73-Jährige ist „Mädchen für alles", wie sie selbst sagt, und unter anderem verantwortlich für die Buchhaltung des Noviziats, für Verwaltungsaufgaben, die Post und Anliegen der Gäste.
Mit Bernhard Grünau arbeitet sie Hand in Hand. Kein Personalgespräch, an dem nicht beide teilnehmen, keine größere Anschaffung, der nicht beide zustimmen.
Jede Schwester setzt sich dafür ein, dass der Laden läuft: Schwester Annuntiata zum Beispiel betreut die Gäste. Bei allen Mahlzeiten gesellt sich die 73-Jährige zu ihnen. Da sie das gesetzliche Rentenalter erreicht hat, wirkt Annuntiata ehrenamtlich mit.
Zeit zum Beten nimmt sie sich davor. „Ich stehe um vier Uhr auf, sagt sie mit rheinischem Dialekt. „Dann hab ich mein Rendezvous mit dem da oben." Schwester Matthia hilft in der Wäscherei mit, Schwester Richildis in der Kräuterei. Und Schwester Marina verkauft im Klosterladen Tees, Marmeladen und Liköre aus hauseigener Herstellung. Zu­sammen mit dem Kloster Café, der Kräuterei und dem Kloster Keller macht der Laden einen Gewinn von jährlich rund 100000 Euro.

Schöpfungsgedanke im Haushaltsplan

Ansonsten macht das Haus keinen Gewinn im eigentlichen Sinne. „Wir bilden Rücklagen für neue Investitionen", so Grunau. Und die schlagen im nächsten Jahr mit rund 300 000 Euro zu Buche. Insgesamt setzt das Haus rund drei Millionen Euro um.
„Der Schöpfungsgedanke ist in unserem Haushaltsplan allgegenwärtig", erklärt Grünau. „Wir beziehen ausschließlich Strom aus regenerativer Energie." Photovoltaik- und eine solarthermische Anlage sind auf dem Dach installiert. Der Kaffee ist fair gehandelt, die Backwaren sind „bio".
Zurück zu den Wurzeln mit fortschrittlichem Unternehmergeist: Die Arenberger gehen mit der Zeit.

Bei den Gasten: Schwester Annuntiata nimmt sich Zeit für persönliche Gespräche. Im Klosterladen: Schwester Marina verkauft hausgemachte Produkte wie Tees,
Marmeladen oder Liköre.
In der Wäscherei: Schwester Matthia bügelt Bettzeug für das Gästehaus. In der Kräuterei: Schwester Richildis sortiert Minzblätter für den Klostertee.

Steigende Besucherzahlen

Modernes Marketing Kloster Arenberg
Modernes Marketing: Auch Ordensschwestern haben soziale Netzwerke für sich entdeckt.

Mit insgesamt 1,2 Millionen Arbeitnehmern sind die katholische und evangelische Kirche in Deutschland der zweitgrößte Arbeitgeber nach dem öffentlichen Dienst.

Es gibt rund 21000 Ordensfrauen und 4900 Ordensmänner. Doch ihre Zahl sinkt. Vor zehn Jahren waren es noch 31400 Frauen und 5 500 Männer.

Die Geschäftsmodelle der Klöster unterscheiden sich:
Einige betreiben Landwirtschaft, andere brauen Bier oder stellen Kosmetik her.
Zunehmend öffnen sich die Klöster für Menschen, die dort eine Auszeit suchen. 255 000 Männer und Frauen waren das im Jahr 2010.
Diese Zahlen hat die Deutsche Ordensobernkonferenz erhoben.

In einer Umfrage berichten 80 Prozent von 182 befragten Ordensgemeinschaften von gleichbleibenden oder steigenden Besucherzahlen.